User Online: 1 | Timeout: 04:13Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Sanierung Tausender Häuser gekippt
Zwischenüberschrift:
Wohnkonzern Vonovia reagiert auf Mieterprotest in Osnabrück und anderen Städten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Mieterhöhungen um knapp 50 Prozent haben Mieterproteste in Osnabrück und anderen Städten ausgelöst, weil Mieter die Zeche für die energetischen Sanierungen zahlen mussten. Jetzt reagiert Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia mit drastischen Maßnahmen.

Osnabrück Vonovia-Chef Rolf Buch will seine energetischen Investitionen in Deutschland um rund 40 Prozent kürzen und begründet das mit einer dramatisch zurückgegangenen″ gesellschaftlichen Akzeptanz für die mit Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen. Vonovia ist mit 400 000 Wohnungen Deutschlands größter Vermieter. In Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verfügt Vonovia über 83 000 Wohnungen. Auch in der 170 000-Einwohner-Stadt Osnabrück ist der Immobilienriese mit knapp 4000 Wohnungen derzeit größter Wohnungsvermieter. Nach Mieterhöhungen infolge von energetischen Sanierungen um bis zu fast 50 Prozent gab es harsche Kritik. Der Caritasdirektor für die Diözese Osnabrück, Franz Loth, bezeichnete diese Mieterhöhungen als asozial″ .

Nun reagiert Vonovia: Aktuell prüfen wir die Projekte für 2019 intensiv. Auch die laufenden Projekte werden wir uns noch einmal ansehen″, antwortete ein Konzernsprecher auf die Frage unserer Redaktion, inwiefern energetische Investitionen in unserer Region gestoppt werden. Im Jahr 2018 hat Vonovia 543 Wohnungen in Osnabrück energetisch saniert und plant bislang, jährlich 150 Wohnungen in den kommenden Jahren energetisch zu sanieren. Unsere Redaktion hatte in den vergangenen Wochen über zahlreiche zweifelhafte Vonovia-Modernisierungen in Osnabrück berichtet. Die Mieterhöhungen waren um ein Vielfaches höher als die Ersparnis bei den Heizkosten.

Vonovia-Chef Buch erklärte mit Blick auf den Streit um energetische Sanierungen: Es nutzt nichts, wenn die Leute das nicht wollen.″ Während die Modernisierungsquote bei Vonovia bislang bei rund fünf Prozent des Wohnungsbestands gelegen habe, solle sich dieser Wert nun auf rund drei Prozent reduzieren. Künftig werde es durch Sanierungen zudem keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro je Quadratmeter geben . Vonovia werde die frei werdenden Mittel künftig verstärkt in Schweden investieren, wo die Akzeptanz dafür deutlich größer sei, kündigte Buch an.

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Mieterbunds Niedersachsen-Bremen, Carsten Wanzelius, kommentierte: Der Vonovia-Chef will der Politik ein schlechtes Gewissen einreden, indem er ankündigt, stärker in Schweden als in Deutschland zu investieren.″

Kommentar
Wohnen darf kein Luxus werden

Die Empörung über Deutschlands größten Wohnkonzern ist groß. Die Proteste gegen drastische Mieterhöhungen sind auch verständlich. Wohnen wird zunehmend zum Luxus.

Die Zahl der Bürger steigt, die einen immer größeren Teil ihres Einkommens für ein warmes Heim ausgeben müssen. Dieser Trend verschärft sich. Dafür ist der Mangel an Wohnraum zu groß. Faktoren wie Zuwanderung, mehr Einzelhaushalte und steigende Bodenpreise verschärfen die Lage. Als Adressat für die sich aufstauende Wut sind Wohnkonzerne dankbare Ziele, auch wenn sie nicht die Hauptverantwortung für die Misere tragen.

Sicher: Das Krisenmanagement von Vonovia ist unglücklich. Statt auf die Mieter zuzugehen, will der Konzern den Geldhahn zudrehen. Doch Vonovia hat nichts Unrechtes getan, sondern umgesetzt, was politisch gewollt ist. Bauvorschriften, Mietrecht und Fördermaßnahmen sind mit dem Ziel geändert worden, die energetische Sanierung massiv voranzutreiben ganz im Bewusstsein, Bau- und somit die Wohnkosten ebenso massiv zu erhöhen. Auch wurden Warnungen ignoriert, dass manche Maßnahmen wie die Fassadendämmung kontraproduktiv sein können. Stichwort Dämmwahn: Jetzt wundert sich der Mieterbund, dass die Energieeinsparungen weit geringer ausfallen als gedacht.

Zur Wahrheit gehört also auch, dass viele Mieter eine Serie von politischen Fehlentscheidungen ausbaden.
Autor:
Jean-Charles Fays, dpa, Michael Clasen


Anfang der Liste Ende der Liste