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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Handwerker sauer: Verkehr in Osnabrück nervt und kostet Geld
 
Handwerker regen sich über den Verkehr auf
Zwischenüberschrift:
Wie Betriebe und Kunden unter der wachsenden Zahl der Autos leiden
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der dichte Verkehr in Osnabrück kostet die Handwerksbetriebe Zeit, Nerven und Geld. Das ist das Ergebnis einer Onlinebefragung der Handwerkskammer unter den Mitgliedsbetrieben. Drei Viertel der befragten Betriebe bewerten den Verkehrsfluss durch Osnabrück als schlecht. 52 Prozent vergaben die Note mangelhaft″, 23 Prozent ungenügend″. Die Erreichbarkeit der Innenstadt wird von 40 Prozent der befragten Betriebe als mangelhaft und von zwölf Prozent als ungenügend bewertet. Der Leiter des Fachbereichs Verkehrsanlagen im Rathaus, Ralf Lieber, kann die Kritik der Handwerker nachvollziehen″. Die Situation sei prekär″. Die Handwerkskammer fordert die Stadt zu raschen Verbesserungen auf und macht fünf konkrete Vorschläge.
Foto:
Jörn Martens

Handwerksmeister Kai Schaupmann kann von seinem Büro aus den Wallring sehen und am Verkehr sofort erkennen, wenn die Autobahn wieder mal dicht ist. Dann ist Stau auf dem Wall, und er weiß er, dass seine Teams zu spät zu ihren Kunden kommen. Der wachsende Verkehr ist ein Problem für das Handwerk und die Kunden.

Osnabrück Schaupmann ist Obermeister der Heizungs- und Sanitärinnung. Seine Firma hat ihren Sitz an der Holtstraße, ganz dicht am südlichen Wallring. 20 Fahrzeuge schickt er täglich los zu Kunden. Vor zwei Jahren noch, sagt er, schafften seine Serviceteams vier bis sechs Termine am Tag. Heute sind es ein bis zwei weniger, weil Zeit auf der Straße verloren geht. Schaupmann hat die Terminpläne angepasst, zähneknirschend. Wenn seine Autos im Stau stehen, verdienen sie kein Geld.

Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, hat in der Vollversammlung am Donnerstag den Verkehr in Osnabrück zum Hauptthema gemacht. Hintergrund ist eine Onlineumfrage, die die Handwerkskammer Mitte November für eine Woche scharf schaltete. 155 Betriebe aus der Region beteiligten sich und senkten den Daumen: Drei Viertel der Handwerksmeister beurteilten die Verkehrslage als mangelhaft oder ungenügend.

Die Verkehrsbehinderungen der letzten Monate, verursacht durch eine hohe Baustellendichte, haben nach Aussage vieler Handwerksmeister die betrieblichen Arbeitsabläufe gestört. 67 Prozent gaben an, dass die angespannte Verkehrslage zu Beeinträchtigungen geführt habe. Die meisten Kunden hätten aber Verständnis gezeigt. So gaben laut Handwerkskammer 55 Prozent der Betriebe an, dass die Kunden tolerant reagiert hätten, wenn es aufgrund von Verkehrsbehinderungen zu Verspätungen in der Auftragsabwicklung gekommen sei.

81 Prozent der befragten Handwerksbetriebe äußerten den Eindruck, dass sich mit dem Abschluss der meisten Bauarbeiten auf dem Wall der Verkehrsfluss in Osnabrück nicht wesentlich verbessert habe.

Wir werden die Ergebnisse der Stadt präsentieren, erläutern und darstellen, wie es in absehbarer Zeit Änderungen in der Verkehrspolitik geben sollte, um die kritischen Zustände auf Osnabrücks Straßen zu beenden″, sagte Ruschhaupt. Auch die Arbeitgeber seien in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten. Die Digitalisierung könne genutzt werden, Beschaffungsprozesse oder Routenmanagement zu optimieren.

Wir wollen nicht nur meckern, wir haben auch konkrete Vorschläge″, ergänzte der Sprecher der Handwerkskammer, Andreas Lehr, am Freitag. Konkret fordern die Betriebe: effizientere Ampelschaltung, besseres Baustellmanagement, Stärkung des Nahverkehrs, Park-and-ride-Angebote an den Ein- und Ausfahrtstraßen für Pendler, Lückenschluss der A 33 zur Entlastung des Walls.

Wirtschaft brummt

Trotz der Verkehrsprobleme: Das Geschäft läuft gut bei Handwerksmeister Kai Schaupmann. Er hat in den vergangenen zwei Jahren zwei zusätzliche Montagewagen in Betrieb genommen. Und damit steht er beispielhaft für die Baubranche, die seit Jahren brummt und die immer mehr Material über die Straßen bewegt.

Die Zahl der in Stadt und Landkreis Osnabrück gemeldeten Nutzfahrzeuge ist allein 2016 nach Angaben der Stadt um 3, 9 Prozent auf 39 723 Fahrzeuge gestiegen. In den letzten zehn Jahren stieg der Fahrzeugbestand in der Stadt Osnabrück insgesamt (Pkw und Nutzfahrzeuge) um 15 Prozent.

Wir wissen auch, dass wir keine Häuser wegfräsen können″, sagt Kammersprecher Lehr. Die Handwerker hätten aber wenig Verständnis für Überlegungen der Stadt, Tempo-30-Versuche auf Hauptverkehrsstraßen mitzumachen oder den Neumarkt zu sperren. Besser wäre, das Rad- und Busfahren attraktiver zu machen. Damit würde auf den Straßen mehr Platz für jene geschaffen, die auf das Fahrzeug zwingend angewiesen sind.

Die Teams von Handwerksmeister Schaupmann brauchen ihre Kleintransporter für Werkzeug und Ersatzteile. Doch allein in seiner Branche, sagt Schaupmann, gebe es weit über vier Millionen Bauteile, die keiner alle an Bord haben könne. Wenn ein Ersatzteil fehlt, muss einer noch mal losfahren und es holen und hoffen, nicht zu viel Zeit im Verkehr zu verlieren.

Kommentar
Berechtigte Forderungen

Es gibt kein Thema, das Osnabrück stärker aufwühlt als der Verkehr. In allen Bürgerforen dominiert es. Und fast immer steht einer am Pranger: Frank Otte, Stadtbaurat und Mitglied der Grünen.

Ihm wird vorgeworfen, eine ideologische Verkehrspolitik zu betreiben, die Autos aus der Stadt verbannen und den Menschen eine bestimmte Form der Mobilität vorschreiben will. Natürlich eignet sich Otte bestens als Sündenbock, wenn es auf dem Wallring mal wieder nicht weitergeht. Doch eines ist dem Stadtbaurat nicht anzulasten: dass die schiere Zahl der Autos das Straßennetz überfordert. Um knapp zwei Prozent wächst der Fahrzeugbestand jährlich. Damit könnte die Stadt nur Schritt halten, wenn sie wie in den Siebzigern breite Schneisen schlüge.

Was also tun? Die Handwerkerschaft stellt berechtigte Forderungen. Das Baustellenmanagement ist ebenso verbesserungsfähig wie manche Ampelschaltung. Das Handwerk will, dass Anreize geschaffen werden, damit diejenigen, die für einen Weg nicht zwingend das Auto brauchen, andere Verkehrsmittel wählen. Dann hätten jene Platz auf der Straße, die das Auto wirklich brauchen wie die Handwerker.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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