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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vier Millionen für 90 Tage bei Karmann
 
Hermann stellt Karmann vier Millionen in Rechnung
Zwischenüberschrift:
Insolvenzverwalter des Autobauers will erstmals Lohn sehen
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Insolvenzverwalter des ehemaligen Autobauers Karmann hat seinen Vergütungsantrag beim Amtsgericht Osnabrück eingereicht. Nach Informationen unserer Zeitung fordert Ottmar Hermann für seine Arbeit während der ersten drei Monate nach dem Insolvenzantrag im April vergangenen Jahres insgesamt 3, 9 Millionen plus Steuern für sich und sein Expertenteam. Der Frankfurter Konkurs-Spezialist hat bisher noch kein Geld für seine Tätigkeit erhalten und alle Kosten vorfinanziert. Die beantragte Summe resultiert auch aus der enormen Zahl der Gläubiger: Mehr als 7100 forderten zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags Geld von Karmann.

Bildtext:
Ottmar Hermann
Foto:
AP

OSNABRÜCK. Die Sicherung von Löhnen und Gehältern bei Karmann bezeichnete Ottmar Hermann stets als eine seiner großen Aufgaben. Jetzt möchte der Insolvenzverwalter Geld für seine eigene Arbeit. Für die ersten drei Monate seit Insolvenzanmeldung beantragt Hermann nach Informationen unserer Zeitung für sich und sein Team 3, 9 Millionen Euro plus Steuern.
Das Werksgelände ist verkauft, Hunderte Arbeiter haben im neuen VW-Werk eine Perspektive, Hunderte andere wanderten in die Arbeitslosigkeit. Mehr als 7100 Gläubiger konfrontieren Hermann mit offenen Rechnungen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro. Das ist nach 15 Monaten die vorläufige Bilanz der Insolvenz von Osnabrücks einstigem Vorzeigeunternehmen.
Keine besonders angenehme Aufgabe. Aber: Hermann macht einen guten Job″, bescheinigen dem Juristen aus Frankfurt sogar die meisten Arbeitnehmer-Vertreter. Der Konkurs-Spezialist gehört in der Branche zu den fünf Top-Insolvenzverwaltern in Deutschland. Neben Tausenden kleinen Verfahren betreut das 180-köpfige Team seiner Kanzlei auch die Insolvenzen des einstigen Bauriesen Philipp Holzmann und der Warenhauskette Woolworth. Bis die Insolvenz beim Traditions-Autobauer Karmann vollständig abgewickelt ist und die Bücher geschlossen werden können, dauert es noch acht bis zehn Jahre, sind sich Branchenkenner einig. Während dieser Zeit wird Hermann Insolvenzverwalter und damit Chef von Karmann bleiben. Er wird offene Rechnungen eintreiben und Ansprüche verwalten. Selbst dann, wenn alle Beschäftigten das Unternehmen verlassen haben sollten. Für die sogenannte vorläufige Insolvenz, also für die ersten und turbulentesten drei Monate, nachdem Karmann im April vergangenen Jahres die drohende Zahlungsunfähigkeit anmelden musste, möchte Hermann jetzt den Lohn seiner eigenen Arbeit.

Kosten vorfinanziert

Beim Amtsgericht Osnabrück prüft derzeit ein Rechtspfleger den umfangreichen Vergütungsantrag, den Hermann eingereicht hat: 3, 9 Millionen Euro plus Umsatzsteuer für 90 Tage Stress und Risiko. Bislang hat er für die 15 Monate Arbeit bei Karmann kein Geld erhalten und alle seine Kosten vorfinanziert. Weitere Zahlungen werden abschnittsweise in den nächsten Jahren folgen.
Gut unterrichtete Kreise rechnen damit, dass Hermann nach Ende des Karmann-Insolvenzverfahrens in etwa acht Jahren zehn Millionen Euro Honorar bekommen wird einen Teil jetzt, den Rest am Ende. Von dem Geld muss der Top-Jurist alle Kosten und die Löhne seines 20-köpfigen Expertenteams zahlen. Was dann noch übrig bleibt, ist der Gewinn seiner Kanzlei.
Diese Bezahlung resultiert aus einer gesetzlich festgelegten Vergütung von Insolvenzverwaltern. Ein Kriterium dafür ist neben der Zahl der Gläubiger auch der Wert des Unternehmens: Nach Informationen unserer Zeitung hatte die Firma Karmann zum Zeitpunkt ihrer Insolvenz einen Wert von deutlich über 400 Millionen Euro. Dazu kommen noch Hallen, Grundstücke und die hochmoderne Lackierstraße.
Das alles ist aber nur eben so viel wert, wie jemand bereit ist, dafür zu zahlen. Unbestätigten Informationen zufolge soll Volkswagen rund 40 Millionen Euro für das Werksgelände samt Lackierstraße gezahlt haben. Diese Summen sind die Grundlage für die Berechnung der Insolvenzverwalter-Vergütung.
Wegen besonderer Erschwernisse in diesem komplexen Verfahren und wegen der enormen Zahl von Gläubigern hätte Hermann sogar noch weitere Zuschläge fordern können, bestätigen Juristen. Aber das Unternehmen muss auch noch leben können″, heißt es aus dem Umfeld Hermanns. Denn den Insolvenzverwalter zahlt nicht etwa das Gericht oder der Staat, sondern Karmann.

Bildtext:
Ende eines Wahrzeichens: der Karmann-Turm ohne Schriftzug.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Stefan Prinz


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