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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Maidorf wird es auch 2019 nicht geben
 
Das alte Maidorf wird eingemottet
Zwischenüberschrift:
Warum die Stadt sich nicht traut, den Partytempel zu genehmigen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ende und Aus: Auch 2019 wird es auf der Maiwoche kein Maidorf geben. Das Bauamt der Stadt sieht keine Chance, auf Grundlage der geltenden Gesetze den Eigenbau zu genehmigen. Problematisch sind der Brandschutz und die Fluchtwege. Nach Informationen unserer Redaktion hat die Verwaltung den nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss entsprechend informiert. Maidorf-Erfinder Frederik Heede ist nach eigenen Angaben über den Sachstand nicht informiert worden. Die Entwicklung sei bedauerlich″, aber auch wenig überraschend″. Er vermisse den Willen der Verantwortlichen bei der Stadt, Wege zu finden, das Maidorf in der bisherigen Form zu retten. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass es das alte Maidorf auch in den nächsten Jahren nicht geben wird.

Maidorf-Betreiber Frederik Heede packt resigniert ein. Er lässt das alte Maidorf einmotten, weil er keine Lust mehr auf die Debatten mit der Baubehörde hat. Sehr zum Bedauern der Maiwochen-Fans die sich fragen, warum sich die Behörde nach 14 Jahren so hartnäckig querstellt.

Osnabrück Der Fachbereich Städtebau hat den Verwaltungsausschuss in der vergangenen Woche auf den letzten Stand in Sachen Maidorf gebracht. Und der ist: Unter den derzeitigen Bedingungen ist die selbst gebaute Partyburg nicht genehmigungsfähig. Im Rathaus geht man davon aus, dass es 2019 erneut nur ein Mini-Maidorf wie während der Maiwoche 2018 geben wird.

Frederik Heede bestätigt das. Es habe nach der jüngsten Maiwoche ein Gespräch mit der Bauverwaltung und weiteren Fachleuten gegeben ohne Lösungsansatz, ohne Annäherung. Wir drehen uns im Kreis″, sagte Heede im Gespräch mit unserer Redaktion. Er habe der Verwaltung alles auf den Tisch gelegt″. Wenn man im Rathaus wirklich wollte, so Heede, würde es für das Maidorf auch eine Lösung geben.

14 Jahre gab es das Maidorf, das sich aus bescheidenen Anfängen zum Hauptanziehungspunkt des Stadtfestes entwickelt hatte. Anfang 2018 teilte Stadtbaurat Frank Otte der verblüfften Öffentlichkeit in einer Pressekonferenz mit, dass er den Eigenbau nicht erneut genehmigen könne. Es fehle die rechtliche Grundlage. Ohne Baubuch, in dem alle Details des Eigenbaus aufgezeichnet sind, und ohne Segen des Tüv gehe nichts.

Der Tüv Nord prüfte und schob die Verantwortung an die übergeordnete Stelle, das Umweltministerium in Hannover, weiter, das sich ebenfalls aus der Affäre zog und den Schwarzen Peter an die Stadt zurückgab.

Das Maidorf könnte prinzipiell als sogenannter fliegender Bau eingestuft und von der Stadt für den Gebrauch zugelassen werden. Als fliegende Bauten gelten zum Beispiel Großfahrgeschäfte auf Jahrmärkten. Das Problem im Fall Maidorf ist: Auch für fliegende Bauten gelten Abstandsvorschriften zu Nachbargebäuden. Wenn die nicht eingehalten werden können, wie beim Maidorf der Fall, müssen gesondert Brandschutzwände eingezogen werden. Das Maidorf müsste also mit Wänden von der Stadtbibliothek abgetrennt werden. Das sei nicht zu bezahlen, meint ein Brandschutzverständiger. Eine andere Möglichkeit wäre, Abtrennungen an der Stadtbibliothek anzubringen. Doch die steht unter Denkmalschutz.

Das zweite Problem sind die Fluchtwege. Die Hauptfluchtrichtung aus dem Maidorf ist Richtung Markt. Es müsse sichergestellt sein, dass die Menschen im Notfall ungehindert weiter Richtung Bierstraße flüchten könnten. Das sicherzustellen habe sich in den vergangenen Jahren als schwierig herausgestellt, teilte das Bauamt den Politikern im Verwaltungsausschuss mit. Die Verwaltung kommt zu dem Schluss, dass eine Gebrauchsabnahme″ durch die Bauaufsicht unter den derzeitigen Bedingungen nicht möglich wäre.

Der Verlust des großen Maidorfes hat aus Sicht der Sicherheitsexperten aber auch einen Vorteil: Sollte es auf dem Markt zu einer Panik kommen, könnten sich die Menschen auf dem Platz des Westfälischen Friedens in Sicherheit bringen. Der Innenhof der Stadtbibliothek stünde als zusätzliche Abströmfläche″ zur Verfügung. Das kleine Maidorf stünde dabei nicht im Weg.

Frederik Heede wird in der kommenden Maiwoche (10. bis 19. Mai 2019) wieder das kleine Maidorf mit Getränke- und Genussbuden unter freiem Himmel aufbauen. Das ist wirtschaftlich für ihn ein Wagnis angesichts von Fixkosten im mittleren fünfstelligen Bereich. Ich muss den Platz bespielen, um ihn nicht zu verlieren″, sagt Heede.

Denn so ganz hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, in ein paar Jahren doch noch das alte Maidorf wieder aufbauen zu können.

Bildtext:
Das wird es nicht mehr geben: das Maidorf auf der Maiwoche (hier ein Foto von 2011).
Foto:
Archiv/ Moritz Frankenberg

Kommentar
Alle ducken sich weg

Das alte Maidorf, entstanden aus dem Mut und der Tatkraft eines Unternehmers, war der wichtigste Anker auf der Maiwoche. Schade, dass wir in der Vergangenheitsform über diesen ungewöhnlichen Partytempel reden müssen, der dem Straßenfest ein Alleinstellungsmerkmal gab. Das Maidorf ist an der Hartnäckigkeit der Baubehörde gescheitert. Doch der eigentliche Grund liegt viel, viel tiefer: in der Sicherheitshysterie unserer modernen Gesellschaft und im überbordenden Hang, einen Schuldigen für selbst erlittenes Unglück zu suchen.

Die Love-Parade in Duisburg stellt in dieser Hinsicht einen Einschnitt dar. Behördenmitarbeiter, die mit Großveranstaltungen zu tun haben, müssen befürchten, dass sie vor Gericht gestellt werden, sollten ihnen im Katastrophenfall auch nur der kleinste Fehler nachgewiesen werden. In diesem Klima lernen Führungskräfte heute vor allem, sich nach allen Seiten abzusichern. Sie lernen nicht, mutig Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Den Behördenmitarbeitern ist kein Vorwurf zu machen. Den Rücken gerade machen müsste der, der sich bei den Wählern um die Übernahme politischer Verantwortung beworben hat: der Oberbürgermeister.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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