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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Der Löwenanteil muss von außen kommen″
Zwischenüberschrift:
Kulturdezernent Wolfgang Beckermann präzisiert, was die Sanierung des Theaters die Stadt kostet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Kommentare auf unseren ersten Bericht zur anstehenden Sanierung des Theaters am Domhof haben wir zum Anlass genommen, bei der Stadtverwaltung nachzufragen. Kulturdezernent Wolfgang Beckermann hat unsere und die Fragen der Leser beantwortet.

Kindergärten, Straßen und Schulen sind marode, und die Stadt saniert das Theater. Ist das gerechtfertigt?

Da liegen Missverständnisse vor. Die Stadt beabsichtigt keineswegs, aus eigenen Haushaltsmitteln 62 oder, mit Risikozuschlägen, 80 Millionen Euro in die Sanierung des Theaters zu geben. Bereits bei der ersten öffentlichen Präsentation des Sanierungsprojekts haben Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und ich erklärt, dass wir uns eine Sanierung nur vorstellen können, wenn zwei Drittel der Bausumme über eine Außenfinanzierung gedeckt werden, durch Bund, Land und weitere Institutionen und auch Privatleute.

Dann bleiben immer noch 20 bis 27 Millionen Euro, die die Stadt aufbringen muss. Wäre das nicht besser in Schulen investiert?

Der Rat hat bereits im vergangenen Jahr beschlossen, in der mittelfristigen Planung 80 Millionen Euro für die Schulen aufzuwenden: Ausbau der Ganztagsschulen, Sanierung und Neubau von Schulen. Das ist eine Summe, die wir aus städtischen Mitteln aufbringen, und das ist noch nicht das Ende, entsprechend der Investitionsoffensive, die der Rat im letzten Jahr beschlossen hat. Unsere aktuelle Schulentwicklungsplanung wird erhebliche weitere Investitionserfordernisse mit sich bringen. Wenn wir den Kultur- und den Bildungsbereich nebeneinanderstellen, sieht man, dass wir sehr viel mehr in den Bereich der Bildung investieren. Und noch einmal: Der Löwenanteil des Geldes für die Theatersanierung wird von außen kommen müssen.

Hätte es Alternativen zur Sanierung gegeben?

Die Alternativen wären ein kompletter Neubau gewesen oder eine Null-Variante, bei der über dreißig Jahre nur anfallende Reparaturen durchgeführt werden. Wir haben das durchrechnen lassen, mit dem Ergebnis, dass die Neubau-Variante am teuersten kommt, gefolgt von der Null-Variante. Die günstigste Variante ist die angestrebte Sanierung.

Die ist aber trotzdem nur möglich mit dem Geld von außen. Was macht Sie jetzt schon so sicher, dass diese Zwei-Drittel-Lösung zustande kommt?

Da bin ich nicht hundertprozentig sicher! Die Stadt hat erhebliche Erfordernisse in der Infrastruktur, und der Finanzvorstand Thomas Fillep hat im Blick, dass das alles zu leisten sein muss: der Ausbau von Kindergärten, Straßen. Deshalb werden wir die Theatersanierung nur leisten können, wenn wir in hohem Maße Zuschüsse vom Land, vom Bund, von anderen Stellen bekommen.

Wie steht der Rat dazu?

Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Mit dem Rat hatten wir bisher einen informellen Austausch gehabt, keine formale Sitzung. Dann haben wir die Öffentlichkeit informiert, und Anfang nächsten Jahres soll der Grundsatzbeschluss des Rates folgen. Ich gehe davon aus, dass der Rat dem Vorschlag folgen wird.

In den Kommentaren auf unseren ersten Beitrag zur Theatersanierung wird gefordert, die Ticketpreise bis zu 30 Euro zu erhöhen. Was halten Sie von dieser Idee; könnte man so nicht die städtischen Zuwendungen ans Theater reduzieren?

Die Eintrittspreise, die wir für unser Theater verlangen, bewegen sich eher im oberen Bereich, verglichen mit anderen Theatern außerhalb der großen Zentren. Aber ich finde, die Preise sind angemessen. Wir haben ein Publikum, das sich, was die Einkommensverhältnisse angeht, sehr unterscheidet: Wir haben von der Rentnerin mit einem überschaubaren Einkommen bis zum Unternehmer alles. Daher glaube ich nicht, dass man die Preise so locker erhöhen kann. Da müssen wir im Sinne sozialer Verantwortung maßvoll sein. Gewisse Anpassungen kann man aber schon vornehmen.

Ein anderer Leser stellt die Frage, ob die Mittel im Kulturhaushalt so verteilt sind, dass sie den Bedürfnissen der Bürger entsprechen. Sie fordern mehr Geld für Bücher, für Sport und Bildung. Zu Recht?

Der Rat wird am kommenden Dienstag den Haushalt für das Jahr 2019 verabschieden. Und da wird er deutlich mehr Mittel für die Kultur bereitstellen; da liegt ein Schwerpunkt der aktuellen Kommunalpolitik, im Bereich der Kultur und der Bildung mehr Aktivitäten zu entfalten. Wir haben für alle möglichen Bereiche Anpassungen nach oben; so stocken wir den Medienetat der Stadtbibliothek um sage und schreibe 50 Prozent auf. Damit stärken wir also die Stadtbibliothek als Bildungsstandort.

Trotzdem: Kultur oder Bildung?

Ich möchte nicht kulturelle, sportliche und andere Angebote der Stadt gegeneinander ausspielen. Das schadet allen. Aber das geschieht hier auch nicht. Sowohl Rat als auch Verwaltung haben das Gesamtgeschehen und die Stadtgesellschaft als Ganzes im Blick.

Bildtexte:
Noch ist das Theater Osnabrück keine Baustelle. Aber die ersten Vorbereitungen werden getroffen.
Kulturdezernent Wolfgang Beckermann.
Fotos:
Michael Gründel, Ralf Emmerich
Autor:
Christine Adam, Ralf Döring


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