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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vonovia für „Wuchermiete″ kritisiert
 
Hamburger Mietpreise im Schinkel
Zwischenüberschrift:
10,50 Euro pro Quadratmeter: Wie Vermieter Vonovia die Mietpreisexplosion begründet
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Vermieter Vonovia verlangt für Mietwohnungen an der Thomasburgstraße im Stadtteil Schinkel 10, 50 Euro pro Quadratmeter und wird dafür harsch kritisiert. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Robert Seidler bezeichnet diese Miete von 10, 50 Euro pro Quadratmeter als sittenwidrig″ und sieht den Tatbestand des Wuchers erfüllt″. Die Beschreibungen von Vonovia zu einer der Wohnungen lassen laut Seidler darauf schließen, dass es sich um Instandhaltungsmaßnahmen handle, die eine Umlage auf die Miete nicht rechtfertigen würden. Grünen-Fraktionschef Volker Bajus bezeichnet eine solche Miete als Abzockerei″. SPD-Fraktionschef Frank Henning fordert eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft. CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde sieht Angebot und Nachfrage in keinem ausgewogenen Verhältnis″.

Der Schinkel ist nach dem NOZ-Immobilienatlas Osnabrücks günstigstes Pflaster. Mieten, die Vonovia dort für modernisierte Wohnungen verlangt, erwecken den Eindruck, dass es sich um Osnabrücks edelste Wohnlage handelt. Warum Vonovia Hamburger Mietpreise im Schinkel verlangt.

Osnabrück Der Quadratmeterpreis für die in der Thomasburgstraße 26 im Schinkel angebotenen Wohnungen liegt bei 10, 50 Euro. Die Daten: Kaltmiete 548, 21 Euro, 52 Quadratmeter, Baujahr 1938. Zum Vergleich: Nach einer Statistik von Immobilienscout werden neu vermietete Mietwohnungen in Hamburg im Schnitt für 10, 80 Euro pro Quadratmeter angeboten. Am Westerberg, der als Osnabrücks teuerster Stadtteil gilt, liegt die durchschnittliche Miete nach Angaben des Portals Immobilienscout bei 8, 67 Euro pro Quadratmeter.

Vonovia legt Wert auf die Feststellung, dass die Wohnungen, das Haus und Vonovia-Häuser in der Nachbarschaft, in denen bislang überwiegend Bezieher von Sozialleistungen, einkommensschwache Haushalte oder Rentner leben, modernisiert wurden oder noch werden. Ähnlich wie Hunderte andere Vonovia-Häuser in Osnabrück. Vonovia-Sprecherin Bettina Benner sagt: Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Preislage zu hoch ist.″ Nach energetischer Modernisierung und Wohnungssanierung entspreche eine solche Wohnung fast dem Neubaustandard. Aktuell stünden lediglich 132 der 3926 Vonovia-Wohnungen in Osnabrück leer.

Der Geschäftsführer des Osnabrücker Eigentümerverbands Haus und Grund, Christian Biemann, hält die veranschlagte Kaltmiete von 10, 50 Euro pro Quadratmeter für deutlich zu hoch: Bei aller Vorsicht, da ich die Wohnung und deren Standard nicht kenne, halte ich nach Modernisierung eine monatliche Miete von maximal 8, 50 Euro pro Quadratmeter für angemessen.″ Er verweist auf den Mietspiegel der Stadt Osnabrück: Bei einer Fertigstellung der Wohnräume ab 2010 etwa infolge von Modernisierungen beträgt die durchschnittliche Nettomonatsmiete demnach 7, 91 Euro pro Quadratmeter.

Nach Angaben der Osnabrücker Stadtverwaltung hat Osnabrücks größter Wohnungsvermieter in einem Gespräch zugesichert, sich bei Neuvermietungen an dem Mietspiegel der Stadt Osnabrück zu orientieren. Auf Nachfrage unserer Redaktion sagte der Osnabrücker Pressesprecher Sven Jürgensen: Die Frage, inwiefern dieser dort verlangte Mietpreis sich am Mietspiegel orientiert, ist eine Frage, die sich Vonovia stellen muss. Das möchte ich für die Stadt Osnabrück nicht kommentieren.″ 2900 der Wohnungen, die nun im Besitz der Vonovia sind, gehörten vor dem Verkauf der Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft (OWG) im Jahr 2004 noch der OWG. Das Haus an der Thomasburgstraße 26 gehörte laut Jürgensen zum Zeitpunkt des Verkaufs der städtischen Wohnungsbaugesellschaft jedoch nicht zum OWG-Bestand.

Der Geschäftsführer des Osnabrücker Mietervereins, Carsten Wanzelius, hält eine Miete für ein komplett modernisiertes Haus an der Thomasburgstraße von maximal sieben Euro pro Quadratmeter für gerechtfertigt. Er begründet: Die Thomasburgstraße liegt unmittelbar an der Schinkelschleife, auf der bis tief in die Nacht hinein Zugverkehr zu verzeichnen ist.″ Auch der Lärm durch den Güterbahnhof im Fledder verursache erhebliche Beeinträchtigungen des Wohnwertes. Eine Lärmemissionskarte für die Stadt Osnabrück, die auch von Sachverständigen vor Gericht benutzt werde, sehe erhebliche Abzüge für die Wohnwerteinstufung der Thomasburgstraße vor.

Bildtexte:
So sehen die Vonovia-Häuser an der Thomasburgstraße aktuell aus. Modernisierte Wohnungen werden dort ab Februar 2019 für einen Preis von 10, 50 Euro pro Quadratmeter angeboten.
Einen für Osnabrücker Verhältnisse ungewöhnlich hohen Preis verlangt Vonovia für Wohnungen in diesem Haus an der Thomasburgstraße in einem Inserat des Immobilienportals Immowelt″.
Fotos:
André Havergo
Screenshot:
NOZ

Vonovia-Chef stellt sich den Fragen: Wer kann diese Mieten noch bezahlen?

Der Vonovia-Geschäftsführer der Region Nord, Ulrich Schiller, wird sich bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, 12. Dezember, zum Thema Wohnungsnot als sozialer Sprengstoff: Wer kann diese Mieten noch bezahlen? den Fragen zu den Mieterhöhungen bei Vonovia-Wohnungen stellen. Weitere Gäste im Podium sind der Geschäftsführer des Osnabrücker Mietervereins, Carsten Wanzelius, CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde und SPD-Ratsmitglied Hambürger dos Reis. Es moderiert der Redakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung″ Jean-Charles Fays. Sie wollen die Podiumsdiskussion live im NOZ-Medienzentrum (Breiter Gang, Osnabrück) verfolgen? Dann registrieren Sie sich online unter www.wohnungsnot.eventbrite.de. Für Ihre Anmeldung arbeiten wir mit dem Portal Eventbrite zusammen. Außerdem ist eine telefonische Kartenreservierung möglich unter der Nummer 0541/ 310-10 00 (Montag bis Freitag von jeweils 10 bis 13 Uhr). Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Pro Anmeldung können maximal 4 Karten reserviert werden. Der Eintritt ist frei. Einlass ist ab 18.30 Uhr.

Stimmen

Fritz Brickwedde, CDU-Fraktionschef: Angebot und Nachfrage sind an diesem Standort offensichtlich in keinem ausgewogenen Verhältnis. Unsere Antwort: 5000 neue Wohnungen für Osnabrück. Die drei Wohnungsbaugesellschaften sollen auf städtischen Flächen bezahlbaren Wohnraum schaffen können, um den Wohnungsmarkt zu entspannen.″

Frank Henning, SPD-Fraktionschef: Die Stadt Osnabrück braucht wieder eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die im Gegensatz zu dem Vonovia-Dax-Konzern eben nicht ausschließlich gewinnorientiert arbeitet, sondern auch dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes verpflichtet ist und Wohnungen zu bezahlbaren Preisen anbieten kann.″

Robert Seidler, stellvertretender FDP-Fraktionschef: Ich habe mir das Exposé angesehen. Die zu dem Objekt eingetragenen Maßnahmen sind keine Modernisierungen, sondern Instandhaltungsmaßnahmen, die keine Umlage auf den Mietzins rechtfertigen. Ein Mietzins von 10, 50 Euro pro Quadratmeter ist daher sittenwidrig, weil der Tatbestand des Wuchers erfüllt ist.″

Volker Bajus, Grünen-Fraktionschef: 10, 50 Euro pro Quadratmeter, das wären Modernisierung vorausgesetzt 33 Prozent mehr als der Mietpreisspiegel. Insbesondere mit Blick auf die Lage ist das mit Verlaub Abzockerei′. Man kann nur hoffen, dass niemand so verzweifelt ist, sich auf solche Mondpreise einlassen zu müssen. Um Mietwucher zu verhindern, hätte man natürlich auf den Verkauf der städtischen OWG verzichten müssen.″
Fotos:
Ebener, Pentermann, Martens

Kommentar
Vonovia schlägt Profit aus der Wohnungsnot

Mit Mieten von 10, 50 Euro pro Quadratmeter im bislang vergleichsweise günstigen Stadtteil Schinkel will Vonovia Profit aus der Wohnungsnot in Osnabrück schlagen. Dabei versucht Osnabrücks größter Wohnungsvermieter auszunutzen, dass die Nachfrage nach Mietwohnungen größer als das Angebot ist. Ob dieser Preis zu realisieren ist, wird die Zukunft zeigen.

Klar ist, derart hohe Mieten verschärfen die Diskussion um eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft. Diese mag eine strategische Option von vielen sein, ist aber kein Allheilmittel und kann erst in einigen Jahren ihre Wirkung entfalten. Sie muss erst gegründet und die Wohnungen müssen erst gebaut oder teuer erworben werden.

Das Gebot der Stunde ist allerdings, den aktuell Wohnungssuchenden und herausmodernisierten Mietern zu helfen, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Politik muss dazu noch enger mit den bestehenden Baugesellschaften zusammenarbeiten. Die Mieten der 2740 WGO-Wohnungen im Stadtgebiet liegen im Schnitt bei einer Kaltmiete von 5, 99 Euro pro Quadratmeter. Da die Nachfrage nach günstigen Wohnungen das Angebot bei HVO, Stephanswerk und WGO jedoch deutlich übersteigt, müssen diese von allen Parteien stärker unterstützt werden.
Autor:
Jean-Charles Fays


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