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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wieder geht ein altes Geschäft in die Insolvenz
 
Leder Rabe gibt den Kampf auf
Zwischenüberschrift:
Warum ein traditionsreiches Fachgeschäft in die Insolvenz geht
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Das Traditionsgeschäft Leder Rabe in der Großen Straße hat Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das Fachgeschäft für Taschen, Reisegepäck und Rucksäcke ist seit 1948 in der Osnabrücker Innenstadt ansässig und wurde Anfang 2010 von Holger und Stefanie Bulk übernommen. Schweren Herzens mussten wir diesen Schritt gehen. Leider sind die Umsätze seit längerer Zeit rückläufig″, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Holger Bulk. Der Geschäftsbetrieb in der Deutsch- Passage wird nach seinen Angaben bis auf Weiteres normal weitergeführt werden. Bulk macht mehrere Faktoren für das Scheitern des Fachgeschäfts in der Fußgängerzone verantwortlich: den wachsenden Onlinehandel, die Konkurrenz eines Platzhirsches″ und die Verkehrspolitik.

Auf einem Foto von 2016 lächeln Stefanie und Holger Bulk optimistisch in die Kamera und präsentieren den Kaffeetisch, an dem sie in ihrem Geschäft Kundengespräche führen. Kundennähe, die es im Internet nicht gibt aber Leder Rabe nicht retten konnte.

Osnabrück Nach 70 Jahren wird der Rabe als Markenzeichen aus der Osnabrücker Fußgängerzone verschwinden. Nicht sofort, denn das Geschäft wird nach dem Insolvenzantrag bis auf Weiteres fortgeführt, wie Insolvenzverwalterin Barbara Teerling aus Münster am Montag mitteilte. Das Amtsgericht Osnabrück hatte am vergangenen Donnerstag die vorläufige Verwaltung des Vermögens angeordnet.

Fritz und Marga Rabe gründeten das Unternehmen 1948 an der Tannenburgstraße im Schinkel. Ein Jahr später zogen sie in die Große Straße 58/ 59 um (heute Woolworth). Seit 1985 verkauften die Rabes Marken-Lederwaren in dem Geschäft in der Deutsch-Passage. Fritz-Peter Rabe stieg 1968 nach dem frühen Tod seines Vaters in das Unternehmen ein. 2010 gaben er und seine Frau Käthe das Fachgeschäft für Taschen, Reisegepäck und Rucksäcke an Holger und Stefanie Bulk ab.

Platzhirsch L& T

Bulk, Geschäftsführender Gesellschafter, macht ein Bündel von Faktoren für das Ende von Leder Rabe verantwortlich. Der Trend, vieles online zu bestellen und somit die Innenstadt zu meiden, machte es für uns immer schwieriger, mit persönlicher Beratung und gutem Service zu überzeugen. Das Dauerthema der Osnabrücker Verkehrspolitik mit permanenten Baustellen, Staus und Frust bei den Verkehrsteilnehmern macht auch nicht wirklich Lust, zum Shoppen in die Stadt zu fahren. Die hohen Mietkosten in der Großen Straße sind in Zeiten sinkender Umsätze nicht mehr aufzubringen. Außerdem sehe ich die Expansion des Platzhirschs in Osnabrück als große Gefahr für inhabergeführte Geschäfte mit Sortimentsüberschneidungen.″

Der Platzhirsch″, den Holger Bulk meint, ist das Modekaufhaus L& T. Die frühere Exklusivität von Leder Rabe bei wichtigen Marken sei aufgeweicht. Die Marktmacht des Mode-Einkaufscenters sei inzwischen so stark, dass Hersteller an L& T nicht mehr vorbeikommen″, so Bulk. Er äußerte die Befürchtung, dass auch andere inhabergeführte Geschäfte in anderen Branchen diesem Konkurrenzdruck nicht gewachsen sind.

Mit Leder Rabe wird ein weiteres inhabergeführtes Fachgeschäft aus der Innenstadt verschwinden. Mode Holthaus, Buchhandel Jonscher, Mode Tepe, Wäsche Schmiemann, Wäsche und Bademoden Kurtz haben in den letzten Jahren die Türen schließen müssen.

Steigende Mieten

Die Kaufleute sehen sich vor allem in den vergangenen drei Jahren einer Bedrohung von zwei Seiten ausgesetzt: steigende Mieten bei nachlassender Passantenfrequenz. Der aktuelle Gewerbeimmobilien-Marktbericht der Wirtschaftsförderung Osnabrück zeigt, dass die Einzelhandelsmieten in 1-a-Lagen seit 2015 deutlich anziehen. Nach Jahren des Stillstands bei durchschnittlich 90 Euro pro Quadratmeter kletterten die Durchschnittsmieten in der Toplage auf 92 Euro (2016) und 94 Euro (2017). Die Spitzenmieten liegen stiegen von 110 Euro (2015) auf 118 Euro (2017) pro Quadratmeter.

Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der Menschen, die durch die Fußgängerzone bummeln. Die automatische Messung an acht Standorten weist für 2017 einen Rückgang um knapp zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf.

Und dann ist da noch der Verkehr, der nach Ansicht vieler Geschäftsleute Kundschaft vertreibt. Falk Hassenpflug, Einzelhandelsexperte bei der IHK, berichtet von Gesprächen mit Kaufleuten aus dem Umland, die sich über Neukunden freuen, die Osnabrück wegen des Verkehrs und der Parkgebühren meiden. Mit Zahlen belegen lässt sich das bisher nicht. Die Zahl der Parkhausnutzer ist nach Angaben der OPG zwar von Januar bis Oktober 2018 im Vergleich zum Vorjahr geringfügig rückläufig. Aus den Zahlen abzuleiten, dass weniger Menschen für Erledigungen, Shoppen oder Freizeitaktivitäten nach Osnabrück kommen, ist so aber nicht möglich″, teilte OPG-Geschäftsführer Wigand Maethner mit.

Wie geht es weiter?

Holger und Stefanie Bulk ist es wichtig, ihren Kunden Danke zu sagen, Danke für die Treue und das Vertrauen″. Das Geschäft in der Deutsch-Passage läuft vorerst normal weiter. Leder Rabe beschäftigt aktuell zehn Mitarbeiter, davon viele in Teilzeit.

Wir sind in Gesprächen mit einem potenziellen Interessenten, der das Geschäft weiterführen möchte″, so Holger Bulk. Es würde uns sehr freuen, wenn unser großartiges Team, dem wir sehr dankbar sind, seine Arbeitsplätze behalten könnte.″

Bildtexte:
Der Rabe verschwindet: Das Fachgeschäft an der Großen Straße hat Insolvenzantrag gestellt.
Bessere Zeiten: Stefanie und Holger Bulk 2016 am Kunden-Kaffee-Tisch in ihrem Geschäft.
Fotos:
Jörn Martens, Jens Lintel

Kommentar
Stimmungswende!

Wachsender Onlinehandel, steigende Mieten, mehr Verkehr: Faktoren, auf die die Einzelhändler wenig Einfluss haben. Einfluss haben sie allerdings auf die Stimmung in der lokalen Geschäftswelt und den Ruf Osnabrücks als Einkaufsstadt. Und da ist noch Luft nach oben.

Probleme müssen offen angesprochen und der Politik als Aufgabe auf den Tisch gelegt werden, keine Frage. Doch hat sich ein Hang zum Miesmachen und Schlechtreden breitgemacht. Warum ist das Lamentieren vieler Händler über Staus in der Innenstadt stets lauter als die Werbung für komfortable Parkhäuser in zentraler Lage mit breiten Stellplätzen? Warum findet sich die Kaufmannschaft nicht zu einer Image-Offensive zusammen, die die Vorzüge Osnabrücks herausstellt?

Warum ist das Meckern stets wahrnehmbarer als das Klappern?
Autor:
Wilfried Hinrichs


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