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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein bisschen wie bei „Die Höhle der Löwen″
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke-Arbeitsgruppe will Wasserhochbehälter öffnen und muss dafür den Vorstand überzeugen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Seit Jahren gibt es Überlegungen, wie man den leer stehenden Wasserhochbehälter auf dem Osnabrücker Westerberg nutzen könnte. Nun befasst sich eine Planungsgruppe der Stadtwerke intensiv mit dem Thema. Eine vorerst einmalige Führung hat gezeigt: Interesse ist durchaus vorhanden.

Osnabrück Bis vor knapp zehn Jahren stand hier das Wasser bis unter der Decke, nun stehen mehr als 30 Osnabrücker in dem Gebäude, die wissen wollen, wie das ehemalige Speicherbecken von innen aussieht. Doch bevor die Gruppe den Vorraum verlässt und den Wasserhochbehälter betritt, hat Markus Adams noch eine wichtige Mitteilung: Wir gehen vorweg″, sagt der Stadtwerke-Mitarbeiter. Mit wir″ meint er sich und seine Tochter. Das junge Mädchen trägt um den Hals ein Messgerät, das eventuell austretende Gase anzeigen soll. Wenn das Ding irgendein Signal macht, heißt es: sofort wieder raus.″

Eigentlich sollte das schon alles sein, was Markus Adams an diesem Sonntagnachmittag zu den neugierigen Besuchern sagt. Er habe sich bereit erklärt, die Führung zu begleiten, aber reden wollte er nicht, erzählt Susanne Krohn. Die junge Frau arbeitet als Freiraumplanerin bei den Stadtwerken und leitet die Führung durch den Wasserspeicher. Dass sich der technische Mitarbeiter Adams nicht an sein Schweigegelübde hält, liegt augenscheinlich an dem brennenden Interesse der Osnabrücker. Denn sobald die Gruppe die ersten Meter in dem schneckenförmig verlaufenden Gang zurückgelegt hat, wird Adams förmlich gelöchert.

Ist der denn noch regelmäßig in Betrieb?″, fragt jemand. Nein″, antwortet Adams, bis 2007 war er für die Stadt von wesentlicher Bedeutung, aber dann wurde er durch den Hochbehälter auf dem Piesberg ersetzt.″ Viel gibt es allerdings nicht zu sehen: rostige Wände, Pfützen am Boden, viele Ablauf-Öffnungen. Doch die Besucher scheinen völlig im Bann des Gebäudes zu sein und hängen an den Lippen des Technikers, wenn dieser über Pumpenergie und Wasserdruck spricht.

Dass auch ein Reporter an der Führung teilnimmt, ist eigentlich nicht im Interesse der Stadtwerke. Die Veranstaltung solle nur ein Testballon″ sein, hatte man unserer Redaktion im Vorfeld mitgeteilt und darum gebeten, auf eine Ankündigung in der Zeitung zu verzichten. Beworben wurde die Führung lediglich auf einer zwei Tage zuvor erstellten Facebook-Seite namens Ideenraum 1891″. 1891 in diesem Jahr wurde der ältere und nicht zugängliche der zwei Wasserspeicher auf dem Westerberg erbaut.

Nach dem erfolgreichen Testlauf sind die Stadtwerke aber bereit, mit unserer Redaktion über den Wasserhochbehälter zu sprechen. Und Pressesprecher Marco Hörmeyer verrät den nachvollziehbaren Grund dafür, dass man sich bei diesem Thema bislang bedeckt gehalten hat: Bislang ist nur eine kleine Arbeitsgruppe damit befasst.″

Wir treffen diese Arbeitsgruppe. Sie besteht aus der Freiraumplanerin Susanne Krohn, die die Führung durch den Hochbehälter geleitet hatte, dem für Bauprojekte zuständigen Architekten Ulrich Schepers und der Marktforschungsmitarbeiterin Agnieszka Mrowinska.

Ob aus dem Projekt der Arbeitsgruppe ein ausgewachsenes Projekt der Stadtwerke wird, entscheidet sich am 7. Dezember. Hintergrund: Die Stadtwerke haben ein zwölfwöchiges Innovationsprogramm namens SWO Kickbox″ aufgelegt, an dem sich jeder Mitarbeiter beteiligen konnte. Am Ende der , Kickbox′ wird die Idee einer internen Jury, vergleichbar mit dem TV-Format Die Höhle der Löwen′, präsentiert, beurteilt und letztlich vielleicht sogar umgesetzt″, heißt es in einer internen E-Mail.

Laut Pressesprecher Hörmeyer ist keines der anderen Projekte so öffentlichkeitswirksam wie der Wasserhochbehälter. Welches Konzept die Arbeitsgruppe für dessen Nutzung hat, ob es nur regelmäßige Führungen sind oder auch noch eine andere Nutzung geplant ist, möchte die Gruppe allerdings noch nicht verraten. Auch höfliches Nachhaken hilft nichts, Susanne Krohn, die ihre Bachelor-Arbeit über den Wasserspeicher geschrieben und darin das Konzept entworfen hat, schüttelt den Kopf. Erst der Stadtwerke-Vorstand, dann die Öffentlichkeit.

Klar ist, dass die Stadtwerke investieren müssten, wenn sie den Speicher dauerhaft nutzen wollten. Da fehlen eine Belüftungsanlage, eine Brandmeldeanlage und Fluchtwege″, sagt Architekt Ulrich Schepers. Eine Nutzung des Hochbehälters ist laut Pressesprecher Hörmeyer in den vergangenen Jahren immer wieder Thema gewesen, und es habe unterschiedlichste Ideen dazu gegeben. Auch die, dort ein Konzerthaus zu errichten, sei darunter gewesen. Man habe natürlich auch verfolgt, wie vor zwei Jahren der Freundeskreis Botanischer Garten für ein Erlebniszentrum mit dem Namen Forum Wasser″ geworben hatte. Die Stadt erteilte den Plänen damals mit dem Verweis auf Verkehrsprobleme und hohe Folgekosten eine Absage.

Trotz aller Herausforderungen sei es eine große Freude, sich neben dem Tagesgeschäft diesem Projekt zu widmen, erklären die Mitglieder der Arbeitsgruppe. Der Wasserhochbehälter sei einfach ein sehr schöner Ort in Osnabrück und diesen Ort wolle man gerne für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Ulrich Schepers blickt deshalb mit einem klaren Ziel voraus: Wir würden gerne am 7. Dezember den Auftrag bekommen, uns weiter mit dem Wasserhochbehälter zu beschäftigen.″

Bildtexte:
Architektur aus dem Jahr 1891 mit zeitgenössischen Verzierungen: der Wasserhochbehälter auf dem Westerberg von außen.
Viel gibt es im Inneren eigentlich gar nicht zu sehen trotzdem fasziniert ein Besuch im 2007 stillgelegten Hochbehälter.
Die Stadtwerke-Mitarbeiter Agnieszka Mrowinska, Susanne Krohn und Ulrich Schepers (von links) entwickeln derzeit Ideen für die Nutzung des Gebäudes. Ob sie den Stadtwerke-Vorstand überzeugen können?
Fotos:
Susanne Krohn, Hendrik Steinkuhl
Autor:
Hendrik Steinkuhl


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