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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Als „unwertes Leben″ ermordet
Zwischenüberschrift:
Gedenkstätte für NS-Opfer Frida Schröer eröffnet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
1943 fiel die Osnabrückerin Frida Schröer dem sogenannten Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer. Ihre Grabstätte auf dem Atter Friedhof ist jetzt in eine Gedenkstätte umgewidmet worden.

Osnabrück Im Rahmen einer kleinen Feier enthüllte Eva Güse von der städtischen Friedhofsverwaltung am Buß- und Bettag eine Gedenktafel, die an der passend zum Anlass frisch restaurierten Friedhofsmauer angebracht ist.

Güse dankte für das beeindruckende bürgerschaftliche Engagement″ seitens der Angehörigen und des Bürgerforums für Umwelt und Soziales Atter. Durch ihren Einsatz für eine Erinnerungskultur würden Friedhöfe als lebendige Orte″ erhalten. Das Bürgerforum hatte bereits vor drei Jahren die Patenschaft für den Stolperstein zu Ehren Schröers in der Benzstraße 9 übernommen und sich für die inzwischen erfolgte Umbenennung der Giesbert-Bergerhoff-Straße in Frida-Schröer-Straße eingesetzt.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bürgerforums, Paul Bartelt-Hirschberg, erinnerte daran, dass in der Zeit des Nationalsozialismus Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen als unwertes Leben″ galten. Die Geschichtsforschung habe ermittelt, dass während des Krieges mehr als 70 000 Behinderte systematisch ermordet wurden. Neben rassenhygienischen″ Vorstellungen unter der Maßgabe einer Höherzüchtung der arischen Rasse″ seien kriegswirtschaftliche Gründe für die Tötungen herangezogen worden.

Bartelt-Hirschberg begrüßte besonders herzlich die anwesende Nichte Frida Schröers, Karin Beiderwellen. Sie hat die schon mit 29 Jahren ums Leben gekommene Tante zwar nicht persönlich erleben können, weiß aber aus Erzählungen, wie entsetzt die Familie beim Eintreffen der lapidaren Todesnachricht war.

Frida Schröers Schwester, die 1998 verstorbene Erna Schnitker, habe sich sofort in den nächsten Zug gesetzt und sei nach Altscherbitz bei Leipzig gefahren. Irgendwie habe sie es geschafft wohl mithilfe des bei der Bahn beschäftigten Vaters –, die Überführung des Sarges nach Osnabrück zu organisieren. Unter den damaligen Verhältnissen war das eine höchst ungewöhnliche Tat, die meiner Tante da gelungen ist″, sagte Beiderwellen. Schon sechs Tage nach ihrem Tod konnte Frida Schröer am 5. Juni 1943 in heimischer Erde beigesetzt werden.

Mit der Niederlegung von Kränzen und Gestecken gedachten die Vertreter des Bürgerforums Atter, der Stadt, der Lebenshilfe und des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) der vor 75 Jahren getöteten Frida Schröer. Der Atteraner Musiker Marcel Licence untermalte das Gedenken musikalisch mit einer Vertonung des Bonhoeffer-Gedichts Von guten Mächten treu und still umgeben″.

Bildtext:
Karin Beiderwellen am Grab ihrer Tante, der 1943 von den Nationalsozialisten ermordeten Frida Schröer.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Joachim Dierks


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