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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoff um Autowerbung an der Eisbahn
Zwischenüberschrift:
Oberbürgermeister bremst den Stadtbaurat aus: Eiszauber auf dem Ledenhof gerettet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Eiszauber stand plötzlich auf der Kippe: Weil die Verwaltung Autowerbung auf dem autofreien Ledenhof verbot, wollten die Betreiber das Eisdorf sofort schließen bis Oberbürgermeister Wolfgang Griesert gestern Morgen eingriff.

Osnabrück Noch am Mittwochabend hatte Stadtbaurat Frank Otte im Gespräch mit unserer Redaktion angekündigt, dass die Fahrzeuge entfernt werden müssen. Am Donnerstagmorgen klingelte dann bei Christian Schäfer, dessen Agentur den Eiszauber begleitet, das Telefon. Mir wurde mitgeteilt, dass der Oberbürgermeister entschieden hat, die Autos zu dulden.″ Schäfer betonte, dass die Veranstaltung nun genauso über die Eisfläche gehen werde wie angekündigt. Den Morgen hatte Schäfer schon damit verbracht, besorgte Anrufer zu beruhigen, die sich Sorgen um das Schlittschuhvergnügen gemacht hatten und vor allem mit viel Vorfreude auf den Beginn des Eisstockschießens warten.

Pragmatische Lösung

Die Autos müssen da nicht weg″, bestätigte Griesert unserer Redaktion. Und weiter: Wir werden bis zur Maiwoche einen pragmatischen Weg aufzeigen, wie mit diesem Thema in Zukunft umgegangen werden soll.″ Er sei sich bewusst, dass die Veranstalter auf Sponsoring angewiesen seien, so Griesert. Wir dürfen da die Augen nicht vor der Lebenswirklichkeit verschließen.″ Aber die Verwaltung dürfe auch nicht Tür und Tor öffnen. Werbung müsse in einem vertretbaren Rahmen bleiben.

Für zukünftige Fälle, wo im öffentlichen Raum ein Veranstalter eine Sondernutzung für größere zusammenhängende Flächen beantrage und sich erkennbar untergeordnet ein Sponsor mit seinem Produkt präsentieren wolle, werde die Verwaltung einen praktikablen Vorschlag erarbeiten der dies erlaube, so Griesert.

Fredi Welte und Roman Hein, die den Eiszauber auf dem Ledenhof ins Leben gerufen haben, müssen ihre Ankündigung, den Eiszauber abzubauen, nun also nicht wahr machen. Welte und Hein hatten ins Feld geführt, dass sie auf zusätzliche Einnahmen aus der Werbung angewiesen seien. In den ersten beiden Jahren des Eiszaubers hat sich herauskristallisiert, dass das Konzept vor allem im Bereich der Essensstände schwächelt. Wir haben hier nicht die Laufkundschaft wie auf dem Weihnachtsmarkt″, sagt Hein. Die Leute hielten sich zwar lange und auch in ausreichender Zahl auf dem Eiszauber auf und würden auch entsprechend viele Getränke konsumieren. Für Stände mit Speisen sieht die Einnahmesituation allerdings weniger rosig aus, sodass etliche Beschicker abgesprungen sind. Die dadurch fehlenden Erträge haben Welte und Hein unter anderem mit der Autowerbung auszugleichen versucht. Das machen wir vor allem auch, weil wir das Eislaufen weiterhin kostenfrei anbieten wollen.″ Ohne die Werbeeinnahmen hätte der Eiszauber vor dem Aus gestanden. Es gibt eine klare Festlegung, dass keine Autos zu Werbezwecken in der Fußgängerzone aufgestellt werden dürfen″, hatte Otte das Werbeverbot begründet. Er könne nicht nachvollziehen, warum man die da überhaupt hingestellt″ habe.

Insbesondere ärgerte sich Otte über eines der beiden beteiligten Autohäuser, das genau wisse, dass es eine solche Regelung gebe. Er verstehe nicht, wie das Unternehmen in diesem Wissen überhaupt einen Vertrag mit den Eiszauber-Veranstaltern abschließen konnte. Dafür habe ich null Verständnis.″ Die Stadt werde sich auch nicht erpressen lassen, so der Stadtbaurat noch am Mittwoch. Er empfinde es förmlich als Unverschämtheit″, dass wider besseres Wissen nicht genehmigungsfähige Fakten geschaffen würden, die dann als Druckmittel eingesetzt werden.

Die Schausteller hatten sich Anfang der Woche bereits hilfesuchend an die Politik gewandt und den SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank Henning angesprochen. Henning kritisiert das Vorgehen der Verwaltung scharf. Der Eiszauber wertet diesen Platz ungemein auf″, so Henning. Er habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass den Unternehmern Steine in den Weg gelegt″ würden. Ich erwarte von der Verwaltung an dieser Stelle ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl.″

Bildtext:
Die Autowerbung beim Eiszauber darf nun doch bleiben: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hat angekündigt, dass die Werbekarossen während der Zeit der Veranstaltung geduldet werden.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Kleinkariert

Der Zoff um die zwei motorisierten Werbeträger beim Eiszauber auf dem Ledenhof taugt eigentlich eher zur Posse. Leider aber steckt viel mehr dahinter.

Es wird deutlich, dass Osnabrück aufpassen muss, nicht in kleinkarierter Rechthaberei zu ersticken. Auf einer Fläche, auf der an jedem Donnerstag reichlich Fahrzeuge der Marktbeschicker stehen und unter der Hunderte von Kfz geparkt werden, die Werbung mit zwei Autos zu verbieten, ist schon an sich mehr als fraglich. Damit eine beliebte Veranstaltung infrage zu stellen ist sogar leichtsinnig. Dass die Verwaltung mehrere Tage und den öffentlichen und auch politischen Druck braucht, um hier zu einer Lösung zu finden, ist nicht nachvollziehbar.

Die Schausteller haben erst einmal Fakten geschaffen und abgewartet, was passiert. Das kann man kritisieren. Gleichzeitig muss leider bezweifelt werden, dass ein Vorabgespräch mit der Verwaltung tatsächlich eine Lösung gebracht hätte. Bleibt zu hoffen, dass die von OB Griesert angekündigten pragmatischen Lösungen″ solche kleinkarierten Streitigkeiten in Zukunft verhindern.
Autor:
Dietmar Kröger


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