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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Er holt 15 000 Musiker nach Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Deutsches Musikfest 2019: Organisator Karl-Heinz Ast über die Suche nach Schlafplätzen, Marschmusik und rechte Gesinnung
Artikel:
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Originaltext:
Vom 30. Mai bis 2. Juni 2019 erwartet die Stadt Osnabrück 15 000 Musiker und 150 000 Besucher zum 6. Deutschen Musikfest. Organisator Karl-Heinz Ast aus Rulle äußert sich im Interview über Marschmusik und rechte Gesinnung, Jugendliche in Blasorchestern und die Schwierigkeit, täglich 4000 Frühstücke zuzubereiten.

Herr Ast, wie lockt man von Rulle aus 15 000 Musiker nach Osnabrück?

Das geht ganz einfach: Indem man die Stadt Osnabrück bei der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände als Gastgeber empfiehlt und dann die Möglichkeiten der Stadt nutzt.

Was ist Ihre Aufgabe bei der Vorbereitung des Festivals?

Am Anfang war ich Ideengeber, derjenige, der die Möglichkeiten sondiert hat, der mit der damaligen Dezernentin Rita Maria Rzyski die Grundlagen geschaffen hat, dass es überhaupt stattfinden kann. Mein derzeitiger Aufgabenschwerpunkt ist die Organisation der Veranstaltungsorte.

Und läuft bislang alles glatt?

Ja. Aber wir suchen noch dringend Ehrenamtliche, die uns beim Musikfest unterstützen. Wir haben dafür bislang 140 Anmeldungen, werden aber eine Größenordnung von rund 350 benötigen. So müssen wir zum Beispiel in den Gemeinschaftsunterkünften an elf Standorten täglich 4000 Frühstücksportionen vorbereiten, auch die Veranstaltungsorte müssen jeweils von einem Team betreut werden.

Sie haben auf der Website des Festivals Ihre Privatnummer öffentlich angegeben, damit sich potenzielle Teilnehmer bei Ihnen melden. Wie oft klingelt das Telefon und wann?

Meine private Rufnummer musste ich bekannt geben, weil ich ehrenamtlich arbeite und meiner Frau musste ich versprechen, dass ein Großteil der Arbeit von zu Hause aus erledigt werden kann. Insofern ist es naturgemäß so, dass über diese Rufnummer eine ganze Menge abgewickelt wird. Je näher das Deutsche Musikfest kommt, desto mehr Anrufe kommen, aber es hält sich in Grenzen, weil wir ein sehr großes Team sind. Wenn es drei bis vier Anrufe am Tag sind, ist es auch gut.

Eine Ihrer Aufgaben ist auch die Organisation von Unterkünften. Wie viele Schlafplätze haben Sie schon auftreiben können?

Da sind wir mit der Stadt Osnabrück in guten Verhandlungen. Wir werden etwa 4000 Schlafplätze in Klassenräumen in Schulen der Stadt schaffen. Das ist weitgehend abgestimmt. An der Stelle bediene ich mich aber auch der Hilfe eines Teams vom Musikverein Wiesental aus Hagen. Wir haben alle Schulen besichtigt und geguckt, ob das, was die Stadt uns anbietet, auch vor Ort passt für uns. Ganz abgeschlossen sind die Abstimmungsarbeiten nicht, weil wir Nutzungsänderungen beantragen müssen, damit man die Schulen auch als Übernachtungsplatz nutzen kann.

Angenommen, ich hätte noch nie vom Deutschen Musikfest gehört: Sagen Sie mir doch bitte in einem Satz, warum ich unbedingt hingehen sollte.

Es gibt keinen anderen Ort in Europa, wo Sie an vier Tagen eine solche Vielfalt von Musik erleben können und dazu 300 Konzerte, 15 000 beteiligte Musiker, die hier vier Tage lang einfach vergnügt die Stadt auch leben und erleben. Das wird ein großes Happening, und jeder, der nicht dabei ist, kann erst in sechs Jahren wieder dabei sein.

Welche Musik erwartet die Zuschauer?

Vom Spielmannszug bis zum symphonischen Blasorchester wird alles dabei sein.

Das klingt jetzt eher nach einem älteren Publikum. Wie können Sie damit auch junge Leute ansprechen?

Das klingt in meinen Ohren überhaupt nicht nach älterem Publikum. Bei den Teilnehmern ist es so, dass mehr als 50 Prozent Jugendliche sind. Das heißt, die Orchestermitglieder selber bringen schon sehr viele junge Leute in die Stadt. Musik machen ist ein Thema, das Generationen verbindet, und das heißt auch: Vom Kind bis zum Rentner ist alles dabei in den Orchestern, und wir sind sehr vielfältig, sehr vielschichtig. Genau wie das Musikleben in der Stadt alle Generationen beinhaltet, so ist das auch beim Deutschen Musikfest.

Das heißt, die Jugend von heute lässt sich tatsächlich auch noch für Blas- und Marschmusik begeistern?

Sie ließe sich nicht für Blas- und Marschmusik begeistern, wenn es ausschließlich Marschmusik wäre. Das ist völlig klar. Sie wollen moderne Bearbeitungen haben. Sie wollen Rock/ Pop-Bearbeitungen spielen. Sie wollen, dass die Konzertveranstaltungen ein Happening sind, von dem sie selber auch etwas haben. Die Blasorchester heute oder auch die Flötenorchester sind in ihrer musikalischen Ausprägung so breitbandig geworden, dass man das nicht auf ein Genre ausrichten könnte. Da ist eine große Bandbreite dahinter.

Ist Marschmusik angesichts ihrer militärischen Tradition heute überhaupt noch vertretbar zumal nationalistische Bestrebungen und Kriegsrhetorik in vielen Ländern wieder auf dem Vormarsch sind?

Das ist eine Form der Musik, die nach wie vor darstellbar ist, und zwar auch mit ihrem friedlichen Charakter. Auch Marschmusik ist vielfältig. Wenn man zum Beispiel bei der Vereidigung des Präsidenten der Vereinigten Staaten Sechs-Achtel-Märsche hört, in schöner Sousa-Tradition, dann ist das das eine. Aber auch in Deutschland oder Österreich oder Böhmen und Mähren haben wir Traditionen in der Marschmusik, die nichts, aber auch gar nichts mit der braunen Zunft zu tun haben. Wenn man uns vereinnahmen wollte, wird das nicht gelingen, weil wir in dem, was wir tun, solidarisch sind mit allen Hautfarben, allen Religionen und allen Nationalitäten. Wenn man sich die Vielfalt in unseren Orchestern anschaut, dann kommt man auf so einen Gedanken eigentlich gar nicht.

300 Veranstaltungen an 30 Orten, 15 000 Musiker, 150 000 Besucher: Haben Sie einen Tipp, wie man sich da zurechtfinden soll?

Wir haben 600 bis 700 Programmpunkte, und diese Programmpunkte werden alle in einem Programmheft aufgezeigt. Das Programmheft gibt es in Papierform im Westentaschenformat und natürlich auch elektronisch. Es ist also kein Problem, sich an diesen vier Tagen zurecht- zufinden.

Werden Sie überhaupt Zeit haben, sich selbst Konzerte anzuschauen?

Ich hoffe sehr Natürlich möchte ich mir das ein oder andere Konzert anschauen, aber ich muss es mir wohl verkneifen, mit meinem eigenen Blasorchester, dem Bläserchor Rulle, das Deutsche Musikfest zu erleben, das ist für mich schlimm genug. Aber Konzerte werde ich mir anschauen und anhören es gibt einige Highlights, die darf man sich nicht entgehen lassen.

Welche?

Ein Highlight wird das Konzert der Big Band der Bundeswehr am Samstagabend auf dem Domvorplatz. Da wird der Platz schwarz von Menschen sein, und wir werden dort wie bei den vorigen Veranstaltungen dieser Art zwei Stunden lang ein Feuerwerk der Musik erleben. Die größte Trailerbühne Europas wird auf dem Domvorplatz aufgebaut. Diese Bühne wird am Sonntag auch für den Bundespräsidenten zur Verfügung stehen: Dann findet das Gemeinschaftskonzert statt, zu dem wir 2500 Musiker erwarten.

Was haben Sie sich als Organisator beim letzten Musikfest 2013 in Chemnitz abgeschaut?

Ich habe mir in der Situation in Chemnitz gar nichts abgeschaut, weil ich nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass das nächste Deutsche Musikfest in Osnabrück organisiert wird ... Aber sehr wohl haben wir natürlich die fünf Vorgängerveranstaltungen als Muster genommen. Wir müssen die Veranstaltung nicht neu erfinden: Das Grundkonzept, das Format, das steht, aber wir haben sehr viele Anregungen aus Chemnitz mitgenommen und auch berücksichtigt.

Bildtext:
Zur Kulisse des Deutschen Musikfests 2019 werden die historischen Giebelhäuser am Osnabrücker Markt. Karl-Heinz Ast, Vorsitzender des Kreismusikverbands Osnabrücker Land, organisiert das Großereignis mit.
Foto:
Thomas Osterfeld
Autor:
Constantin Binder


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