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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Schicksal der Familie Flatauer
 
Wie der Hass auf Juden die Familie Flatauer zerstörte
Zwischenüberschrift:
Das leer stehende Haus an der Herderstaße: Wir schlagen ein weiteres trauriges Kapitel auf
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Vor einem Jahr hat unsere Redaktion über das Haus an der Herderstraße 22 im Katharinenviertel und die Familie Flatauer berichtet. Seit Erscheinen der Geschichte ist viel passiert. Passend zum 9. November 80 Jahre nach der Pogromnacht schlagen wir ein weiteres Kapitel in der Familiengeschichte der Flatauers auf. Neue Erkenntnisse über Hans Flatauer zeigen, wie Juden ab 1933 systematisch aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurden. Flatauer und seine jüdischen Freunde durften die Schule nicht mehr besuchen. Er konnte seine Lehre nicht abschließen, bekam nur Aushilfsjobs ohne Bezahlung und musste Deutschland notgedrungen verlassen. Ein Neustart gelang ihm in England. Doch der war alles andere als einfach. Seine Eltern sah er nie wieder. Sie wurden in Auschwitz ermordet.

Hans Flatauer war Osnabrücker, er war Jude und lebte mit seiner Familie in dem heute leer stehenden Haus an der Herderstraße 22. Auf Druck der Nazis musste er seine Heimat verlassen. Eine Akte, die bisher nicht einsehbar war, schildert seinen schwierigen Lebensweg, der geprägt war von Verfolgung und Schikanen. Es ist viel passiert seit den ersten Recherchen zur Geschichte der Familie Flatauer und sie ist noch lange nicht auserzählt.

Vor genau einem Jahr erschien der Artikel über das Haus im Katharinenviertel in Osnabrück. Er hat viele unserer Leser bewegt. Denn was als ein Bericht über den Leerstand eines Hauses in einem angesehenen Wohnviertel gedacht war, wurde eine Geschichte über Reichtum und Raub, Mord und Moral, Osnabrück und Auschwitz. Es ist die Geschichte einer Familie, deren dunkles Kapitel erst aufgeschlagen werden musste, um ans Licht zu kommen.

Es geht um das Leben von Hans Flatauer, seinem älteren Bruder Kurt und seiner Familie. Die Söhne wanderten aus und überlebten, die Eltern nicht: Raphael und Alma Flatauer wurden 1943 in Auschwitz ermordet. Meine Eltern blieben in Deutschland. Ein Brief des Roten Kreuzes ist meine einzige Information, dass sie ins Konzentrationslager gekommen sind. Was ich nie verstehen kann, ist, warum die alten Leute dageblieben sind. Sie müssen wie vom Anblick einer Schlange gelähmt gewesen sein″, erzählt Hans Flatauer 1984 in einem Interview mit Martina Sellmeyer, der Autorin von Stationen auf dem Weg nach Auschwitz″.

Schule will keine Juden

Im Archiv in Hannover gibt es eine Akte über Hans Flatauer. Sie war lange Zeit verliehen und für unsere Redaktion daher nicht einsehbar. Doch Ende Oktober hatten wir einen Termin und bekamen Einsicht in die Unterlagen. Sie schildern den schwierigen Weg von Hans Flatauer und die Schikanen, die er erleben musste. Er konnte Deutschland noch rechtzeitig verlassen und entkam womöglich so dem Tod durch die Nazis. Nach Ende des Krieges versuchte er Deutschland auf Entschädigung zu verklagen. Sein Wunsch war, Abitur zu machen und anschließend Ingenieurwesen zu studieren. Nach der Machtübernahme der Nazis war das für viele jüdische Schüler nicht mehr möglich. Hans Flatauer erinnert sich, dass nach Beginn der NS-Zeit der Direktor der Schule die Eltern der jüdischen Schüler bat, von selbst um die Entlassung ihrer Kinder zu bitten.

Auch Hans musste das Realgymnasium das heutige Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium an der Lotter Straße verlassen. Als Jude wurde ich 1933 aus der Schule ausgewiesen. Durch die Nazi-Gesetzgebung konnte ich meine Schulausbildung nicht vollenden und nicht wie geplant das Ingenieurwesen studieren, welches mein Vater als Teilhaber des Kaufhauses M. Conitzer & Söhne und des Geschäftes Flatauer und Co. leicht hätte finanzieren können. Ich wurde gezwungen, als Lehrling und unbezahlter Volontär ein Handwerk zu erlernen, und konnte meine Ausbildung nie vollenden″, schreibt er im Oktober 1956 in einer eidesstattlichen Erklärung an die deutsche Botschaft.

Flucht nach England

Seine Ausbildung fing er bei den Osnabrücker Aluminiumwerken″ in Herford an. Hans Flatauer verlässt heute von sich aus unseren Betrieb, und unsere besten Wünsche begleiten ihn für seine Zukunft″, so steht es in seinem Abschlusszeugnis vom Juni 1936. Doch die Zukunft ist ungewiss. Er versucht es weiter in Leipzig. Dort arbeitet er rund ein halbes Jahr bei einer Maschinenbaufirma. Geld erhält er für die Arbeit nicht. Beim Sozialamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig″ und beim jüdischen Pfadfinderbund kümmert er sich ehrenamtlich um jüdische Jugendliche, so steht es in seiner Entschädigungsakte. Man kann den Akten entnehmen, wie verzweifelt dieser junge Mensch gewesen sein muss. Um überhaupt irgendwo einen Beruf zu erlangen, hat er schließlich versucht, in den jüdischen Einrichtungen unterzukommen. Diese waren später oft die einzigen Einrichtungen, die jüdischen Menschen noch eine Beschäftigung geboten haben. Das Regime hat Juden damals systematisch ausgegrenzt″, sagt der Osnabrücker Historiker Sebastian Weitkamp.

Die finanzielle Situation ist schwierig, und Hans wird klar, dass seine Zukunft nicht in Deutschland liegt. Ich selbst bin ausgewandert worden. In Leipzig gelang es mir, eines von achtzehn offenen Visa für die Auswanderung nach England zu bekommen, und so konnte ich im Januar 1939 nach England emigrieren″, sagt Hans Flatauer in dem Interview im Februar 1984. Er hat Glück gehabt, dass er Deutschland noch rechtzeitig verlassen konnte. Dass er mit offenen Armen in Großbritannien empfangen wurde, das wage ich zu bezweifeln″, sagt Weitkamp.

Antrag auf Entschädigung

1956 stellt er den Antrag auf Entschädigung mit der Angabe Schaden im beruflichen Fortkommen″ so die Kategorie. Es geht um insgesamt
10 000 DM in zwei verschiedenen Verfahren. Doch so einfach ist es nicht. Ausgerechnet die Schule, die ihn aufgrund seiner jüdischen Abstammung damals diskriminiert und verwiesen hat, bezweifelt anfangs, dass er aufgrund der Umstände gezwungen wurde, die Schule zu verlassen. Die Schulleitung will Beweise für seine jüdische Abstammung, die in seiner Geburtsurkunde von 1915 nicht stehen. Die belegt Hans Flatauer mit seinem Reisepass, der den Buchstaben J trägt. Der sogenannte Judenstempel″ war ein von deutschen Behörden in deutschen Reisepässen angebrachter Stempel in Form eines roten J″. Damit wurde der Passinhaber ab 1938 eindeutig als Jude gekennzeichnet.

Schwieriges Verfahren

Doch das reicht als Beleg offensichtlich nicht aus. So heißt es in einem Schreiben vom Februar 1958 vom damaligen Direktor des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums: Der Antragsteller ist jüdischer Abstammung. Er gibt an, nachdem er das dortige staatliche Gymnasium mit der Realschule zu Osnabrück seit dem Jahr 1926 besucht hatte, dass ihm 1933 der weitere Schulbesuch aus Gründen der Rasse untersagt worden sei. Diese Angaben erscheinen mir unwahrscheinlich, dieses umso mehr, als sein mir vorliegendes Abgangszeugnis den Vermerk trägt: Er verlässt die Anstalt, um eine Lehrstelle anzutreten′.″ Hans Flatauers ehemaliger Mitschüler Hans Leo Hirtz unterstützt ihn und schreibt unter Eid: Hans Flatauer besuchte mit mir gemeinsam das Reform-Real-Gymnasium. Er musste im Herbst 1933 diese Schule aus der Obersekunda aus rassistischen Gründen verlassen und ihm, wie mir, wurde ein Fortfahren des Studiums unmöglich gemacht.″ Hans Leo Hirtz war ebenfalls Sohn eines Kaufmannes. Er emigrierte 1936 nach São Paulo.

In einem weiteren Schreiben der Schule an Hans Flatauer heißt es: Irgendwelche Unterlagen, dass dem Obengenannten aus rassistischen Gründen der weitere Schulbesuch nach 1933 untersagt worden ist, sind nicht bei den Schulakten. Nach der Aussage eines ehemaligen Herrn aus dem Kollegium wurde damals den Schülern aber der Abgang nahegelegt. Herr Flatauer hat dann bei seinem Abgang angegeben, er wolle eine Lehrstelle antreten.″

Existenzangst

Flatauer braucht Geld. Die Firma, in der er arbeitet, macht laut Akten seit einiger Zeit Verluste, und er ist gezwungen, das Unternehmen zu verlassen. Doch er hat ein Angebot der Schokoladenfabrik Mohnheim aus Aachen. Für sie soll er als Vertreter in England arbeiten. Da ich kein eigenes Kapital besitze, um die ersten, unbedingt erforderlichen Schritte zur Gründung dieser Firma zu unternehmen, erkläre ich hiermit, dass ich die von mir beantragte Entschädigung dringendst benötige, um mir und meiner Familie eine neue Existenzmöglichkeit zu schaffen″, schreibt er 1957. Rund vier Monate später erhält Hans Flatauer 5000 DM von der Bundesregierung. Die weitere Zahlung von 5000 DM durch das sogenannte Schlussgesetz zur Wiedergutmachung erhält er 1966.

Damit kann er sich in England etwas aufbauen, seine Vergangenheit hinter sich lassen und sich auf die Zukunft konzentrieren. Zu seinem Bruder Kurt besteht weiterhin Kontakt. Dieser war schon 1934 nach Palästina ausgewandert. Kurt änderte den Nachnamen in Palter und lebte fortan in einem Kibbuz, einer genossenschaftlichen Siedlung, in der es kein Privateigentum gibt.

Schmerzhafte Erinnerung

Seine Eltern sieht Hans dagegen nie wieder. Meine Eltern fühlten sich ganz als deutsche Staatsbürger. Ich habe nach meiner Emigration noch ein-, zweimal von ihnen gehört.″ Beide Brüder gründeten Familien, doch der Verlust ihrer Eltern, ihres Wohlstands und ihrer Osnabrücker Herkunft wurde dort nie zum Thema gemacht, wie uns die Nachkommen erzählten. Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen. Hans stirbt im Sommer 1987 in London. Für die Nachfahren von Kurt und Hans blieb vieles der eigenen Familiengeschichte lange im Dunkeln. Erst auf unsere Nachfrage und unseren Artikel erwachte die Neugier. Kurt Palters Sohn Guri lebt in Tel Aviv. Mit seiner Frau Aviva besuchte er im Dezember 2017 Osnabrück und erfuhr Dinge über seinen Vater,
die er vorher nicht für möglich gehalten hatte. Seine Osnabrücker Vergangenheit war ein gut gehütetes Geheimnis.

Als Guri Palter im vergangenen Jahr zum ersten Mal vor dem Haus seiner ermordeten Großeltern an der Herderstraße stand, ging er auf die Knie, er hatte Tränen in den Augen. Nie zuvor hatte er das Haus aus der Kindheit seines Vaters gesehen. Im Gepäck hatte Guri ein Fotoalbum, das er erst nach dem Tod seines Vaters Kurt in den 1990er-Jahren fand. Viele der Bilder hatte Kurt selbst gemacht, vermutet sein Sohn. Plötzlich bekamen Alma und Raphael ein Gesicht, und ihr einst großbürgerliches Leben in der Hasestadt ließ sich für die Familie erahnen. Mehr als das Fotoalbum war den Nachfahren jedoch nicht von den einstigen Besitztümern der Familie geblieben, dachte Guri Palter. Doch er irrte.

Familienstück taucht auf

Kurz nach dem Besuch der Palters meldete sich die Osnabrückerin Roswitha Baumeister in unserer Redaktion. Sie ist die Enkelin des Tischlermeisters Heinrich Grunge, und dieser war einst mit den Flatauers befreundet. Grunge stellte für Kurt Flatauer in den 1930er-Jahren mehrere Holzkisten her, in die er seine Habseligkeiten für die Auswanderung nach Palästina verstaute. Zum Dank dafür oder vielleicht auch zum Abschied schenkte Kurt meinem Großvater den siebenarmigen Leuchter″, so Baumeister. Seitdem befand sich die Menora, so die korrekte Bezeichnung für den siebenarmigen Leuchter, rund 60 Jahre in Familienbesitz.

Doch als Baumeister die Geschichte des Hauses las, wusste sie: Der Leuchter gehört der Familie Flatauer. Baumeister beabsichtigte, ihn nach Israel zu schicken. Doch die Palters wollten ihn lieber persönlich in Empfang nehmen und so kam es im Februar 2018 zu einem Treffen der Nachfahren der einstigen Freunde. Die Geschichte von der Rückgabe der Menora griff kurze Zeit später sogar die Jerusalem Post″, eine der größten israelischen Tageszeitungen, auf, und auch im israelischen Privatfernsehen fand die Geschichte Beachtung.

Familientreffen

Selbst über Osnabrücks Grenzen hinaus zieht das Schicksal der Familie weiter Kreise: Die Frankfurterin Dagmar Hoffmann bat erst in diesem September um Kontakt zu den Palters. Sie betreibt Familienforschung und hatte über den Artikel herausgefunden, dass ihre Familie mit Alma Flatauer verwandt ist. Zwischen Frankfurt und Tel Aviv besteht seitdem reger Kontakt, und ein Familientreffen ist für die Zukunft geplant, erzählt sie uns am Telefon. Manchmal können Artikel die Geschichte verändern und in diesem Fall wurde die Geschichte unserer Familie komplett durcheinandergewirbelt″, sagt Hans′ Sohn Daniel Flatauer heute. Aviva Palter, Guris Ehefrau, sieht es ähnlich: Die beiden Besuche und das Wissen über Alma und Raphael waren Meilensteine für unsere Familie.″

Führungen durchs Viertel

Das Schicksal der Familie Flatauer berührte auch viele Osnabrücker und das bis zum heutigen Tag: Seit dem Artikel ist das Interesse an dem Thema Judenverfolgung in Osnabrück wieder stark erwacht″, sagt Martina Sellmeyer. Sie veranstaltet regelmäßig Führungen zum Holocaust in Osnabrück seit Mai dieses Jahres begibt sie sich auf die Spuren der NS-Zeit im Katharinenviertel″. Die erste Führung haben über 100 Leute besucht, seit der dritten muss man sich anmelden, damit die Gruppe nicht zu groß ist.″ Was die Menschen besonders interessiert: Das Haus in der Herderstraße: Der lokale Faktor und die nachvollziehbare Familiengeschichte: Beides sorgt dafür, dass man nachfühlen kann, was damals in Osnabrück passiert ist.″

Für die Zukunft wünscht sich Sellmeyer, dass das Haus vor Verfall und Immobilienspekulanten gerettet wird: Es wäre genau der richtige Ort, an dem in der Stadt an die vertriebene und getötete jüdische Gemeinde erinnert werden könnte und dieses Erinnern mit privaten Bildern und vielen Dokumenten in den ehemaligen privaten Räumen tatsächlich fühlbar machen kann.″

Engagierter Bürgerverein

Eine Idee, die auch dem Bürgerverein Katharinenviertel gefällt. Hartmut Böhm, Mitglied und unmittelbarer Nachbar des Hauses, hat mehrere Versuche gestartet, das Haus zu retten: Ideal wäre ein Denkmalstatus. Aber meine Anfragen dafür wurden abgelehnt mit der Begründung, dass das Haus zu verbaut sei, um als Bauhaus-Denkmal zu gelten.″ Nun will Böhm mit
anderen Mitteln die Erinnerungen an die Flatauers wachhalten: Geplant ist, die Familienbilder per Beamer an
die Hauswände zu projizieren, um zu zeigen, wer die Menschen waren, die hier einst lebten.″

Seit Jahren ist das Haus unbewohnt und verkommt. Raphael und Alma Flatauer hatten es 1929 erbauen lassen. In der NS-Zeit musste das Paar die großzügige Villa verlassen und für einen Spottpreis verkaufen. Um Juden aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, enteigneten die Nationalsozialisten sie oder zwangen sie zur Aufgabe ihrer Immobilien, Besitztümer und Geschäfte. Die heutige Besitzerin des Hauses, die Tochter des damaligen Käufers, kümmert sich seit mehr als 20 Jahren nicht mehr um das einst prachtvolle Haus.

Am Ende blieb nichts

An Raphael und Alma Flatauer erinnerten bis zur Veröffentlichung des Artikels nur noch die Stolpersteine, die 2008 vor ihrem ehemaligen Haus verlegt wurden. Dabei waren sie angesehene Osnabrücker Kaufleute: Raphael Flatauer und sein Bruder Siegfried betrieben die Tuchgroßhandlung Flatauer und Co. KG″ in der Möserstraße 26 und die Großgarage Osnabrück-West″ in der Adolfstraße 60/ 62. Darüber hinaus besaßen sie drei Häuser in der Großen Straße, Nummer 27 bis 29, die 1938 an L& T verkauft wurden, sowie weitere Ländereien. Von all dem blieb der Familie nichts.

Von den Ereignissen der Pogromnacht vor genau 80 Jahren, am 9. November 1938, waren die Flatauers direkt betroffen: Unter Bewachung von betrunkenen NS-Funktionären wurden die (jüdischen) Frauen (und Kinder des Viertels; Anm. d. R.) dann in der völlig verwüsteten Wohnung der Familie Flatauer in der Herderstraße zwischen Scherben und zertrümmerten Möbelstücken eingesperrt.″ Dort mussten sie mitansehen, wie antisemitische Nachbarn in das Haus eindrangen und Möbel kurz und klein schlugen, heißt es in Stationen auf dem Weg nach Auschwitz″, dem Standardwerk über die Judenverfolgung in Osnabrück.

Und das Haus?

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hatte die Besitzerin des Hauses im vergangenen Jahr besucht und ihr ein Angebot für das Haus unterbreitet. Kein Interesse. Sie wolle sich zu allem nicht äußern, hieß es damals. Doch auch ein Jahr nach dem Artikel bleiben immer noch Passanten vor dem immer mehr verfallenden Haus an der Herderstraße 22 stehen, stellen Kerzenlichter am Eingang ab oder verweilen.

Bildtexte:
Ein Bild von Hans Flatauer 1946.
Die Stolpersteine vor dem Haus.
Foto/ Repro:
Daniel Flatauer
Fotos:
Michael Gründel

Stolpersteine

Treffen zum Putzen der Stolpersteine

Am kommenden Samstag, 10. November, werden die Stolpersteine von Raphael und Alma Flatauer wie auch andere Stolpersteine im Katharinenviertel geputzt. Zudem wird in einem kurzen Vortrag an jedem geputzten Stein das Schicksal der Ermordeten erzählt. Initiiert wird die Aktion vom Bürgerverein Katharinenviertel. Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem Haus an der Herderstraße 22.
Autor:
Kathrin Pohlmann, Corinna Berghahn


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