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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Großer Literat mit Lebemann-Attitüde
Zwischenüberschrift:
Im Jubiläumsjahr 1998 schloss Osnabrück Erich Maria Remarque in die Arme
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Einerseits passten die Friedensappelle in Erich Maria Remarques Werk sehr gut zu dem großen Thema, das Osnabrück vor 20 Jahren zur 350-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens bewegte. Andererseits gab es auch Stimmen des Bedauerns darüber, dass der 100. Geburtstag des großen Sohnes der Stadt am 22. Juni 1998 im Friedensrummel untergehen könnte.

Osnabrück Aber die Termine lagen nun einmal so, wie sie eben lagen. Remarque-Zentrum, Remarque-Archiv und Remarque-Gesellschaft organisierten zusammen mit der Stadt eine Reihe hochkarätiger Veranstaltungen. Den Veranstaltungsreigen eröffneten im April das Literaturbüro Westniedersachsen und das Remarque-Zentrum mit der musikalisch-literarischen Gala Im Westen was Neues″ in der Lagerhalle.

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ stellte in der Serie Zum 100. Geburtstag wiedergelesen″ jeden Monat einen Roman Remarques vor und bewertete ihn aus aktueller Sicht neu. Den Anfang machte Christine Adam mit dem Schwarzen Obelisken″, der dank seiner Osnabrück-Bezüge für die Osnabrücker zum Schlüsselroman wurde.

Im Mai erschien Wilhelm von Sternburgs große Remarque-Biografie Als wäre alles das letzte Mal″, in der er Tagebuch-Auswertungen und Werkanalysen zu einem neuen Blick auf Remarque zusammenführte, zu einem neuen und von jeder Tendenz zur Verklärung freien Blick auf den großen Humanisten und Pazifisten″, wie es der NOZ″-Rezensent Frank Henrichvark ausdrückte. Und weiter: In dieser Biographie, die Leben und Werk zusammenbringt, wird erkennbar, daß auch der gefeierte Autor selbst zu den Opfern gehörte: Seine legendären Eskapaden, sein Dandytum und seine Lebemann-Attitüde sind letztlich […] nur Reflexe der Angst, die ihn nie loslassen sollte.″

Fast gleichzeitig brachten Thomas F. Schneider und Tilmann Westphalen vom Osnabrücker Remarque-Archiv als Herausgeber Das unbekannte Werk: Frühe Prosa, Werke aus dem Nachlass, Briefe und Tagebücher″ heraus eine ungeheure Fleißarbeit in fünf Bänden auf 2582 Seiten. Noch im Mai veranstaltete das Theater dazu eine Matinee. Schauspieler Thomas Hary las aus den Tagebüchern des Jahres 1965, Uwe Kraus stellte die bislang unbekannte Erzählung Unterwegs″ vor, das Aurora Trio″ garnierte die Lesungen musikalisch.

Wenige Tage vor dem eigentlichen Geburtstag ging im Piesberger Gesellschaftshaus ein Rosenfest″ über die Bühne. Es knüpfte an eine Veranstaltung dieses Namens an, die Remarque im Juni 1919 am gleichen Ort als Abschlussfest der Lehramtskandidaten der Lehrerseminare organisiert hatte. 79 Jahre später erklangen die gleichen Schlager und Tanzmelodien, die Remarque-Gesellschaft bat zum Tanz. Der Dichter selbst, repräsentiert durch ein lebensgroßes Foto an der Wand, belächelte das Treiben seiner Anhänger freundlich. Zum 100. Geburtstag erwies ihm die Stadt mit einem Empfang im Friedenssaal des Rathauses die Ehre. Professor Hans Wagner sprach über die weltweite Wirkung der Hauptwerke des Autors. Das Remarque-Zentrum am Markt 6 eröffnete die neue Dauerausstellung unter dem Titel Unabhängigkeit Toleranz Humor″. Sie bot umfassende Einblicke in Leben und Werk. Das Steigenberger-Hotel Remarque kochte das Menü nach, mit dem Remarque 1964 die Osnabrücker Ratsdelegation verwöhnte, als sie ihn zur Verleihung der Möser-Medaille in seinem Haus im Schweizer Porto Ronco aufsuchte.

Das Remarque-Hotel war auch Schauplatz einer weniger literarischen, dafür motorisierten Auto-Biografie″: Remarques Lieblingswagen, der Lancia Dilambda des Baujahrs 1931, den er mit dem gleichen Kosenamen Puma″ wie seine zeitweilige Geliebte Marlene Dietrich belegte, machte für einige Wochen Station im Foyer des Hotels. Wer konnte, steuerte auf seine Weise Anknüpfungspunkte des Remarque-Gedenkens bei: Symposien, Konzerte, Filmwochen schlugen Brücken zu Remarque, eine Prägeanstalt bot für 47 DM eine Gedenkmedaille in Feinsilber an, die Städtischen Bühnen brachten zwei Stücke mit Remarque-Bezug, das erste unordentliche Zimmertheater setzte die Theater-Collage Remarqueable″ ein Wortspiel mit dem englischen remarkable″ (beachtlich, bemerkenswert) in Szene, in der die fiktive Rückkehr des Autors in seine Heimatstadt und die Reaktionen der Osnabrücker darauf durchgespielt wurden.

Im Oktober 1998 zogen Thomas Schneider und Tilman Westphalen als Verantwortliche des Remarque-Archivs und Organisatoren vieler Veranstaltungen ein erstes Fazit. Es lautete: Durchaus gelungen.″ Durch die zahlreichen Veröffentlichungen habe sich vieles am Bild Remarques geändert. Natürlich gibt es noch das Vorurteil, er sei bloß ein Dandy gewesen. Das Neue aber ist, dass das nicht mehr gegen seine Leistungen als Schriftsteller ausgespielt wird″, sagte Schneider.

Die Pressereaktionen auf die Ereignisse im Jubiläumsjahr füllen im Archiv am Markt einen halben Meter an Hängeordnern. Schneider schätzte, dass sich bis zu 80 Zeitungen aus ganz Deutschland mit ausführlichen Beiträgen zu Wort gemeldet haben. So habe auch das Feuilleton der FAZ″ der Sternburg-Biografie fast eine ganze Seite gewidmet und niemals vorher so ausführlich und positiv über Remarque berichtet. Schneider sah es als Zeichen dafür, dass Remarque auf dem besten Wege sei, in den Kanon der großen Literaten des 20. Jahrhunderts aufgenommen zu werden.

Bildtext:
Erich Maria Remarque (1898–1970) wäre im Jubiläumsjahr 100 Jahre alt geworden. Das Foto zeigt ihn bei der Entgegennahme der Möser-Medaille im Jahr 1964.
Foto:
Emil Harms

Das Jubiläumsjahr 1998

Vor 20 Jahren, im Jahr 1998, fand in Osnabrück Bemerkenswertes statt: Im Oktober versammelten sich Europas Staatsoberhäupter im Friedenssaal. Bereits im Juni bezauberte der Dalai Lama die Osnabrücker, und im Juli wurde das Felix-Nussbaum-Haus eröffnet.

Eine kostenlose Broschüre, die nun erschienen ist, blickt auf das denkwürdige Jahr zurück. Die erste Hälfte des 50-seitigen Heftes handelt vom 24. Oktober 1998, dem 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens. Die zweite Hälfte ruft unter anderem den 100. Geburtstag Erich Maria Remarques und die Europaratsausstellung ins Gedächtnis.

Die Broschüre begleitet die Ausstellung im Dachgeschoss des Rathauses Willkommen in Osnabrück, Eure Majestät 1998, als Europa den Frieden feierte″. Dort ist das Heft ebenso kostenlos zu bekommen wie in der Tourist-Information (Bierstraße).

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ druckt einige Texte aus der Broschüre ab.
Autor:
Joachim Dierks


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