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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mieten in Osnabrück ziehen kräftig an
 
So stark steigen die Mieten in unserer Region
Zwischenüberschrift:
Bezahlbarer Wohnraum wird in unserer Region immer knapper
 
Warum Mietwohnungen in der Stadt Osnabrück fast doppelt so teuer wie in der Gemeinde Merzen sind
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Sozialverbände und der Mieterverein für Osnabrück und Umgebung schlagen Alarm. Die Mieten haben in Osnabrück nach Angaben eines Immobilienportals in sechs Jahren um knapp ein Viertel des Preises angezogen. Auch in Umlandgemeinden stiegen die Mieten demnach teils um mehr als 20 Prozent an.

Osnabrück Noch Anfang 2012 kostete eine Osnabrücker Wohnung nach den Daten von Immobilienscout 24 im Schnitt 6, 23 Euro pro Quadratmeter, doch bis Mitte 2018 kletterten die Preise auf 7, 87 Euro pro Quadratmeter. Das Immobilienportal hat die Mieten in unserer Region verglichen. Die Angebotsmieten aus dem reichweitenstarken Online-Immobilienportal sind Grundlage für einen Mietpreisatlas (siehe Seite 9) für unsere Region.

Mieterverein-Geschäftsführer Carsten Wanzelius konstatiert, dass es sowohl in Osnabrück als auch im Landkreis inzwischen sehr schwer geworden ist, eine Wohnung zu angemessenen Preisen zu bekommen″. Mitglieder des Mietervereins müssten lange suchen, bis sie eine Wohnung finden, die für sie auch bezahlbar sei. Viele Vermieter würden sich auf Mieten in Internet-Immobilienportalen berufen und seien der Auffassung, dass sie geradezu jeden Preis nehmen können″. Allerdings betont Wanzelius, dass es sich dabei nicht um ortsübliche Vergleichsmieten, sondern um von Vermietern angegebene Mietpreise handele. Im Mietpreisspiegel der Stadt zogen die Mieten in sechs Jahren aber um ebenfalls beachtliche 16 Prozent an.

Für Wanzelius ist eines der größten Probleme im Wohnungsmarkt, dass energetische Modernisierungen als Mietzinserhöhungstatbestand unbegrenzt auf Mieten umlegbar sind″. Hintergrund ist, dass der Vermieter elf Prozent der Modernisierungskosten dauerhaft auf die Miete umlegen darf.

Die Osnabrücker Kreisverbände des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und des Sozialverbands Deutschland fordern Stadt und Landkreis auf, steuernd in den Wohnungsmarkt einzugreifen. Sie sollen demnach entweder selbst kommunale Wohnungsbaugesellschaften gründen oder sich an bestehenden Wohnungsgenossenschaften entsprechend finanziell beteiligen.

In Osnabrück sind die Mieten laut Immobilienscout in den vergangenen fünf Jahren prozentual etwas stärker gestiegen als in Münster. Allerdings liegt der absolute Mietpreis dort mit im Schnitt 9, 24 Euro pro Quadratmeter deutlich höher als in Osnabrück. In Oldenburg hingegen zogen die Mieten ähnlich stark wie in Osnabrück an und liegen nach Angaben des Immobilienportals mit 7, 98 Euro pro Quadratmeter auch auf einem ähnlichen Preisniveau. Allerdings sind die Mieten in Osnabrück bereits teurer als in Dresden (7, 79 Euro pro Quadratmeter). Die Mieten in einer Ruhrgebietsstadt wie Oberhausen liegen knapp 1, 50 Euro pro Quadratmeter unter Osnabrücker Niveau. Im Landkreis Osnabrück zogen die Mieten in fünf Jahren um rund 19 Prozent von durchschnittlich 5, 22 Euro Mitte 2013 auf 6, 21 Euro an. Teuerste deutsche Stadt ist München mit einer Kaltmiete von durchschnittlich 16, 36 Euro pro Quadratmeter und einer Preissteigerung von 32 Prozent in fünf Jahren.

Bildtext:
Die Mieten explodieren: Wohlfahrtsverbände fordern daher, dass die Politik steuernd in den Wohnungsmarkt eingreift.
Foto:
dpa/ Oliver Berg,
Grafik:
NOZ

Kommentar
Sozialer Sprengstoff

Der Wohnungsmarkt ist aus den Fugen geraten nicht nur in den Metropolen, auch in unserer Region. Der Preis für Neuvermietungen ist seit 2012 etwa doppelt so stark gestiegen wie die Inflation. Zu lange haben sich Stadt und Landkreis einreden lassen: Der Markt regelt das schon.

Es war ein fataler Fehler, die städtische Wohnungsbaugesellschaft OWG in 2004 zu verkaufen und trug dazu bei, dass jährlich deutlich mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fielen, als neue Sozialwohnungen geschaffen wurden.

Längst sind aber nicht mehr nur einkommensschwache Haushalte, zunehmend ist auch die Mittelschicht betroffen. Die steigenden Mieten werden zum sozialen Sprengstoff. Da sich Normalverdiener Eigentum wegen der explodierenden Immobilienpreise kaum noch leisten können, leidet besonders die jüngere Generation. Die steigenden Mieten verschlingen einen immer größeren Anteil des verfügbaren Nettoeinkommens. Somit können sie auch immer weniger für einen späteren Immobilienkauf zurücklegen.

Eine Ursache für die steigenden Mieten ist die hohe Nachfrage. Laut Haus und Grund haben seit 2012 dreimal mehr Menschen ihren Erst- oder Zweitwohnsitz nach Osnabrück verlagert als Wohnungen hinzugekommen sind. Mit dem Druck auf dem Wohnungsmarkt steigen die Preise. Die Stadt und die Umlandgemeinden müssen daher dringend neuen Wohnraum schaffen, damit Angebot und Nachfrage wieder im Einklang stehen und Wohnen wieder bezahlbar wird.

Der Mietpreisatlas zeigt, wie die Lage der Mietwohnung den Preis bestimmt. Wer in Merzen wohnt, bezahlt im Schnitt weniger als vier Euro, wer in Osnabrück wohnt, hingegen deutlich mehr als 7 Euro pro Quadratmeter. Ein Immobilienexperte erklärt die Hintergründe, Verbände erläutern die Folgen der stark anziehenden Mieten.

Osnabrück Spitzenreiter bei den Mieten im Landkreis ist Hagen mit 7, 01 Euro, gefolgt von Bad Rothenfelde mit 6, 92 Euro und Belm mit 6, 85 Euro pro Quadratmeter. Das geht aus den Daten von Immobilienscout 24 für das zweite Quartal 2018 hervor. Das Online-Immobilienportal hat für unsere Redaktion die Mietentwicklung in den Städten und Gemeinden unserer Region verglichen. Die stärkste Mietpreissteigerung gab es im Landkreis demnach in Hagen und Belm mit jeweils mehr als 23 Prozent von 2012 bis 2018.

In Bersenbrück stiegen die Mieten im gleichen Zeitraum den Angaben zufolge um knapp 17 Prozent auf 5, 70 Euro pro Quadratmeter. Am billigsten sind Mietwohnungen in den Nordkreisgemeinden Merzen (3, 95 Euro), Bippen (4, 31 Euro) und Berge (4, 37 Euro pro Quadratmeter).

Die Gründe

Der Geschäftsführer des Eigentümerverbands Haus und Grund Osnabrück, Christian Biemann, betont, dass Mieter wegen der starken Nachfrage in Osnabrück bereits auf Außenbereiche oder das Umland ausweichen würden, was auch dort wiederum zu erhöhter Nachfrage und steigenden Mietpreisen führe. Zudem würden Mieter einen bestimmten Wohnungsstandard auch bei Altbauwohnungen verlangen. Auch die von der Politik gewünschte und teilweise vorgeschriebene energetische Gebäudesanierung führe zu Mieterhöhungen. Die Modernisierungsmieterhöhungen machen sich, wenn nicht bereits während des laufenden Mietverhältnisses, spätestens bei der Neuvermietung bemerkbar″, erläutert Biemann. Darüber hinaus müssten bei den Neubauten die hohen Grundstücks- und Baukosten über die Miete refinanziert werden, um das Bauvorhaben überhaupt rentabel zu gestalten.

Der Kreisverbandsgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Osnabrück, Michael Laszewski, warnt: Die Krise auf dem Wohnungsmarkt macht auch vor unserer Region nicht halt.″ Er zeigte sich wegen des Verdrängungseffekts besorgt: Ein Paar, das nach einer größeren Wohnung sucht, um eine Familie zu gründen, findet diesen Wohnraum dann zu annehmbaren Preisen oft nur noch außerhalb der Stadt Osnabrück.″ Das habe auch zu den stark gestiegenen Mieten in Belm, Wallenhorst, Hasbergen, Georgsmarienhütte und Hagen geführt. Die Mietpreisexplosion betreffe Menschen, die berufsbedingt umziehen müssten, die eine Familie gründeten und deshalb eine größere Wohnung suchten, und Menschen, die sowieso mit ihrem Geld haushalten müssten: Für eine Alleinerziehende mit zwei kleinen Kindern und Teilzeitstelle entscheiden zehn Prozent mehr Miete mitunter darüber, ob die Tochter mit auf Klassenfahrt kann und der Sohn die neuen Fußballschuhe bekommt, die er für sein großes Hobby dringend braucht.″

Der Kreisvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD) fügt hinzu: Die Mietpreisentwicklung vertieft die soziale Spaltung in der Gesellschaft dramatisch.″ Insbesondere Alleinerziehende, Rentner und Menschen mit Migrationshintergrund seien besonders benachteiligt.

Stimmen

Michael Laszewski: Der 10-Punkte-Handlungsplan für bezahlbaren Wohnraum der Stadt Osnabrück ist richtig und wichtig, reicht aber nicht aus. Es muss noch mehr passieren. Das Bürgerbegehren für eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft weist in die richtige Richtung″, sagt der Kreisverbandsgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Osnabrück. Möglichst viele Bürger müssten sich mit ihrer Unterschrift daran beteiligen.

Gerd Groskurt: Die Situation ist meiner Meinung nach so dramatisch, dass wir wirklich in großem Stil etwas tun müssen. Da werden wir alle Kräfte mit im Boot haben müssen.″ Der Kreisvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zeigt sich überzeugt: Eine kommunale Wohnungsgesellschaft muss her. Diese Initiative unterstützt auch der SoVD in Osnabrück.″ Mehr Sozialwohnungen müssten geschaffen und das Wohngeld müsse erhöht werden.

Erzählen Sie Ihre Geschichte!

Wer ist Gewinner, wer ist Verlierer des Immobilienbooms? Schreiben Sie an j.fays@ noz.de und erzählen Sie Ihre Geschichte. Wie hat die Preisexplosion Sie reich gemacht? Wie leiden Sie unter der Wohnungsnot und den steigenden Mieten? In der neuen Serie beschreibt unser Redakteur immer mittwochs und samstags den aktuellen Boom, die Wohnungsnot und ihre Folgen. Im kommenden Serienteil am Mittwoch, 7. November, finden Sie den Mietpreisatlas für die Stadt Osnabrück und lesen, wie die Mieten in den Stadtteilen steigen.
Autor:
Jean-Charles Fays


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