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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Feiner Zwirn statt alte Joppe?
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf die neuen Moden eines alternden Turnschuhministers aufs Korn nahm
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Grünen, das war lange Zeit vor allem Joseph Joschka″ Fischer. Der Osnabrücker Karikaturist Fritz Wolf hat den wortgewaltigen Hessen oft aufs Korn genommen und dabei nicht zuletzt dessen wandelnden Modegeschmack thematisiert.

Osnabrück Mit fast 20 Prozent der Wählerstimmen haben die Grünen am vergangenen Sonntag bei den Landtagswahlen in Hessen ein fulminantes Ergebnis erzielt. In Wiesbaden war es auch, wo sie vor 33 Jahren zum ersten Mal auf Länderebene Regierungsverantwortung übernahmen, wobei Veränderungen im Kleidungsstil des damaligen Turnschuhministers″ Joschka Fischer durchaus die Entwicklung seiner Partei spiegeln und Fritz Wolf reichlich Stoff für seine spitze Feder boten.

Mit triumphierendem Lächeln tritt Hessens künftiger Umweltminister Joschka Fischer seinem neuen Chef Holger Börner gegenüber. Im traditionell-biederen Anzug samt Krawatte beugt der Ministerpräsident die Knie vor seinem leger auftretenden Kabinettsnachwuchs, um diesem mit verdrießlichem Blick die Schnürsenkel zu binden.

Vielleicht hatte Fritz Wolf bei seiner Komposition im Dezember 1985 das alte biblische Bild vom Lösen der Schuhriemen im Sinn, als er die textile Provokation Fischers anlässlich der Kabinetts-Vereidigung im Wiesbadener Landtag zeichnerisch zuspitzte: Zum Entsetzen des bürgerlichen Publikums hatte es der Ex-Steinewerfer tatsächlich gewagt, in ausgewaschenen Jeans, weißen Turnschuhen, groß kariertem Hemd und Fischgrät-Sakko im Hohen Hause zu erscheinen.

Wer hätte das gedacht?″, wunderte sich Fritz Wolf in seiner Bildunterschrift, doch der zeichnende Politbeobachter sollte auch in den folgenden Jahren aus dem Staunen nicht herauskommen. Zunächst ließ sich Joschka Fischer nachdem er zwischenzeitlich etwas rundlicher und unter Hans Eichel zum zweiten Mal Minister geworden war im April 1998 durch einen erfolgreich gefinishten Marathon herausfordern, um im weiteren Verlauf des Jahres als Außenminister und Vizekanzler im Kabinett Schröder vom sportlichen Schuhwerk zu qualitätvoll-gediegener Lederware zu wechseln.

So ändern sich die Zeiten″, kommentierte Fritz Wolf 2001 den modisch formvollendeten Auftritt des neuen Joseph Martin Fischer, indem er ihn noch einmal symbolisch die dreistreifigen Sporttreter gegen neue Brandlederne tauschen ließ. Dabei präsentiert sich der Vizekanzler im noblen Zwirn mit Langbinder und Weste.

Bereits zwei Jahre zuvor hatte Wolf ihn ob solchen Stilwandels zum Neuzugang im Klub der am besten angezogenen Politiker″ erklärt: Sichtbar interessiert lauscht der deutsche Chefdiplomat einem modischen Zwiegespräch zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und FDP-Chef Wolfgang Gerhardt: Auf das Markenlabel aus dem Hause Joop″ verweisend, kontert der Liberale des Kanzlers Frage Reine Wolle? mit der Antwort Cashmere!

Mit der letzten politischen Karikatur vor seinem Tod am 23. Dezember 2001 brachte Fritz Wolf die politische Entwicklung des Ministers wie der Grünen insgesamt noch einmal auf den Punkt: Während sich Joschka Fischer im November 2001 beim Rostocker Parteitag mit ebenso staatsmännischem Gestus wie Gewand für den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr stark-macht, scheinen seine strickenden Zuhörer eher die Klischees vom grün-alternativ-pazifistischen Lebensentwurf zu bestätigen. Gleichwohl: Die Versammlung folgte auch real dem von Fritz Wolf erdachten symbolischen Appell ihres Aushängschildes, die Solidarität nicht aufs Stricken warmer Socken zu beschränken.

In vielerlei Hinsicht hatten die Grünen für frischen Wind in den deutschen Parlamenten gesorgt und nicht zuletzt durch unangepasste Kleidung ihr Unbehagen gegenüber der etablierten Politik ausgedrückt. Inzwischen hat sich die Kleiderordnung deutlich entspannt und auch mancher Konservative lässt nicht nur die Krawatte im Schrank.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtexte:
Wer hätte das gedacht? (1985)
Rostocker Appell″ (2001)
So ändern sich die Zeiten″ (2001)

100 Jahre Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie.

An diesem Sonntag geht im Stadtmuseum Quakenbrück die derzeit letzte Fritz-Wolf-Jubiläumsausstellung mit Zeichnungen zum Thema Musik zu Ende.

Die Fritz-Wolf-Gesellschaft lädt zu ihrer Jahreshauptversammlung am Mittwoch, 7. November, um 18.30 Uhr ins Forum am Dom ein. Gäste sind willkommen.

Der Fritz-Wolf-Kalender 2019 ist im Buchhandel zum Preis von 18, 90 Euro erhältlich. Für Rückfragen an die Fritz-Wolf-Gesellschaft steht Sebastian Scholtysek zur Verfügung unter Telefon 01 76/ 31 11 06 63 oder per E-Mail an post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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