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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Dem „Henker vom Emsland″ ausgeliefert
Zwischenüberschrift:
Albert Sommer kam 1945 im Straflager Aschendorfermoor ums Leben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Soldat Albert Sommer musste sterben, weil er sich dem Nazi-Regime verweigert hatte. Wehrkraftzersetzung″ lautete das Urteil. Seine kritische Haltung wurde als Schizophrenie ausgelegt. Zum Schluss wurde er in das Straflager Aschendorfermoor verschleppt und war dort der Willkür eines fanatischen Kommandeurs ausgesetzt. Er kam 1945 bei einem Massaker ums Leben. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn.

Für Albert Sommer gab es keine Beerdigung und kein Denkmal. Und seine Familie wusste lange Zeit nicht, was mit ihm geschehen war. Doch seiner Tochter Inge Peters und ihrem Mann Heinrich ließ dieses Schicksal keine Ruhe. Jahrzehntelang forschten sie. Schließlich fanden sie vor zwei Jahren heraus, dass die Leiche von Albert Sommer in einem Massengrab des damaligen Straflagers Aschendorfermoor liegt.
Die Verlegung des Stolpersteins war für Inge Peters aufwühlend. Es ist wie eine Beerdigung.″ Sie ist Patin der Gedenktafel im Bürgersteig vor der ehemaligen Wohnung der Familie Sommer in der Großen Gildewart 10. Während der Zeremonie erinnerte sie an das Leben ihres Vaters, der Kranführer war und bei den Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerken (OKD) sowie bei der Firma Hammersen gearbeitet hatte. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges und gerade einberufen zum Kriegsdienst, heiratete er Magda Kelterborn. Doch das Eheleben war für die Eltern von Inge Peters nur von kurzer Dauer.
Bereits Anfang 1940 wurde Albert Sommer erstmals verhaftet sowohl vor als auch nach einem Fronteinsatz. Gefängnis- und Lazarettaufenthalte wechselten sich ab. Die genauen Umstände sind seiner Tochter nicht bekannt. Nur das: Er hat den Mund aufgemacht.″ 1942 verurteilte ein Feldkriegsgericht Albert Sommer wegen Wehrkraftzersetzung″ und Wehrunwürdigkeit″ zu zehn Jahren Zuchthaus.
Die Nationalsozialisten ließen außerdem seine Ehe scheiden. Die Gestapo gab als Grund Zerrüttung der Ehe durch ehrloses Verhalten des Ehemannes″ an. Wie Inge Peters berichtete, beließen es die Beamten nicht bei der Zwangsscheidung: Meine Mutter wurde von Gestapo-Leuten vergewaltigt.″ So wurde auch sie zum Opfer des Nationalsozialismus
Albert Sommer wurde in verschiedene Straflager im Emsland verschleppt. Zum Schluss war er in Aschendorfermoor, wo er dem Schreckensregiment von Willi Herold zum Opfer fiel. Bei einem seiner willkürlichen Massaker kam Albert Sommer wahrscheinlich im April 1945 ums Leben. Er wurde 26 Jahre alt.
Der 19-jährige Gefreite Willi Herold hatte in den Wirren des Kriegsendes eine Offiziersuniform gestohlen und sich selbst zum Hauptmann befördert. Herold wurde später als Henker vom Emsland″ bekannt und von den Engländern inhaftiert. Von eine Militärgericht der Engländer wurde er später in Wilhelmshaven zum Tode verurteilt.
Die Verlegung des Stolpersteins war für Inge Peters gleichzeitig eine um 65 Jahre verschobene Trauerfeier für den toten Vater. Deshalb bat sie Aloys Lögering, der die Zeremonie leitete, um ein gemeinsames Vaterunser″. So erklang schließlich ein Gebet durch die Altstadt.

Bildtext:
Mit der Stolpersteinverlegung vor dem Haus Große Gildewart 10 soll an den im Straflager umgekommenen Albert Sommer erinnert werden.
Nur ein Foto in Uniform blieb der Tochter von Albert Sommer.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine

Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich inzwischen mehr als 500 Kommunen anschlossen; außer in Deutschland weitere in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Den Stolperstein für Albert Sommer haben Schüler des Berufsschulzentrums Westerberg verlegt: Alexander Kerschner, Jan Klostermann, Jan Thiel und Dominik Strohmeier. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von NS-Opfern entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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