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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gruppenbild mit Königinnen
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf das Friedensjubiläum 1998 in den Blick nahm
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
1998 fieberte die Region dem Jubiläum 350 Jahre Westfälischer Friede″ entgegen, das mit dem Besuch europäischer Monarchen und Staatsoberhäupter am 24. Oktober seinen Höhepunkt erreichte. Der zeichnende Pazifist Fritz Wolf machte sich damals seine eigenen Gedanken zum Thema Friedensfeiern″.

Osnabrück Augenzwinkernd legt Hans-Jürgen Fip die Arme um die schwedische Königin Sylvia zu seiner Rechten und ihre niederländische Amtsschwester Beatrix zu seiner Linken, die ihn zumindest körperlich überragen. Die dritte royale Hutträgerin im Bunde ist neben Beatrix die dänische Monarchin Margrethe, deren Herkunft eine Flagge auf ihrer Handtasche offenbart.

Besonders den damaligen Oberbürgermeister hat der Karikaturist auf dieser kolorierten Zeichnung perfekt getroffen: Im blauen Anzug mit rotem Schlips erscheint Fip staatsmännisch generös, wobei ihn die blaublütige Damenriege keinesfalls aus der Fassung bringt: Christa ist mir lieber als Eure Majestäten!″, erklärt er seinen königlichen Verehrerinnen und legt damit ein klares Bekenntnis zu seiner Ehefrau ab.

Entstanden ist die Zeichnung nicht für eine Veröffentlichung in der Neuen Osnabrücker Zeitung″, sondern zwei Jahre nach dem großen Staatsbesuch als persönliches Geburtstagsgeschenk Fritz Wolfs an den befreundeten Kommunalpolitiker Fip. Daher hat der Karikaturist entgegen seiner Gewohnheit das Blatt nicht nur signiert, sondern auch mit einem konkreten Datum versehen: Der 6. November 2000 war der 60. Geburtstag des langjährigen Stadtoberhaupts.

Mit dem ihm eigenen Charme brachte Wolf die Rolle des OB als eine der treibenden Kräfte des Friedensjubiläums zu Papier und schuf zugleich eine wunderbare persönliche Erinnerung für Hans-Jürgen Fip, den er bereits in früheren Jahren wiederholt auf privat überreichten Blättern ins Visier genommen hatte: so etwa als aufmüpfigen Bezirksvorsitzenden der Jungsozialisten in den 1960er-Jahren, der die SPD-Granden Brandt, Wehner, Ehmke und Vogel herausfordert.

Die sich anbahnende Osnabrücker Jubiläumseuphorie griff Fritz Wolf 1997 auf: In einer Folge von neun Zeichnungen setzte er unter dem frommen Titel Friede sei mit uns″ seine Sicht auf das wechselvolle Spiel von Friedfertigkeit und Gewalt ins Bild beginnend mit der Vertreibung aus dem Paradies. Während Adam seiner Eva den verbotenen Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis vorhält, kontert diese lakonisch: Du brauchtest ja nicht reinzubeißen!

Es folgen Szenen von sich mit Felsbrocken bewerfenden Steinzeitmenschen und Morgensterne schwingenden mittelalterlichen Kontrahenten, bevor der Zeichner die konfessionellen Gegner des Dreißigjährigen Krieges würdigt. Sie beschimpfen sich gegenseitig säbelrasselnd als evangelischer Lump″ oder katholischer Pfaffenknecht″.

Nachdem beide Parteien am Ende die Nase voll hatten″, lässt Fritz Wolf sie als Invaliden auf Krücken zum Friedensschluss nach Osnabrück hinken. Ihr Motto: 30 Jahre sind genug! Der anschließende Sprung ins 20. Jahrhundert zeigt
Bundeskanzler Konrad Adenauer und den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle als Ahnherrn der deutsch-französischen Freundschaft sowie Helmut Kohl und den russischen Präsidenten Boris Jelzin als Kalinka tanzende Überwinder des Eisernen Vorhangs.

Nachdem der Karikaturist Europa nunmehr auf dem besten Wege zu einer ebenso nachhaltigen wie friedfertigen Entspannungsphase wähnte, lokalisierte er den wahren Unfrieden vor allem auf deutschen Straßen: Ausgestreckte Mittelfinger und Beleidigungen wie Idiot! und Blödmann! machen dort die Hoffnung auf friedensgerechte Fortschritte menschlicher Existenz zunichte. Verkehrsrowdytum, so die Wolf′sche Quintessenz, führt geradewegs zurück in die geistige Steinzeit: Gestresste Wagenlenker mutieren bei ihm zu Keulen schwingenden Urmenschen.

Ein Blick ins heutige Osnabrück scheint ihm recht zu geben: In der Friedensstadt ist schließlich gerade die Verkehrspolitik eine Quelle vielfachen Unfriedens und dies innerhalb wie außerhalb der ehrwürdigen Mauern des Rathauses mit seinem Friedenssaal.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtext:
" Amheftigsten und am längsten wurde um den rechten Glauben gefochten - bis beide Parteien am Ende die Nase voll hatten."

Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. An diesem Wochenende geht im Museum Villa Stahmer in GMHütte die Ausstellung Wolf′scher Werke zu den Themen Kunst und Mode zu Ende.

Das Stadtmuseum Quakenbrück präsentiert bis zum 4. November seine Fritz-Wolf-Schau zum Thema Musik, während das Museum Industriekultur im Rahmen seiner Kneipenausstellung Wolf′sche Bierkarikaturen zeigt. Bereits erhältlich ist der Fritz-Wolf-Kalender 2019 im Buchhandel und an den derzeitigen Ausstellungsorten zum Preis von 18, 90 Euro.

Infos zu den Projekten der Fritz-Wolf-Gesellschaft erteilt Sebastian Scholtysek unter Telefon 01 76/ 31 11 06 63 oder per Email an post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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