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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn der Strauß den Wolf jagt
Zwischenüberschrift:
Wie der CSU-Übervater zu einem der Lieblingsgegner Fritz Wolfs wurde
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Bayernwahl am vergangenen Wochenende wirft auch die Frage auf, was wohl der CSU-Übervater Franz Josef Strauß zu dem eklatanten Absturz seiner Partei gesagt hätte. Eine Karikatur von Fritz Wolf aus dem Jahr 1991 könnte durchaus auch die aktuelle Lage der Union deuten.

Osnabrück Gemeinsam riskieren Altkanzler Konrad Adenauer und Bayerns übermächtiger Landesvater auf ihrer himmlischen Wolke einen Blick in den Fernseher. Immerhin können sie sich so über die aktuelle Entwicklung in ihren irdischen Heimatgefilden auf dem Laufenden halten.

Gezeichnet hat Fritz Wolf das Blatt im Blick auf die Abstimmung im Bundestag über die Wahl zwischen Bonn oder Berlin als Bundeshauptstadt. Allerdings passt die Strauß′sche Einlassung Die heimliche Hauptstadt ist sowieso München! auch hervorragend zur Haltung Horst Seehofers seines derzeitigen Nachfolgers im CSU-Parteivorsitz.

Immerhin hatte der bundesdeutsche Innen- und Heimatminister mit seinem parteipolitischen Kurs der vergangenen Monate vorrangig den süddeutschen Freistaat und seine Wähler zu beeindrucken versucht. Aber auch Adenauers Worte sind in der aktuellen Lage ausgesprochen passend: Nicht nur für ihn macht das Erscheinungsbild der Großen Koalition Berlin derzeit eher zu einer unheimlichen Hauptstadt″.

Franz Josef Strauß ist mit über 400 Karikaturen eines der Lieblingsthemen Fritz Wolfs gewesen, wobei diese den Bayern nicht gerade in ein sympathisches Licht rücken. Allgegenwärtig, rabiat und in politischen Fragen humorlos erscheint er in den Wolf′schen Zeichnungen. Zudem gehörte er zweifellos zu jenen Politikern, die Fritz Wolf wegen ihres markanten Äußeren besonders gut konnte″ wie er selbst mehrfach betont hat.

Dass seine Aversion gegen Strauß Tradition hatte, belegen zwei an sich eher unpolitische Karikaturen aus der Mitte der 1960er-Jahre. Damals kündigte Fritz Wolf den Lesern der Neuen Tagespost″ noch per Zeichnung seinen Urlaub an. Im Juni 1964 setzte er eine Hundehütte mit der Aufschrift Wolf Karikaturist″ ins Bild, deren vierbeiniger Bewohner angesichts der leeren Kette ausgebüxt zu sein scheint. Vergeblich haben sich daher spezielle Freunde″ auf den Weg gemacht, um ihm mit ihren Knüppeln eine Lektion zu erteilen: Bei dem Trio handelt es sich um den verkniffenen ostdeutschen Chefkommunisten Walter Ulbricht, dessen beleibten sowjetischen Amtskollegen Nikita Chruschtschow und den in Lederhose aufgelaufenen, bei aufgekrempelten Ärmeln besonders grimmig dreinblickenden Franz Josef Strauß. Ihr Kommentar: Hat schon wieder Urlaub, dieser Kapitalistenstrolch! erscheint für Letzteren eher unpassend, aber der Zeichner sah den 1962 über die Spiegel-Affäre gestolperten Ex-Verteidigungsminister gleichwohl in einer Reihe mit der im Westen unbeliebten Ost-Politikprominenz.

Als Fritz Wolf sich Ende April 1965 für drei Wochen in den Urlaub verabschiedete, musste erneut FJS herhalten. Mit der geschulterten obligatorischen Gitarre in der Rechten und einem Koffer in der Linken flüchtet der Karikaturist vor dem Christsozialen, der ihn auf dem Rennrad verfolgt. Vor einer Bergkette beobachten Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und Außenminister Gerhard Schröder am Straßenrand, wie dem passionierten Pfeifenraucher zu allem Überfluss auch noch der rechte Schuh wegfliegt. Ob die Eheleute Wolf seinerzeit etwa in bayerischen Gefilden Urlaub machen wollten?

Beide Zeichnungen sind nicht nur in der Tagespost″ erschienen, sondern vom Wolf′schen Karikaturendienst″ an der Wasastraße auch im Druck vertrieben worden. Dieser Dienst ist in der Osnabrücker Pressegeschichte bislang ein weißer Fleck, wobei Fritz Wolfs Förderer Achilles Markowski die Osnabrücker Klischeeanstalt″ an dieser Straße betrieb.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtexte:
Falls die Entscheidung für Berlin fällt″ (1991)
Hat schon wieder Urlaub, dieser Kapitalistenstrolch″ (1964)
Verreist bis 20. Mai″ (1965)
Autor:
Hermann Queckenstedt


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