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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Haus Tenge bleibt ein Restaurant
 
Haus Tenge soll „Restaurant für alle″ werden
Zwischenüberschrift:
Thomas Bühners ehemaliger Küchenchef Timo Fritsche übernimmt das Ruder
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Zukunft des Hauses Tenge ist geklärt: In dem historischen Gebäude, das viele Jahre das Weltklasse-Restaurant la vie″ beherbergt hat, wird im kommenden Jahr ein neues Lokal eröffnet. Hinter dem Projekt stehen die Bad Rothenfelder Familie Risken und Ex- la vie″-Küchenchef Timo Fritsche.

Jetzt ist es raus: Im Frühjahr wird im Haus Tenge in der Osnabrücker Altstadt ein neues Restaurant eröffnen. Küchenchef und Geschäftsführer ist Timo Fritsche, der zuvor die Küche von Thomas Bühner geleitet hat. Eine Neuauflage des la vie″ wird das Lokal aber nicht sein.

Osnabrück Wer heute durch die Räume des verlassenen Hauses Tenge geht, denkt kaum noch an ein Restaurant: Der Gastraum ist leer, Tische und Bänke sind abgeschraubt. Nur einzelne Theken-Elemente erinnern an das Interieur des ehemaligen Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurants la vie″. Und der Eindruck trügt nicht: Ein wahrer Tapetenwechsel steht bevor. Alles wird neu gemacht″, sagt Spitzenkoch Timo Fritsche, der mehrere Jahre lang die renommierte Küche von Thomas Bühner geleitet hat.

Zusammen mit den neuen Inhabern des Gebäudes, der Familie Heinrich W. Risken, die sich derzeit noch nicht öffentlich zu Details des Projektes äußern möchte, strickt Fritsche gerade ein komplett neues gastronomisches Konzept.

Risken in der Gastronomie-Branche ist dieser Name nicht unbekannt. Heinrich W. Risken ist Vorstandsvorsitzender der Heristo AG in Bad Rothenfelde, eines der größten deutschen Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie. Außerdem hat er in der Vergangenheit bereits das Restaurant Alte Schenke″ in Versmold betrieben.

Fest steht, dass im Haus Tenge in der Krahnstraße ein Restaurant für jeden Tag″ geplant ist. Hochwertige, frische Produkte, zubereitet mit den innovativen Gartechniken, die Timo Fritsche aus seiner langen Zeit in der Spitzengastronomie mitbringt. Wir wollen uns gastronomisch in Osnabrück absetzen, streben aber in keiner Weise so hohe Ziele an, wie sie vorher für das Gebäude typisch waren″, erklärt der Geschäftsführer des neuen Restaurants. Jeder, der Lust auf gutes Essen hat, soll sich zukünftig im Haus Tenge wohlfühlen auch in preislicher Hinsicht. Es soll ein Restaurant für alle sein, betont Fritsche.

Wie genau die Speisekarte ab dem späten Frühjahr aussehen soll, wird noch nicht verraten. Es werde aber um eine moderne, deutsche Produktküche gehen, auch mit vegetarischen und veganen Angeboten.

In den neuen Plänen sind für den Gastraum im Erdgeschoss rund 55 Plätze vorgesehen. Das sind fast doppelt so viele wie zuvor im la vie″. Die Botschaft ist eindeutig: Es wird lockerer und preisgünstiger. Timo Fritsche verspricht, dennoch eine hochwertige und frische Küche anzubieten, die jedem Spaß macht.

In der oberen Etage des historischen Gebäudes wird ein moderner Raum für Veranstaltungen aller Art entstehen. Ganz gleich, ob Geburtstagsfeiern, Firmenevents, Familienfeste oder Hochzeiten die Räume in der oberen Etage sollen vielfältig und vor allem für moderne Veranstaltungskonzepte genutzt werden, erklärt Fritsche. So seien zum Beispiel auch lockere Küchenpartys möglich, bei denen sich die Gäste ihr Essen direkt aus der Küche oder von Kochstationen abholen.

Genauso wie das Erdgeschoss wird auch die obere Etage neu gestaltet. Insgesamt ist eine hochwertige, natürliche Optik angedacht. Alle Details stehen noch nicht fest. Beispielsweise könnte auch der Stein mit einbezogen werden, aus dem das Gebäude errichtet wurde, der sich derzeit hinter Putz verbirgt. Doch solche Fragen entscheiden sich erst in den kommenden Wochen.

Bleibt noch die Frage, was aus Thomas Bühner wird. Er hat nichts mit dem neuen Restaurant zu tun, außer dass er mir freundschaftlich zur Seite steht″, betont Timo Fritsche.

Und was macht der frühere la vie″-Chef stattdessen? Ich mache das, was ich sonst auch gemacht habe″, sagt der Drei-Sterne-Koch auf Nachfrage unserer Redaktion und lacht. Im Ernst: Er sei seit Mitte Juli, als das la vie″ plötzlich und unerwartet von der Georgsmarienhütte Holding GmbH geschlossen wurde, quasi ununterbrochen unterwegs gewesen: Er habe an Gastkoch-Events teilgenommen in Asien, innerhalb Europas oder auch, wie gerade in der vergangenen Woche, in Marrakesch. Außerdem berate er Restaurant sowie kleine und größere Firmen. Ich werde jeden Tag gefragt, was ich mache″, erzählt der Spitzenkoch und zuckt mit den Schultern. Ich kann nur sagen: Macht euch keine Sorgen, mir geht′s gut! Alles, was sonst an Ideen im Raume stehe, sei weder fest noch spruchreif. Der Stadt Osnabrück werde er nach aktuellem Stand aber treu bleiben.

Bildtext:
Das Haus Tenge steht seit dem Aus für das la vie″ leer, wird aber auch künftig ein Restaurant beherbergen. Dessen Name steht noch nicht fest, wohl aber, dass es dort lockerer und preisgünstiger zugehen soll als im la vie″.
Der neue Hausherr: Timo Fritsche in der Küche des Hauses Tenge.
Foto:
Jörn Martens, Stefanie Hiekmann

Kommentar
Die Schwelle wird niedriger

Was wird aus dem Haus Tenge …? Seit das la vie″ im Juli Knall auf Fall von der Georgsmarienhütte Holding geschlossen wurde, brodelte in der Stadt die Gerüchteküche. Viele behaupteten, die Antwort von irgendwoher erfahren zu haben, doch fast alle lagen falsch. Nein, in dem denkmalgeschützten Altstadt-Gebäude eröffnet kein Modegeschäft, und es wird auch nicht zu einem Luxus-Hotel umgebaut. Und nein, es gibt auch keine Rückkehr von Thomas Bühner, der das la vie″ einfach unter einem anderen Namen neu eröffnet.

Richtig ist: Das Haus Tenge bleibt ein Restaurant. Aber drei Michelin-Sterne werden dort nicht mehr leuchten. Bühners bisheriger Küchenchef Timo Fritsche hätte zwar fraglos das Zeug dazu, seinem Lehrmeister nachzueifern und sich selbst in den Gastronomie-Olymp emporzukochen. Doch der neue Hausherr und Investor Risken haben sich für ein Restaurant für jeden Tag″ entschieden: eine feste Adresse für Osnabrücker und Touristen, die gerne gut essen gehen, aber kein Gourmettempel mit globaler Strahlkraft wie das la vie″.

Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung, hinter der unter anderem zwei Erkenntnisse stehen dürften. Erstens: Spitzengastronomie auf Weltniveau ist in Deutschland, anders als etwa in Frankreich, kaum kostendeckend zu betreiben.

Und zweitens: Die Menschen in Osnabrück lieben es zwar gediegen, legen aber auch großen Wert auf Bodenständigkeit. Die Schwelle zum Haus Tenge mit seinem dreifachen Sternenglanz, in dem zehn Jahre lang ein internationales Publikum aus- und einging, war vielen Einheimischen bislang deutlich zu hoch. Das könnte sich nun ändern. Dem sympathischen Timo Fritsche wäre es zu wünschen.
Autor:
Stefanie Hiekmann, Arne Köhler


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