User Online: 1 | Timeout: 20:02Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der verzweifelte Vater nahm sich das Leben
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine für Isaak und Wilhelm de Lange
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Die Flucht in die alte Heimat rettete ihnen nicht das Leben. Mitte der 1930er-Jahre war Familie de Lange von Osnabrück in die Niederlande gezogen. Doch bald waren Juden auch dort nicht mehr sicher.
1940 besetzten die Nationalsozialisten das Land. Im Jahr darauf fassten sie Wilhelm und Salomon de Lange bei einer Razzia und verschleppten die Brüder in ein Konzentrationslager, um sie dort zu ermorden. Ihr Vater Isaak war darüber so verzweifelt, dass er sich das Leben nahm. Am Kirchenkamp 34a erinnern jetzt Stolpersteine an Isaak und Wilhelm de Lange diese Adresse war ihre letzte in Deutschland.
Bereits 1914 war Isaak de Langes erste Frau Hulda gestorben, mit der er sechs Kinder hatte. Während seiner zweiten Ehe mit Johanna Vogel wurde sein jüngster Sohn Wilhelm geboren. Als die Nationalsozialisten sie zunehmend bedrängte, kehrte die Familie in die Niederlande zurück. Wilhelm de Lange zog 1935 im Alter von 17 Jahren nach Werkdorf Niewersluis, seine Eltern gingen 1936 nach Enschede. Ihre alte Staatsbürgerschaft hatten die de Langes nie aufgegeben. Doch der Hass auf die Juden machte keinen Halt vor den Grenzen. 1940 begannen die Nationalsozialisten in den Niederlanden mit Deportationen.
Wilhelm de Lange wurde 1941 in das Konzentrationslager Mauthausen verschleppt und dort im Oktober ermordet. Er war 22 Jahre alt. Wann sich im selben Jahr sein 70-jähriger Vater Isaak das Leben nahm, ist nicht mehr bekannt. Wohl jedoch ist überliefert, dass Familienmitglieder seinen Leichnam eines Nachts heimlich im Twente-Kanal versenkten. Denn hätten sie seinen Tod der Verwaltung gemeldet, wären die Nationalsozialisten auf die gesamte Familie aufmerksam geworden.
Gehetzt, gejagt, ermordet.″ So fasste Marianne Semnet von der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft das Schicksal der Familie de Lange zusammen. Auch Salomon de Lange wurde Opfer der Nationalsozialisten. Darüber berichten wir in der kommenden Woche.
Patin der Stolpersteine für Isaak und Wilhelm de Lange ist die Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft. Verlegt haben die Gedenksteine Schüler vom Berufsschulzentrum Westerberg: Pascal Nobbe, Dominik Strohmeier, Philipp Unverfehrt und Dennis Webering. Angeleitet wurden sie von ihrem Lehrer Rainer Knippenberg.

Bildtext:
Am Kirchenkamp lebten Vater und Sohn de Lange, ehe sie vor den Nazis in ihre Heimat flüchteten.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine
Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich bereits mehr als 480 Kommunen angeschlossen haben. In Deutschland, aber auch in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Die messingbesetzten Gedenksteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor ihren früheren Wohn- oder Wirkungsstätten. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur gerne Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von NS-Opfern entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


Anfang der Liste Ende der Liste