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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Enteignet und verschleppt
Zwischenüberschrift:
Nationalsozialisten ermordeten Karl Weiß, weil er Sinto war
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Hier hat Karl Weiß gewohnt, bis die Nationalsozialisten ihn verschleppten, um ihn schließlich zu töten. Ein Stolperstein vor dem einstigen Hauseingang an der Ecke Sandstraße/ Am Pappelgraben erinnert jetzt an ihn. Während der Verlegung berichtete sein Urenkel Hubert Weiß, was ihm von seinem Ahnen überliefert ist.
Für ihn zählte die Fülle, nicht die Hülle.″ Hubert Weiß beschrieb seinen Urgroßvater als Menschenfreund eine Eigenschaft, die für die Nationalsozialisten keine Rolle spielte. Im Lauf der 1930er-Jahre steigerten sie sich immer mehr in ihren Rassenwahn hinein. Weil Karl Weiß ein Sinto war, musste er sterben.
Während Karl Weiß die Kultur der Sinti pflegte, sprach die Gestapo Osnabrück von einer Zigeunerplage″ und davon, dass die Bevölkerung über das Verhalten Zigeunern gegenüber zu unterweisen″ sei. Das bedeutete: Die Sinti sollten zunächst diskriminiert werden. Dieser Haltung und solchen Worten folgten Taten bis zum Massenmord flankiert von einem Verwaltungsapparat.
Eine Etappe dahin war der Festsetzungsbeschluss″, den die Nationalsozialisten 1939 in Osnabrück so umsetzten: Sie sperrten die Sinti in das Barackenlager Papenhütte am Kiefernweg. Ihre Häuser enteigneten sie. Die nunmehr Gefangenen wurden zu Zwangsarbeitern. Sie mussten hungern. Und der Zutritt zu Luftschutzbunkern war ihnen verwehrt.
Von Dezember 1942 bis März 1943 wurden mehr als 50 Osnabrücker Sinti ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt unter ihnen auch kleine Kinder. Sie wurden bald darauf in den Gaskammern ermordet. Auch Karl Weiß. Er musste am 2. oder 3. Mai 1943 im Alter von 57 Jahren sterben.
Einer seiner Söhne konnte sich bei einem Bauern im Osnabrücker Land vor den Nationalsozialisten verstecken. Dessen Enkel ist Hubert Weiß, der jetzt auch Pate des Stolpersteins für seinen Urgroßvater ist.

Bildtext:
Ein Stolperstein an der Ecke Sandstraße/ Am Pappelgraben erinnert an Karl Weiß.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine

Stolpersteine das sind messingbesetzte Gedenktafeln, die im Bürgersteig vor den Wohn- und Wirkstätten der Verfolgten und Ermordeten des NS-Regimes verlegt werden: Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung zu Opfern wurden. Initiator der Aktion ist der Kölner Künstler Gunter Demnig. Seinem Projekt haben sich inzwischen mehr als 480 Kommunen in Deutschland angeschlossen, weitere in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine sind hinzugekommen.
In Osnabrück liegen bereits 97 dieser Gedenktafeln. Den Stolperstein für Karl Weiß haben Schüler des Berufsschulzentrums- Westerberg verlegt: Pascal Nobbe, Dominik Strohmeier, Philipp Unverfehrt und Dennis Webering.
Für die künftige Recherche über das Schicksal Verfolgter des NS-Regimes bittet das städtische Büro für Friedenskultur um Hinweise von Zeitzeugen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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