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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Karmänner wollen verhandeln
Zwischenüberschrift:
IG Metall darf mit Insolvenzverwalter über Lohnkürzung sprechen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. 600 gewerkschaftlich organisierte Karmänner haben gestern der IG Metall ihre Zustimmung gegeben, mit dem Insolvenzverwalter Gespräche über Lohnkürzungen zu führen. Sie erwarten im Gegenzug eine Arbeitsplatz-Garantie des Autobauers.

Es war ein guter Tag für das Team von Insolvenz-Verwalter Ottmar Hermann: Nach Informationen unserer Zeitung plant das Insolvenz-Team, die Kosten im Unternehmen um 30 Prozent zu senken, um die Traditionsfirma wieder wettbewerbsfähig zu machen. In gleichem Umfang sollten deshalb auch die Löhne der knapp 1600 Beschäftigten gesenkt werden.
Über konkrete Zahlen wurde gestern während einer IG-Metall-Versammlung in Osnabrück allerdings nicht gesprochen. Das Insolvenz-Team schilderte den Karmännern lediglich die Notwendigkeit zu Einsparungen. Die drei wichtigsten Bereiche sind Miete und Pachten, Personalkosten und Wareneinkauf.
Ja, wir verhandeln über die Zukunft des Unternehmens″, bestätigte der stellvertretende Karmann-Betriebsrats-Vorsitzende Gerhard Schrader. Die Belegschaft wolle ihren Beitrag zum Erhalt des Unternehmens leisten. Seine Kollegen hätten allerdings Angst, jetzt Zugeständnisse zu machen und dann vielleicht doch ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Unsicherheit sei immer noch vorhanden. Der Grund: Das Vertrauen in die Gesellschafter und in die alte Geschäftsführung ist zerstört″, so Schrader. Zu oft seien Zusagen nicht erfüllt worden. Deshalb falle es vielen Beschäftigten nicht leicht, neues Vertrauen in eine neue Unternehmensleitung zu setzen.
Osnabrücks IG-Metall-Chef Hartmut Riemann hatte es gestern allerdings abgelehnt, über konkrete Zahlen zu diskutieren. Dann brauchten wir nicht mehr zu verhandeln.″ Lohnkürzungen um 30 Prozent hatte Riemann aber schon am Vortag als indiskutabel abgelehnt. Informierte Kreise prognostizieren als Ergebnis der Verhandlungen eine Lohnkürzung um 15 Prozent plus x″. Nach Informationen unserer Zeitung bedeutet eine 15-prozentige Lohnkürzung innerhalb eines halben Jahres eine Einsparung von zehn Millionen Euro.

Schneller Abschluss

Die Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Gewerkschaft über einen Sanierungs-Tarifvertrag sollten schnellstmöglich aufgenommen werden und zum Abschluss kommen, erklärte ein Sprecher Hermanns. Wir werden sehr schnell Termine vereinbaren.″ Zu einem genauen Zeitplan wollte er sich allerdings nicht äußern.
Um Kosten zu sparen und dennoch Arbeitsplätze zu sichern, solle in diesen Verhandlungen neben den Lohnkosten auch über die Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld und über die Ausweitung von Kurzarbeit gesprochen werden, so der Sprecher des Insolvenzverwalters. Es ist zwingend notwendig, dass wir im Bereich Personalkosten einsparen.″ Das Ziel formulierte er so: Fortführung des Unternehmens und Beschäftigungssicherung.″

Bildtext:
Arbeitsplätze sichern ist für die Karmänner das wichtigste Ziel. Deshalb darf die IG Metall jetzt mit dem Insolvenzverwalter über Lohnkürzungen verhandeln.
Foto:
dpa

KOMMENTAR
Eine Fragebleibt

Bei Karmann wurden stets gute Autos gebaut und hohe Löhne gezahlt– zu hohe Löhne. Sie sind bei Weitem nicht die einzige Ursache des Problems. Aber sie sind ein Teil davon. Wenn es dem Insolvenz-Team nicht gelingt, auch die Lohnkosten zu senken, ist Karmann nicht konkurrenzfähig. Diese Botschaft ist gestern in der Belegschaft angekommen.
Und doch wirft sie eine Frage auf: Das Problem von Karmann waren in der Vergangenheit nicht mangelnde Gewinne, sondern fehlende Aufträge. Nie wurde bislang als Grund für die aktuelle Krise genannt, dass Karmann zu teuer sei. Vielmehr wurde das Ausbleiben von Aufträgen damit erklärt, dass die großen Autobauer wie VW und BMW dank moderner Technik keine Aufträge mehr für vergleichsweise kleine Produktionsreihen wie Cabrios an Dritte vergeben müssten sondern sie in den eigenen Hallen fertigen könnten. Ob also Lohnkürzungen und Kostensenkungen allein das Problem lösen können, ist ziemlich fraglich.
Autor:
Stefan Prinz


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