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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schikaniert und in den Tod getrieben
Zwischenüberschrift:
Gedenken an zwei jüdische Juristen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Vor der Treppe zum Landgericht erinnern zwei Messingplatten an Opfer des Nationalsozialismus. Dr. Adolf Cohen und Dr. Hugo Schulhof mussten sterben, weil sie Juden waren.
Es waren zwei Kollegen. Sie sind hier früher ein und aus gegangen genau wie ich heute.″ Das sagte Antonius Fahnemann, der Präsident des Landgerichts. Er hat sich diese Stolpersteinverlegung vor seinem Arbeitsplatz schon lange gewünscht, denn: So werden diese beiden Menschen nicht vergessen.″ Dr. Elmar Schürmann, ehemaliger Vizepräsident des Landgerichts, hat recherchiert und berichtete über das Leben der beiden Osnabrücker Juristen.
Adolf Cohen, 1897 in Hannover geboren, wurde 1916 Soldat im Ersten Weltkrieg und studierte später in Göttingen Jura. Anschließend arbeitete er als Referendar in Celle und promovierte mit dem Thema Die Haftpflicht des Kraftfahrzeughalters″. Und er heiratete Johanna Passov, die keine Jüdin war. Schließlich zog er mit seiner Frau nach Osnabrück.
Nur zwei Monate nach der Machtergreifung machten ihm die Nationalsozialisten das Leben schwer. Adolf Cohen durfte seinen Arbeitsplatz nicht mehr betreten.Auch der Status eines Frontkämpfers im Ersten Weltkrieg half ihm nicht er wurde ihm sogar abgesprochen. Elmar Schürmann berichtet von Denunziationen, die Nationalsozialisten inszenierten, um Adolf Cohen noch mehr zu schaden und die in die endgültige Entlassung aus dem Justizdienst mündeten. Nachdem er nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten durfte, eröffnete er an der Lohstraße 31 ein Büro für Rechts- und Wirtschaftsberatung.
In der Reichspogromnacht im November 1938 verhafteten ihn die Nationalsozialisten und verschleppten ihn in das Konzentrationslager Buchenwald. Zwei Monate später ließen sie ihn wieder frei, und er versuchte, Papiere für eine Emigration in die USA zu erhalten. Vergeblich. Am 23. Dezember 1939 wurde er in das KZ Sachsenhausen deportiert und dort am 15. April 1942 ermordet.
Hugo Schulhof wurde 1878 in Osnabrück geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Josef Schulhof und dessen Frau Hannchen. 1896 bestand er am Ratsgymnasium das Abitur gemeinsam mit seinem Bruder Max. In Leipzig, Berlin und Göttingen studierte er Jura und promovierte mit dem Thema Die Gewährleistung für Rechtsmängel beim Kauf ″. Während des Ersten Weltkrieges erhielt er das Eiserne Kreuz. Über seinen Beruf als Rechtsanwalt hinaus wurde er außerdem zum Notar ernannt. Sein Arbeitsplatz wurde eine Kanzlei in der Möserstraße 9b.
In den 1920er-Jahren heiratete er die Opernsängerin Vlasta Frantiska Marsalkova. Bereits vorher war Hugo Schulhof in die evangelische Kirche eingetreten. Dennoch wurde er von den Nationalsozialisten gleich nach deren Machtübernahme als Jude boykottiert und diskreditiert. Auch er durfte nicht mehr das Gericht betreten. Schließlich kam 1938 das Berufsverbot. Gleichzeitig beschlagnahmten die Nationalsozialisten sein Geld und verschleppten ihn zweimal ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Er wurde wiederentlassen, doch die Schikane ging weiter, und Hugo Schulhof erkrankte. Weil er Jude war, durften Mediziner ihn nicht behandeln. Zwei Ärzte wagten es schließlich doch, konnten jedoch nicht mehr verhindern, dass Hugo Schulhof an Herzversagen starb im November 1944. Seine Frau Vlasta lebte bis 1986 in Osnabrück.

Bildtext:
Hier sind sie ein und aus gegangen: Doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten durften die Juristen Hugo Schulhof und Adolf Cohen nicht mehr das Gericht betreten. Jetzt erinnern Stolpersteine an ihr Schicksal.
Foto:
Michael Hehmann

Kommentar
Stolpersteine in Osnabrück Zwei Stolpersteine in Osnabrück erinnern an die Juristen Adolf Cohen und Hugo Schulhof. Paten sind das Landgericht und der Anwaltsverein Osnabrück. Die Stadt beteiligt sich wie 300 weitere Kommunen in Deutschland und verschiedenen Nachbarländern an dem Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Die von ihm gestalteten messingbesetzten
Pflastersteine sind in die Gehwege vor den ehemaligen Wohn- und Wirkungsstätten der Verfolgten eingelassen. In Osnabrück liegen inzwischen mehr als 50 Stolpersteine. In der Regel verlegen Schüler des Berufsschulzentrums am Westerberg die
Stolpersteine stets nach den Vorgaben von Gunter Demnig. Gelegentlich kommt der Künstler nach Osnabrück, um selbst Hand anzulegen.
Autor:
Jann Weber


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