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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Amprion will alternative Trassen prüfen
Zwischenüberschrift:
Geplante 380-Kilovolt-Strecke: Freileitung durch Bissendorf statt Erdkabel in Voxtrup?
Artikel:
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Originaltext:
Führt der Netzbetreiber Amprion seine geplante 380-kV-Leitung doch nicht als Erdkabel an Voxtrup vorbei? Das Unternehmen will zwei alternative Trassen durch Bissendorfer Gebiet prüfen; denkbar wäre dort auch eine Freileitung. Gemeinde, Landkreis und Bürgerinitiative sind entsetzt.

OsnabrückIm jüngsten Erörterungstermin kündigte Amprion an, zwei Trassen zu prüfen, die in der öffentlichen Wahrnehmung bislang keine Rolle spielten. Bedeutet das die Abkehr von der bereits als sicher geglaubten Erdverkabelung im Osnabrücker Stadtgebiet? Eine Einordnung:

Wie war der Stand der Planungen? Fest steht, dass die 220-kV-Leitung zwischen Bad Essen-Wehrendorf und Gütersloh als eine von deutschlandweit 24 Stromleitungen zu einer 380-kV-Höchstspannungsleitung aufgerüstet werden soll. So sieht es das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) vor, ein Bundesgesetz. Die etwa 70 Kilometer lange Strecke firmiert als Vorhaben 16″. Sie soll über das Umspannwerk Lüstringen führen und 2025 den Betrieb aufnehmen. 2016 wurde das EnLAG dahingehend erweitert, dass Vorhaben 16 als Pilotprojekt für den Einsatz von Erdkabeln auf Teilabschnitten ausgewiesen wurde.

Vorhabenträger ist der Netzbetreiber Amprion. Das Unternehmen plant die Trasse in zwei Teilabschnitten: Aktuell laufen die Planungen für den südlichen Abschnitt zwischen Gütersloh und dem Umspannwerk Lüstringen, der nördliche Abschnitt dürfte 2019 behandelt werden. Für den südlichen Abschnitt laufen dabei zwei Raumordnungsverfahren; bis zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen ist das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Weser-Ems in Oldenburg zuständig.

Nach einer Prüfung der Besiedlungsgebiete und der Bodenbeschaffenheiten hatte Amprion im Frühjahr bekannt gegeben, im südlichen Abschnitt nur zwischen Lüstringen und Voxtrup ein Erdkabel zu verlegen. Die Trasse führt durch den Sandforter Berg und firmiert in den Unterlagen als Korridor 1″. Hier hätten die Mindestabstände zur Wohnbebauung bei einer Freileitung nicht eingehalten werden können.

Was ist jetzt neu? Im jüngsten, nicht öffentlichen Erörterungstermin mit Vertretern des Landkreises, der beteiligten Kommunen und der Bürgerinitiative Keine 380-kV-Freileitung am Teuto″ kündigte Amprion nun an, zwei Alternativen zu Korridor 1 prüfen zu wollen: den etwa sechs Kilometer langen Korridor 2″ zwischen Sandforter Berg und Eistruper Berg und den etwa acht Kilometer langen Korridor 3″ östlich des Eistuper Berges. Beide Korridore tauchen bereits in früheren Unterlagen auf, liegen aber teilweise außerhalb des Untersuchungsgebiets, das das Amt für regionale Landesentwicklung festgelegt hat. Sollen sie offiziell in Betracht gezogen werden, müsste das Raumordnungsverfahren also entweder ergänzt oder neu gestartet werden.

Wie argumentiert Amprion? Korridor 1 sei nach wie vor der Vorzugskorridor″ Amprions, sagt Unternehmenssprecher Michael Weber auf Nachfrage unserer Redaktion. Die etwa vier Kilometer lange Strecke stelle den direkten und möglichst geradlinigen″ Weg ins Umspannwerk Lüstringen dar, führe allerdings durch das Wasserschutzgebiet Voxtrup. Für den Fall, dass dieses ein nicht zu überwindendes Genehmigungshindernis darstellen sollte″, wolle Amprion allerdings frühzeitig Alternativen prüfen, um die spätere Planung nicht zu verzögern, sagt Weber.

Dass Korridor 1 nicht unumstritten ist, zeigt auch die Stellungnahme der Stadt Osnabrück zum Raumordnungsverfahren: Darin wird vor Eingriffen in die ökologisch hochwertigen Bereiche″ Haseaue, Sandforter Bachaue und Sandforter Berg gewarnt und eine Ausweitung des Untersuchungsgebiets auf die Korridore 2 und 3 gefordert.

Was bedeutet das für eine Erdverkabelung? Während den Voruntersuchungen zufolge in Korridor 1 nur eine Erdverkabelung infrage käme, ist für die anderen beiden Korridore völlig offen, ob die Leitung unterirdisch verlegt würde. Laut Planungsunterlagen sind beide Korridore für eine Teilerdverkabelung″ vorgesehen, eine vollständige Erdverkabelung ist also nicht zu erwarten zumal das EnLAG Erdkabel auch nur vorsieht, wenn sogenannte Auslösekriterien vorliegen. In der Regel sind dies zu geringe Abstände zur Wohnbebauung, wie sie etwa auf Korridor 1 zum Tragen gekommen wären. Welche Auslösekriterien auf den Korridoren 2 und 3 eine Teilerdverkabelung erforderlich machen würden, müsste noch geprüft werden.

Wie reagieren die Beteiligten? Der Landkreis Osnabrück halte es für planungsrechtlich bedenklich″, weitere Alternativtrassen in ein laufendes Raumordnungsverfahren einzubringen, ohne dass hinreichende Gründe vorliegen, dass die Vorzugstrasse durch den Sandforter Berg baulich nicht möglich erscheint″, teilt die Pressestelle des Landkreises auf Anfrage mit. Zudem sei die von Amprion angewandte Methodik falsch″ und führe zu unbefriedigenden Ergebnissen: Richtig wäre es, alle sogenannten Engstellen gedanklich für eine Teilerdverkabelung vorzusehen″ und nur in strikt zu begrenzenden Ausnahmen″ davon abzusehen. Amprion hingegen verfährt andersherum und behandelt die raumordnungsrechtlichen Vorgaben so, als ob diese frei disponibel wären″, kritisiert der Landkreis. Übersetzt steht dahinter der Vorwurf, Amprion suche bewusst eine Trasse, auf der möglichst wenig Erdverkabelung erforderlich sei.

Ähnlich argumentiert Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter (parteilos), dessen Gemeinde maßgeblich von Korridor 2 und 3 betroffen wäre: Was hat uns die Bundespolitik alles suggeriert, als die Trasse 16 zum Pilotprojekt für die Erdverkabelung ernannt wurde. Und jetzt? Am Ende haben wir null Zentimeter Erdkabel zwischen Osnabrück und der Landesgrenze″, moniert Halfter. Er sehe die Gefahr, dass Amprion jeden Konfliktpunkt umschiffe möglich mache dies aber erst der Gesetzgeber, der die Hürden für eine Erdverkabelung zu hoch gehängt habe.

Auch die Bürgerinitiative (BI) äußert scharfe Kritik: Das Vorgehen von Amprion sei in keinster Weise mehr nachvollziehbar″, sagt Christian Bräke, Sprecher der BI für Bissendorf. Es sei in höchstem Maße verwunderlich, dass Amprion nach einer mittlerweile fünfjährigen Planungsphase plötzlich Alternativstrecken für den Fall ins Spiel bringt, dass sich der ursprüngliche Trassenverlauf nicht realisieren lässt″. Dass damit innerhalb von wenigen Wochen einmal getätigte Aussagen wieder infrage gestellt werden, lässt an einer ehrlichen und belastbaren Kommunikation erhebliche Zweifel aufkommen″, beklagt Bräke.
Autor:
Constantin Binder


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