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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kontrollen am Nadelöhr Johannisstraße
Zwischenüberschrift:
Viele Fahrradfahrer nutzen Gehweg als Fahrradstreifen / Ärger bei Passanten und Geschäftsleuten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Nur rund zwei Meter breit ist der Bürgersteig an seinen engsten Stellen, auf dem Passanten aktuell zwischen den Läden und der Baustelle auf der Johannisstraße vorankommen. Das hält viele Radler nicht davon ab, das Nadelöhr fahrend zu durchqueren. Gestern kontrollierte die Polizei vor Ort.

OsnabrückEng ist es momentan zwischen Neumarkt und der Einmündung der Seminarstraße. Seit die Baustelle am Entree der Einkaufsstraße an beiden Seiten bis an die Bürgersteige heranreicht, herrscht nicht nur zu den Stoßzeiten dichtes Gedränge. Zum Ärger vieler Passanten und vor allem der Geschäftsleute ignorieren immer wieder Fahrradfahrer die Tatsache, dass es sich zwischen Landgerichtsgebäude und Tchibo-Filiale um einen Gehweg handelt.

Kaufleute wie Udo Exner von Brillen Lünetta oder Ottmar Sorg, Filialleiter von Foto Erhardt, haben mittlerweile nach eigenem Bekunden die Schnauze voll. Sie verschafften ihrem Ärger über die Situation zuletzt bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Wolfgang Griesert Luft.

Offenbar als direkte Reaktion auf das Gespräch zeigte gestern die Polizei Flagge: Mehrere Beamte hatten sich in den Ladenzeilen und an der Einmündung der Seminarstraße aufgestellt, um Radler darauf hinzuweisen, ihr Gefährt in der etwa 30 Meter langen Verbindung doch lieber zu schieben.

Wir wollen hier nicht die Staatskasse füllen, sondern die Menschen dafür sensibilisieren, in diesem Bereich vom Fahrrad abzusteigen″, sagte Polizeisprecher Frank Oevermann unserer Redaktion vor Ort. Zumeist beließen es die Polizisten bei Ermahnungen. Es gibt immer einen gewissen Ermessensspielraum, den die Kollegen haben. Wenn Einsicht erkennbar ist, kann man auch mal von einem Bußgeld absehen″, so Oevermann. Allerdings ging den Beamten auch ein mutmaßlicher Fahrraddieb ins Netz, der in sportlicher Manier mit einem als gestohlen gemeldeten Mountainbike über den Gehweg fuhr.

Während sich der Großteil der angehaltenen Radler einsichtig zeigte, sorgte die Kontrollaktion bei vielen Passanten für Zustimmung. Ich finde es richtig, dass kontrolliert wird. Ich gehe häufiger hier entlang und habe nicht zum ersten Mal erlebt, wie gefährlich es ist, wenn einem Fahrradfahrer entgegenkommen″, sagte eine ältere Dame, die wenige Momente zuvor fast von einem Radler touchiert wurde.

In Zukunft sind weitere stichprobenartige und auch Schwerpunktkontrollen im Baustellenbereich der Johannisstraße geplant, wie Oevermann berichtete. Anders als gestern werden die Beamten dann aber in Zivil auflaufen. Hintergrund: Durch den von weither sichtbaren Polizeiwagen war die Absteiger-Quote″ bei den Radlern relativ hoch. Udo Exner und Ottmar Sorg jedenfalls haben festgestellt, dass normalerweise weitaus mehr Fahrradfahrer die Bürgersteige nutzen als während der gestrigen Kontrolle. Dass Fahrradfahrer hier die Gesundheit der Passanten und letztlich unserer Kunden gefährden, ist unser täglich Brot″, sagte Sorg.

Den beiden Geschäftsleuten ist klar, dass die Polizei nicht jeden Tag vor Ort sein und kontrollieren kann. Die haben auch noch andere Sachen zu tun″, so Exner. Ob die Kontrolle wirklich nachhaltig ist, glaube ich nicht. Aber immerhin ist das ein kleines Signal, dass die Johannisstraße nicht völlig in Vergessenheit gerät.″

Vielleicht könne ja auch schon eine noch deutlichere Beschilderung noch mehr Radfahrer dazu ermuntern, die 30 Meter zu schieben. Ich verstehe nicht, dass man bei diesen beengten Verhältnissen nicht absteigt. Das kostet vielleicht zehn Sekunden″, sagte Exner.

Dabei sind die Radler weitaus nicht die einzige Sorge, die die Ladeninhaber umtreiben. Die Hoffnung, dass die offene Drogen- und Alkoholszene vor dem Eingang des Hotels Meyer durch den Baustellenlärm vertrieben wird, hat sich nicht erfüllt. Dazu kommt die Baustellensituation vor der Ladentür, die den Händlern das Geschäft verdirbt.

Derzeit erneuern die Stadtwerke Kanäle unter der Johannisstraße. Die Arbeiten haben kurz nach der Maiwoche begonnen und werden voraussichtlich im Frühjahr 2020 beendet sein. In zwei Etappen in diesem und im kommenden Jahr werden die Erneuerungsarbeiten der Strom-, Wasser- und Gasanschlüsse abgewickelt. Dabei verfahren die Stadtwerke in jeweils 50 Meter langen Baufeldern. Dazwischen können die Passanten die Straße queren. Anschließend kommen die Straßenbauer und beziehen die Johannisstraße mit einer strapazierfähigen Betondecke, die sich der Bodengestaltung des neuen Neumarkts anpassen soll.

Mehr aus der Johannisstraße lesen Sie im NOZ-Themenportal auf noz.de/ johannisstrasse

Bildtexte:
Die Polizei hat am Dienstag entlang der Baustelle an der Johannisstraße Fahrradfahrer kontrolliert, die auf dem beengten Gehweg nicht abgestiegen sind.
An einigen Stellen hat der Gehweg kaum eine Breite von zwei Metern.
Fotos:
David Ebener

Kommentar
Osnabrücks Probleme im Kleinen

Die momentane Situation zwischen Neumarkt und Johanniskirche erklärt ziemlich gut, warum viele Osnabrücker momentan ziemlich schlecht mit ihrer Stadt zufrieden sind.

Auf dem Bürgersteig, auf dem die Menschen in diesen Tagen zwischen Ladenzeilen und Baustellen zu balancieren versuchen, gilt ganz offensichtlich das Recht des Stärkeren. Dieser Eindruck ergibt sich zumindest den Beobachtern, die sich etwas Zeit nehmen, um das Verhalten vieler ja, explizit vieler Radfahrer zu studieren. Ohne Rücksicht auf Verluste wird der Gehweg zum Fahrradstreifen gemacht, werden Passanten im besten Fall weggeklingelt. Es grenzt mittlerweile an verdammt großes Glück, dass es noch keine ernsten Zusammenstöße gegeben hat. Hier zeigt sich wieder einmal: Offenbar hat es sich im wahrsten Sinne des Wortes eingebürgert, im Straßenverkehr die Regeln desselbigen zu ignorieren, solange man sich selber im Recht sieht. Das ist freilich kein Verhalten, das nur Radler an den Tag legen aber eben auch.

Gleichzeitig offenbart sich an der Johannisstraße das Dilemma aller Menschen, die sich in Osnabrück um die Infrastruktur Gedanken machen müssen. Wohl kaum eine Baustelle in der Stadt ist unnötig, auch nicht die in der Johannisstraße. Auch wenn es nicht sichtbar ist, bedarf das Kanalsystem einer grundlegenden Sanierung. Und die geht nun einmal nicht ohne Baustelle.

Für die Anlieger der Johannisstraße ist das kein Trost: Dass Radler rücksichtlos vor ihren Schaufenstern die Gesundheit anderer Menschen aufs Spiel setzen, ist für sie nur ein weiterer Aspekt im Kampf um die nackte Existenz.
Autor:
Sebastian Philipp


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