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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Griesert setzt auf Hybrid-Auto
 
Griesert hält an Hybrid fest
Zwischenüberschrift:
Günstige Leasingkonditionen, weniger CO2-Ausstoß / Spritverbrauch über Erwartungen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) setzt bei beruflichen Fahrten auch künftig auf ein Auto mit Hybridmotor. Der CO2-Ausstoß entspricht den Erwartungen, anders sieht es aber beim Spritverbrauch aus.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) tauscht seinen Hybrid-Dienstwagen gegen einen Diesel aus Umweltschutzgründen. Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), der es 2017 genau umgekehrt gemacht hat, will hingegen auch künftig für die Arbeit ein Auto mit Hybridmotor nutzen aus Kostengründen.

Osnabrück Verkehrswende mal anders: Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat seinen Hybrid-Dienstwagen gegen einen Diesel ausgetauscht, wie er am Mittwochabend während einer Veranstaltung in Osnabrück erzählte.

Die Reichweite des Elektroantriebs in dem von Amtsvorgänger Stefan Wenzel (Grüne) übernommenen Audi A3 Hybrid von der Deutschen Umwelthilfe noch im September 2017 als klimafreundlichster Dienstwagen bundesweit″ gerühmt habe jeweils nur für 40 bis 50 Kilometer ausgereicht. Ich fahre im Jahr aber 70000 Kilometer. Da macht es keinen Sinn, ständig eine schwere Batterie im Auto durch die Gegend zu fahren.″ Außerdem sei der Anteil des konventionell aus fossilen Brennstoffen erzeugten Stroms noch zu hoch. In der Gesamtbilanz fahre er mit dem Diesel ökologischer, erklärte Lies.

Während die rot-schwarze Landesregierung in Hannover also bei ihrer Dienstwagenflotte zusehends zum Selbstzünder zurückkehrt, setzt Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) bei beruflichen Fahrten auch künftig auf ein Auto mit Hybridmotor. Konkret auf den BMW 740e iPerformance: ein Oberklasse-Modell, mit dem er sich bereits seit Oktober 2017 von Termin zu Termin kutschieren lässt. Wie die Stadt Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, werde mit Ablauf des einjährigen Leasingvertrags im September das gleiche Fahrzeug (Listenpreis 97900 Euro; Stand März 2018) noch einmal angeschafft. Das habe der Verwaltungsausschuss am 12. Juni entschieden.

Der neue Hybrid-Siebener kann wie sein Vorgänger laut Prospekt 45 Kilometer weit rein elektrisch fahren, bevor das Auto wieder an die Steckdose muss. Auf längeren Strecken kommt ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner zum Einsatz. Zusammen mit dem Elektromotor bringt er es auf 371 PS. Dennoch soll der Wagen auf 100 Kilometer nicht mehr als 2, 5 Liter Sprit verbrauchen und höchstens 56 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer in die Luft pusten.

Aber hält die Luxuslimousine auch, was der Hersteller verspricht? Unsere Redaktion hat nachgefragt und festgestellt: Zumindest der Spritverbrauch liegt im Realbetrieb ein Vielfaches über den Herstellerangaben. Durchschnittlich 8, 1 Liter auf 100 Kilometer habe der erste BMW 740e iPerformance geschluckt, teilt Stadtsprecher Sven Jürgensen mit. Das wären auch bis zu drei Liter mehr, als sich der vor einem Jahr ausgemusterte Audi A6 Diesel genehmigt hatte. Der CO2-Ausstoß des BMW hingegen entsprach mit 50 Gramm pro Kilometer den Erwartungen schon eher.

Insgesamt sei der Dienstwagen des Oberbürgermeisters (amtliches Kennzeichen: OS-W 1648E) bis Ende August 18900 Kilometer gefahren. 40 Prozent davon innerorts, 60 Prozent außerorts und knapp ein Drittel (30 Prozent) allein mit Kraft der Batterie. Diese werde bei Bedarf auf dem Gelände der Feuerwehr Osnabrück aufgeladen, was je nach Füllstand des Akkus bis zu sechs Stunden dauere, so Jürgensen weiter. Strom lieferten die Stadtwerke Osnabrück allerdings keinen ganz sauberen: Der Ökostrom-Anteil beträgt den Angaben zufolge 30 Prozent.

Der Wagen macht seinen Job, und die Fahrer, die ihn als ihren Arbeitsplatz betrachten, sind zufrieden″, fasst der Sprecher zusammen. Und wie reagieren Bürger, Gäste oder auch die Oberhäupter anderer Städte auf das dicke Auto? Wohlwollend″, berichtet Jürgensen. Insbesondere dann, wenn sie erfahren, dass kein Mittelklassewagen preiswerter geleast werden konnte.″

Wie viel genau die Stadt Osnabrück für den Hybrid-Siebener jeden Monat an BMW überweist, bleibt offen. Zu den finanziellen Konditionen kann ich nichts sagen.″ Nur so viel: Die Leasingrate für den 740e iPerformance sei um ein Drittel geringer als damals beim Audi A6.

Bildtext:
Das Nummernschild verrät den Dienstwagen des Oberbürgermeisters: OS steht für Osnabrück, W für Wolfgang (Griesert) und 1648 für das Jahr des Westfälischen Friedens. Das E″ wiederum weist auf den Elektromotor des Hybrid-Fahrzeugs vom Typ BWW 740e iPerformance hin.
Foto:
Rainer Lahmann-Lammert

Kommentar
Sparfreude

Gut zwei Liter auf 100 Kilometer hatte der Hersteller beim 740e iPerformance versprochen. Tatsächlich braucht die Limousine nach Angaben der Stadt viermal so viel. Immerhin: Beim Kohlendioxidausstoß scheint das zweimotorige Dickschiff die Erwartungen erfüllt zu haben. 50 Gramm CO2 pro Kilometer entsprechen den Daten im Prospekt. Und bei einer Gesamtleistung von knapp 20000 Kilometern im Jahr ist die Entscheidung für ein Auto, das zumindest im Nahbereich vollelektrisch und damit emissionsfrei fahren kann, unterm Strich nicht verkehrt.

Neben Fragen des Komforts und Klimaschutzes dürften es jedoch vor allem die niedrigen Kosten gewesen sein, die den Verwaltungsausschuss ein zweites Mal davon überzeugten, dem OB ein solches Modell zur Verfügung zu stellen. Die Leasingrate ist angeblich unschlagbar günstig. Was möglicherweise ein Zeichen dafür ist, dass BMW der Hybrid-Siebener (Listenpreis um die 100000 Euro) nicht gerade aus den Händen gerissen wird. Aber das kann der Stadt ja egal sein. Sie sollte sich höchstens überlegen, wie es gelingt, die Antriebsbatterie künftig mit Ökostrom zu laden. Ein E-Motor, der zu großen Teilen Kohlestrom tankt, führt den Grundgedanken von E-Mobilität ad absurdum.
Autor:
Sebastian Stricker


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