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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schnatgang mit Hermann
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf das laischaftliche „Olle use″ in Vergangenheit und Gegenwart deutete
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Olle use″ wird es in den nächsten Tagen wieder erschallen, wenn die Heger Laischaft bei ihrem traditionellen Schnatgang die Grenzsteine ihrer gemeinen Weidegründe inspiziert. Im alten Laischaftsgebiet liegt auch die Gaststätte Olle Use″, in der der Osnabrücker Karikaturist Fritz Wolf ein gern gesehener Gast war. Der eigenwillige Mix aus alter bürgerlicher Tradition und gastlicher Lieblingskneipe hat seine künstlerische Fantasie wiederholt angeregt.

OsnabrückZufrieden hat das Osnabrücker Urgestein mit Prinz-Heinrich-Mütze, Unterhemd und kurzer Hose an seinem Gartentisch eine Flasche Bier geöffnet. Die karierte Tischdecke und die Zigarre zwischen Zeige- und Mittelfinger der linken Hand unterstreichen den Eindruck heimeliger Gemütlichkeit. Klein ist sein Häuschen, und die Notdurft wird auf dem Plumpsklo verrichtet. Ein Kaninchen und ein Huhn verstärken den Eindruck eines kleinbürgerlichen Idylls.

Nicht groß, nicht mondän, aber Olle use″ wie das Schild über der Eingangstür belegt. Die Zeichnung ist 1999 für die Grünkohlkönigsrede Fritz Wolfs entstanden, deren Witz vor allem in seinen Bildideen lag. Ich bin ein Osnabrücker!″, bekannte er sich damals offensiv zu seiner zweiten Heimat und ihren Bewohnern, deren Schrullen er liebevoll aufs Korn nahm.

Probater Anspruch

Zu solchen Schrullen gehört auch der Wunsch des gemeinen Osnabrückers, seinen Claim im Urlaub abzustecken. Mit großer Energie und kleinem Kindergerät hat der Möchtegern-Macho seine Sandburg errichtet, in deren Mitte er nun zigarrenrauchend und in cooler Brille in seinem Strandkorb residiert. Das Oberteil eines Bikinis baumelt fast schon wie eine Trophäe neben seinem Kopf, während er konzentriert die Bild″-Zeitung studiert. Dass es sich bei diesem Baumeister tatsächlich um einen Osnabrücker handelt, offenbart vor allem die Inschrift auf den Sandmauern: In großen, aus Muscheln zusammengesetzten Lettern prangt dort ein unverkennbares Olle use″.

Dieses ist nicht nur für Otto Normalbürger ein probater Anspruch: Bereits in der Serienfolge vor einer Woche war Fritz Wolfs Karikatur zum Papstbesuch 1980 zu sehen, auf der Johannes Paul II. seinen Osnabrücker Zuhörern ebenfalls ein Olle use″ entgegenrief. Die Tradition des Ausrufs scheint indes auf niemand Geringeren als Hermann den Cherusker zurückzugehen. Auf dem ersten Höhepunkt der regionalen Kalkriese-Euphorie bat Konrad Rohling seinen Skatbruder Fritz Wolf als Gründungs-Vorsitzender der Varus-Gesellschaft um einen zeichnerischen Kommentar.

Dieser ist nicht nur zu einer der treffendsten Wolf′schen Regional-Karikaturen geraten, sondern auch zu einer der bekanntesten. Die Kalkrieser holen ihren″ Hermann mit dem Trecker aus Detmold heim an den Ort seines größten Triumphes. Achtung! Hermann kommt″ prangt auf dem Schild, mit dem die eigenwillige Prozession angekündigt wird. Die Kommentare in den Sprechblasen zeugen vom lokalen Stolz auf den neuen, metallenen Mitbürger, der sich lässig auf dem Denkmalsockel präsentierend sein Schwert gegen einen Regenschirm getauscht hat. Fritz Wolfs pazifistische Ader lässt grüßen.

Während der Männergesangverein den Hymnus Wir wollen unsern alten Hermann wiederhaben″ intoniert, laben sich Zuschauer an der Verkaufsbude an Hermanns-Korn″ und Cherusker-Bratwurst″. Die Geschichte der Hermannsschlacht muss umgeschrieben werden! tönt es hinter den Hügeln des Wiehengebirges. Dies dürfte nicht nur für die Örtlichkeit der Varusschlacht gelten. Fritz Wolf in der rechten Weise zu interpretieren heißt vor allem, die Inschrift seines Schutzschildes zu beachten: Mit seinem furchterregenden Olle use″ hat Hermann offenbar auch den römischen Eindringling Varus besiegt. Im Wolf′schen Licht recht besehen, könnte der Schnatgang durchaus seinen Ursprung 9 n. Chr. haben

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtext:
Achtung! Hermann kommt″: Die Kalkrieser holen ihren″ Hermann mit dem Trecker aus Detmold heim an den Ort seines größten Triumphes.

100 Jahre Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Seine Olle use″-Zeichnung mit Papst Johannes Paul II. und deren Hintergrund wird in dem Buch Um Himmels willen, was ist los da unten? publiziert. Darüber ist für Fritz-Wolf-Freunde ein Ausblick ins neue Jahr möglich, denn der Fritz-Wolf-Kalender 2019 ist bereits jetzt im Buchhandel und an den derzeitigen Ausstellungsorten zum Preis von 18, 90 Euro erhältlich. Infos und Rückfragen zu den Projekten erteilt der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek: Telefon 0176/ 31110663 oder E-Mail post@ Fritz-Wolf.de
Autor:
Hermann Queckenstedt


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