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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das war der Hamma! 20 000 rockten auf dem Katholikentag
 
Kirchentag bringt Geld in die Stadt
 
Es geht um das Überleben der Welt
 
Ein Tag im Zeichen der Ökumene
 
Zu spät gekommen
 
Ein Star im Mönchsgewand
 
Kein Geld für jede Schule
 
Die Freiheit, neue Wege zu gehen
 
Thierse hofft auf weitere Wunder
 
FDP-Chef Westerwelle sucht Kontakt zur Kirche
 
Christen zweiter Klasse?
 
Über Hexen, Gefangene und Verhütung
 
„ Sexuelle Gewalt nicht verschweigen″
 
Die Stimme des Herrn dröhnt hohl
 
Katholikentag treibt die Wirtschaft an
 
Der Wackel-Papst ist abgesegnet
 
Friedensglocke aus einer Fliegerbombe
 
Sieben Engel beim Frühstück
 
Jakobsweg, Rom und Jerusalem
 
Waffelnbacken für den guten Zweck
 
Katholische Kirche und Medien
 
Stimmenfang: Die Besucher sind von der Organisation regelrecht begeistert
 
Über Radiowellen und Legofiguren in die Weite
 
Innehalten im Kerzenschein
 
Stadtgeschichte mal anders
 
„Bei uns gehört das Gebet zur Arbeit″
Zwischenüberschrift:
Entwicklungshilfe auf dem Prüfstand – „Begriff aus unserem Wortschatz streichen″
 
Pater Anselm Grün und die „Therapie Gottes″ gegen die Angst
 
Ministerin: Aber Angebote ausweiten
 
Bibelarbeit mit Annette Schavan
 
„Nach dem Fall der Mauer 1989″
 
Podium zur Rolle der Frau in der Kirche
 
Größte mögliche katholische Vielfalt: Die Kirchenmeile ist eine Plattform für 240 Gruppierungen
 
Opfer und Weihbischof diskutieren
 
Ben Becker liest die Bibel und meint nur sich selbst
 
Stadtmarketing rechnet mit Gesamtumsatz von 3,15 Millionen Euro
 
Begehrtes Souvenir: 15 Zentimeter Heiliger Vater
 
Zu Besuch im Privatquartier von Ilse Stonjek
 
Bayerisches Pilgerbüro bietet vor dem Bahnhof Reisen an
 
Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe im Eine-Welt-Zentrum
 
Radio Vatikan und Publik-Forum auf der Medienmeile
 
Schülerwettbewerb: Gewinner von Schavan ausgezeichnet
 
Nacht der Lichter im Alten Busdepot – Das Zeitgefühl setzt aus
 
Thematische Führungen für die Besucher des Katholikentags
 
Pastor Gereon aus Brasilien zu Besuch in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Unter ohrenbetäubendem Begrüßungsjubel ist gestern Abend die Berliner Latino-HipHop-Band Culcha Candela (Foto) auf dem Katholikentag in Osnabrück aufgetreten. 20 000 junge Leute drängten sich im Schlossgarten und vor den Leinwänden am Neuen Graben, um das Motto Osnabrück rockt für 1 Welt″ mit Leben zu füllen. Natürlich durfte der Culcha Candela-Hit Hamma! nicht fehlen. Im Vorprogramm sorgten Kuhlage & Friends und Don Abi für Stimmung. Bischof Franz-Josef Bode bedankte sich bei den Organisatoren von BDKJ und Misereor und rief den Jugendlichen zu: Dass ihr heute hier seid, ist ein Zeichen, dass junge Leute sich vernetzen für den Frieden″. Schwester Jordana sprach live das Wort zum Sonntag, das heute Abend im Ersten vor dem Eurovision Song Contest gesendet wird.
Foto:
Michael Hehmann

OSNABRÜCK. Für die Osnabrücker Wirtschaft ist der Katholikentag ein echter Segen: Das Stadtmarketing hat jetzt schon ausgerechnet, dass die Katholikentagsbesucher insgesamt 3, 15 Millionen Euro ausgeben.
Oliver Mix, Geschäftsführer der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT), hat die wirtschaftlichen Folgen des Großereignisses in Zahlen zusammen gefasst: Mix geht von 39 000 Besuchern täglich aus, davon sind 32 000 Dauerkarteninhaber und 7000 Tagesbesucher. Auf die vier Tage gerechnet, sind das zusammen156 000 Besucher.
Und auch die Hotels profitieren mit rund 4000 Übernachtungen. 4000 Gäste nächtigen in Privatquartieren. 8500 Besucher sind in Gemeinschaftsquartieren untergebracht.

OSNABRÜCK. Bevor es losgeht mit der Diskussion über Entwicklungshilfe, werden zwei Briefe vorgelesen. Gewissermaßen stellvertretend für andere Schicksale, wie sie tausendfach auf dieser Welt geschehen. Oft genug direkt vor Europas Haustür. Es sind Briefe von jungen Leuten aus Afrika und Mexiko, die die Nase voll haben von ihrem Alltag. Die ausbrechen wollen, weil sie auf ein besseres Leben hoffen in Europa, Amerika auf jeden Fall fern der Heimat. Bloß weg. Koste es, was es wolle. Und sei es das eigene Leben. Von Hitze, Durst, Angst vor Soldaten und Rebellen ist in den Briefen die Rede. Davon, dass viele, die auch fliehen wollten, es nicht geschafft haben und buchstäblich auf der Strecke geblieben sind.
Die Briefe schlagen den Bogen zum Titel der Veranstaltung, an der außer Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) auch Politologe Franz Nuscheler, Oliver Müller, der Leiter von Caritas International, Kristina Steenbock von der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch sowie der Hamburger Erzbischof Werner Thissen teilnehmen. Hilfe, uns wirdgeholfen! lautet das Thema dieses Podiums beim Katholikentag. Der Untertitel provoziert noch mehr: Schützt Entwicklungszusammenarbeit vor Armut und Migration?
Nuscheler legt sogleich den Finger in die Wunde, als er ein Zitat von Franz Kamphaus, dem früheren Bischof von Limburg, in Erinnerung ruft. Kamphaus habe einst zu Recht darauf hingewiesen, ! dass es nicht damit getan ist, die Wunden derer zu verbinden, die unter die Räuber gefallen sind, sondern auch die Strukturen der Räuberei aufzudecken″.
Es gebe noch einen zweiten Leitsatz, an dem sich die Aktivitäten von Hilfswerken orientieren müssten: Solidarität fängt zu Hause an und muss das eigene Denken verändern.″ Nuscheler warnt Hilfsorganisationen davor, sich als Verschiebebahnhöfe für Almosen″ und als Alibi staatlicher Auftraggeber″ missbrauchen zu lassen. Seine Forderung: Wir müssen den Begriff Entwicklungshilfe aus unserem Wortschatz streichen. Denn damit ist zu viel Schindluder getrieben worden.″ Die Hilfe bleibe weit hinter den gesteckten Zielen zurück.
Steenbock hält es derweil für falsch, Hilfe infrage zu stellen. Und sie weist auf den Klimawandel, dessen Folgen durch die Armut verschärft werden″. Caritas-Leiter Müller liegt zwar viel an konkreter Hilfe″. Allerdings weist er auch auf eine gravierende Fehlentwicklung hin: Wenn Hilfe nicht ausgeht von dem, was nötig wäre, sondern davon, was Helfer sich wünschen″ etwa bei tonnenweise wertlosen Medikamentenlieferungen″. Müller: Hier besteht dringender Handlungsbedarf.″
Schäuble, der als Innenminister zwar nicht für Entwicklungshilfe, wohl aber für Migration zuständig ist, gibt derweil einen Hinweis darauf, an welcher Erkenntnis es zuweilen hapert: Wir leben unter anderem davon, dass Menschen anderswo in der Welt für wenig Geld arbeiten.″ Dann spielt er den Ball geschickt zum Erzbischof: Der Katholikentag und die Religion allgemein ist als Ressource für Nachhaltigkeit und Demokratie unverzichtbar.″
Thissen nimmt den verbalen Pass dankbar auf. Was ihm am Herzen liegt? Vor allem die Korruption in den Ländern des Südens″ behindere die Entwicklungszusammenarbeit.
Sie müsse auf Gerechtigkeit fußen. Das strukturelle Unrecht im Welthandel sei nicht hinnehmbar etwa abgabefrei importierte Rohstoffe wie Kaffee und Baumwolle, auf die man aber als verarbeitete Produkte Zoll draufschlägt″.
Der Untertitel der Podiumsdiskussion passt Thissen indes gar nicht. Migration darf nicht der Gradmesser dafür sein, ob Entwicklungshilfe greift″, fordert der Erzbischof. Zugleich rückt er eine Kampagne, mit der vor rund 30 Jahren eine Fastenaktion gestartet wurde, in ein neues Licht. Damals lautete das Motto Anders leben, damit andere überleben″. Thissen: Ich halte den Spruch heute für falsch. Es muss heißen: Anders leben, damit wir alle überleben. Es kann keine Teilung der Welt mehr geben.″

Bildtext:
Mit kritischem Blick: Politologe Franz Nuscheler (links) lauscht den Worten von Innenminister Wolfgang Schäuble.
Foto:
epd

OSNABRÜCK. Ganz im Zeichen der Ökumene stand gestern der Katholikentag. Mit einem gemeinsamen Gebet auf dem Markt endete am Abend ein zentraler ökumenischer Gottesdienst, der im Dom begonnen hatte. Führende Vertreter der reformierten, lutherischen, mennonitischen, orthodoxen und katholischen Kirche in Norddeutschland stellten sich auf der Rathaustreppe auf ein Bild mit hoher Symbolkraft. Mit den Besuchern stimmten sie den Choral Nun lob′ mein Seel′ den Herren″ an, der 1648 an dieser Stelle zur Verkündigung des Westfälischen Friedens gesungen wurde. Zuvor hatte Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann in einem Gottesdienst im Dom beklagt, dass es trotz aller Verbundenheit schmerzhafte Auseinandersetzungen gebe. Katholiken und Protestanten seien Geschwister″, sagte Käßmann. Das sollte ökumenischer Ansporn sein zu erkennen, dass uns mehr verbindet als uns trennt.″

Wir Kirchis trauten unseren Augen nicht: Sahen wir doch Leute, die bedrückt, ärgerlich herumstanden, einige schimpften sogar. Kann doch nicht sein″, dachten wir, bei so viel Friede, Freude, Sonnenschein.″ Dann sahen wir, worauf die Grummler guckten. Allesamt auf Helferinnen oder Helfer in blauen T-Shirts. Und die hatten Schilder in der Hand. Halle überfüllt″ – „ Platz überfüllt″ – „ Saal überfüllt″ – „ Kirche überfüllt″. Bei Promis wie Angela Merkel oder Christian Wulff, bei Konzerten oder Kabarett und sogar bei frommen Meditationen und geistlichen Übungen. Schon wieder″, hörten wir Stimmen, dabei bin ich schon eine halbe Stunde vorher da! Zuerst mussten wir lächeln. Macht doch nix″, dachten wir, geht Eis essen oder swingt mit bei einer Open-Air-Band.″ Aber dann traf es uns selbst. Gestern, als schon eine Stunde vorher die Kirche rappelvoll war. Tja, Leute, so ist eben Osnabrück. Ein bisschen klein, aber gemütlich. Und zudem reist man doch zum Katholikentag, um mal was anderes zu erleben. Zum Beispiel: Kirche wegen Überfüllung geschlossen!

Heute
10.30 bis 18 Uhr, Kirchenmeile, Innenstadt
10.30 bis 12 Uhr, Weite im Klang″, Werke von Mussorgsky, Bizet, Borodin und Dvorˆák, Bühne am Dom
13.30 bis 16.30 Uhr, Weltkinderfest Mission possible Eine Welt ist möglich″, Bühne im Schlossgarten
17 Uhr, Vom Projekt auf den Laufsteg″, Misereor-Modenschau, Domschule, Bühne
19 bis 22.30 Uhr, Das Osnabrücker Fest der Kulturen 2008, Areal zwischen Bühne am Markt und Bühne am Dom
20 bis 22.30 Uhr, Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen Misereor wird 50!″, Bühne im Schlossgarten

Morgen
10 bis 11.30 Uhr, Hauptgottesdienst des Katholikentages mit Erzbischof Robert Zollitsch, Sportstadion Illoshöhe
Das ganze Programm
im Internet: www.katholikentag.de
Tageskarten für 22 Euro (ermäßigt 17 Euro) und Abendkarten für 12 Euro u. a. in der Tourist-Info, Bierstraße, dem Ticketshop der Neuen OZ, Große Straße, und im Kassenhaus, Neumarkt

OSNABRÜCK. Seine Vorträge und Seminare für ausgebrannte Manager sind brechend voll und bereits zwei Jahre im Voraus ausgebucht. Seine Bücher sind Bestseller und werden in 30 Sprachen übersetzt.

Ganz nebenbei führt Pater Anselm Grün die Wirtschaftsbetriebe des Klosters Münsterschwarzach mit mehr als 300 Angestellten. Kein Zweifel: Dieser Mönch gehört zu den katholischen Superstars″ und lebt trotz seiner Millioneneinnahmen wie seine Ordensbrüder. Das Geld investiert er nach eigenem Bekunden in Schulen und andere Bildungseinrichtungen.
Der eisgraue Bart wallt über die dunkle Mönchskutte, die Sandalen entsprechen dem Katholikentags-Look. Pater Grün sitzt still neben dem Altar und sammelt sich. Die Osnabrücker Herz-Jesu-Kirche ist so voll wie sonst zu Weihnachten. Zeigen Sie uns den Weg zum Glück″ hat Deutschlands größtes Boulevardblatt einmal von dem promovierten Theologen verlangt, der seit seinem 19. Lebensjahr im Kloster lebt. Auch auf dem Katholikentag sind die Erwartungen an den Macher mit Mönchsherz″ hoch.
Bitte um Ihren Impuls″ eröffnet eine Verehrerin das morgendliche Gebet. Ernst, ja gemessen tritt Pater Grün an das Mikrofon: Wer sich Erweckungserlebnisse wie bei einem Wanderprediger erhofft hat, wird enttäuscht. Dafür gibt es Lebenshilfe, Rüstzeug gegen die Angst, den inneren Antreiber, der uns versklavt″.
Von der Therapie Gottes″ ist die Rede, als der Benediktiner die Bibelstelle vom Auszug der Israeliter aus Agypten interpretiert. Stehen bleiben, still werden und vertrauen″ sei Gottes Botschaft an die vom Pharao und seinen Streitwagen bedrängten Israeliter im Alten Testament wie an die Menschen heute. Gott habe für das Stammvolk der Juden das Meer verdrängt, damit sie den ägyptischen Verfolgern entkämen. Gott geht mit uns allen durch alle Meere des Lebens″, ist die Botschaft des Mönchs. In der Urangst zu versinken, im Beruf zu versagen, den Herausforderungen in der Partnerschaft nicht gewachsen zu sein, setzt der Pater die christliche Botschaft entgegen, dass Jesus jeden Menschen bedingungslos liebe. Das mache frei und stark.
Wir brauchen solche Geschichten wie die von der Errettung des kleinen Sklavenvolks Israel. Sie sind wie ein warmer Mantel, der uns in der Kälte der Welt bedeckt″, ist der Geistliche überzeugt. Das Kreuz ist in der früheren Kirche ein Siegeszeichen gewesen. Wir haben es zu einseitig mit Leid verbunden″, macht der Benediktiner jenen Mut, die den Katholikentag als spirituelle Tankstelle nutzen und bei Sacro-Pop und Meditation die Seele auftanken wollen.
Er sei der Meister der Pflücke-den-Tag-Literatur″ und habe auf dem weiten Feld der Sinnsuche über fast alles geschrieben, um dem Alltag eine Seele zu geben, hat die Süddeutsche Zeitung″ einmal sehr treffend geschrieben. Einen Hauch davon haben gestern die Besucher des Katholikentags erlebt.

Bildtext:
Füllt Kirchen und Hallen: Anselm Grün.
Foto:
Jörn Martens

OSNABRÜCK. Niedersachsen will nicht jeder Schule ein eigenes Budget geben, damit diese Nachmittagsangebote zusammen mit Vereinen und Verbänden entwickeln können.
Das hat Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann auf einer Veranstaltung zum Thema Jugendverbände machen Schule″ klargestellt. Die Zahl der offenen Ganztagsschulen wird weiter steigen, aber das geht nur sukzessive, nicht auf einen Schlag″, sagte die CDU-Politikerin.
Nach Angaben des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat inzwischen fast ein Fünftel der allgemeinbildenden Schulen im Land ein freiwilliges Nachmittagsprogramm. Ob die Zusammenarbeit zwischen Verbänden und Schule gelingt, hängt entscheidend von der finanziellen Ausstattung ab″, betonte die Referentin für Schulkooperationen beim BDKJ Osnabrück, Helga Hettlich. Im Idealfall könne sich etwa ein erfahrener Jugendgruppenleiter einen Teil des Studiums finanzieren, indem er sich im Nachmittagsangebot einer Schule engagiert.
Auf Drängen der Vertreter von Schulen in freier Trägerschaft versprach Heister-Neumann der Frage nachzugehen, warum diese Einrichtungen bislang noch keine Lehrerstellen kapitalisieren″ können. Staatliche Schulen dürfen schon jetzt unbesetzte Stellen in Gelder umwandeln, um damit Fachkräfte etwa aus der Jugendarbeit zu gewinnen.
Viele Eltern erkennen noch gar nicht, dass die Kinder in den Ganztagsangeboten nicht bloß unter Aufsicht spielen oder basteln″, sagte Matthias Kern. Der Vorsitzende des Landeselternrates forderte deshalbSchulen und Verbände auf, noch stärker über die Ziele und Konzepte der Nachmittagsprogramme zu informieren.

OSNABRÜCK. Wer immer auf der Stelle stehen bleibt, findet nichts.″ So bringt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gestern ihr Bekenntnis zu einer wissenschaftsfreundlichen Gesellschaft auf den Punkt.
Ausgangspunkt ist das Lukasevangelium 4, 16-30: Der Prophet gilt nichts in seiner eigenen Stadt. Die Skepsis gegenüber allem Neuen, die Angst vor Veränderung sieht Schavan heute ebenso wie im biblischen Nazareth. Beharren auf verkrusteten Strukturen und Ruf nach dem Staat lösten aber weder die Probleme einer alternden Gesellschaft noch böten sie dem Raubbau an Natur und Umwelt Einhalt.
Schavan sieht in der Bibelstelle einen Appell an die geistige Freiheit, daran, neue Wege zu gehen und Ungedachtes zu denken″, wobei Freiheit nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln sei. Bildung vermittele diese Fähigkeit, und Zugang zur Bildung müsse deshalb jedem möglich sein, fordert die engagierte Katholikin.

Bildtext:
Annette Schavan

OSNABRÜCK. Der Fall der Mauer im Jahr 1989 war eines, jetzt hofft Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse auch auf weitere Wunder.
Jetzt gelte es auch auf Wunder für jene zu warten, die vielleicht noch schlimmer als wir damals in der DDR geplagt und entrechtet sind″, sagte der SPD-Politiker gestern beim Biblischen Impuls auf dem Katholikentag. Dabei verwies er auf die Be- völkerung in Tibet und auf die Konflikte in Südamerika, Simbabwe, Sudan, Afghanistan und dem Irak.
Zuvor hatte der Katholik Thierse die biblische Geschichte vom Auszug der Juden aus Ägypten behandelt. Er ging auf verschiedene Überlieferungen und Übersetzungen des Textes ein. Sein Fazit lautete, dass die heutigen Menschen sich einreihen sollen in die Reihe derjenigen, denen Gott durch die Jahrhunderte begegnet sei. Das bedeute radikale Abwendung von der Hektik, vom Selbst-tun-Wollen, von der Selbst-Erlösung″, betonte der SPD-Politiker.

Bildtext:
Wolfgang Thierse
Foto:
AP

OSNABRÜCK. Ein Rundgang über die Kirchenmeile, Gespräche mit Kirchenvertretern: So sah gestern das Programm für den FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle aus. Der Chef der Liberalen, selbst Protestant, würdigte die katholische Soziallehre: Er nannte sie eine entscheidende Richtschnur für politisches Handeln. Der Staat sollte diejenigen Menschen unterstützen, die sich selbst nicht helfen könnten, forderte Westerwelle am Rande des Katholikentages.
Zugleich betonte er die Rolle des christlichen Engagements: Nächstenliebe ist keine staatliche Dienstleistung.″
Westerwelle war zusammen unterwegs mit den Bundestagsabgeordneten Carl-Ludwig Thiele aus Osnabrück, Jörg van Essen, Werner Hoyer und Michael Goldmann aus Aschendorf er ist kirchenpolitischer Sprecher der Fraktion.
Auf der Kirchenmeile besuchte Westerwelle unter anderem Stände des Bundes der deutschen Katholischen Jugend, des Kolpingwerks und der Malteser. Der Katholikentag sei bunt, sehr vielfältig, genauso, wie ich es erwartet habe″, sagte der FDP-Chef.
Westerwelle traf bei einem Empfang der Fraktion unter anderem den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer. Zuvor hat es beim Katholikentag Empfänge der Grünen, der Unionsparteien und der SPD mit Beteiligung von Kirchenvertretern gegeben.

OSNABRÜCK. Heidi″ erklingt, gefolgt von ein paar Takten Junge, komm bald wieder″. Alles so richtig heimelig in der Stadthalle bei der katholischen Frauengemeinschaft (kfd). Aber dann eine gute Stunde später: Laute Buh-Rufe, von Gewalt gegen Frauen ist die Rede. Hat sich hier jemand gründlich unbeliebt gemacht?
Eindeutig ja. Beim kfd-Forum Finden Frauen Heimat in der Kirche? hat eine Frage aus dem Publikum den Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters nach langen theologischen wie theoretischen Diskursen zu einer klaren Aussage gedrängt: Warum verweigert die katholische Kirche Frauen immer noch die Ordination als Priester? Peters weicht nicht länger aus. Zwölf Männer suchte Jesus als Jünger aus. Es sei Jesu letzter Wille, dass ihm nur Männer folgen sollten. Lauter Protest im Saal zeigt, dass die Frauen, die zunächst als Basis der Kirche hofiert worden sind, das ganz anders sehen.
Wo sich Moderatorin und ZDF-Journalistin Bettina Schausten bisher vergeblich bemüht hat, die allgemeine Kuscheligkeit″ aufzubrechen, kommt plötzlich Unmut auf. Der Weihbischof spricht weiter von den verschiedenen Bestimmungen von Mann und Frau („ Manche Vorgaben im Leben kann man nicht umkehren″).
Vatikanisches Redeverbot″ nennt das Elisabeth Schüssler-Fiorenza, feministische Theologin von der Harvard-Universität, und stellt schließlich empört fest: Frauen sind in der Kirche Menschen zweiter Klasse.″ Petra Heilig vom Weltgebetstag der Frauen geht noch einen Schritt weiter: Eine Art Gewalt gegen Frauen″ nennt sie die Haltung der Amtskirche. Ihre Empfehlung an ihre Geschlechtsgenossinnen lautet dennoch: Hartnäckig bleiben.″ Und der Grazer Theologe Rainer Bucher empfiehlt: Ringen Sie nicht zu viel mit der Kirche. Fragen Sie, was Christus sagt.″ Klingt so Resignation?

OSNABRÜCK. Ich möchte keine Schokolade, ich will lieber einen Mann″, dröhnt es aus dem Zelt der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Geschätzte 50 Frauen, mit Liedzetteln ausgestattet, quetschen sich in das Zelt vor der Stadthalle und schmettern zusammen mit Bea Nyga and friends″ ausgelassen den bekannten Schlager und das schon um kurz vor zwölf Uhr mittags.
Wer die Kirchenmeile mit ihren Pagodenzelten auf dem Katholikentag besucht, den erwartet die größte mögliche katholische Vielfalt. Rund 240 Organisationen und Vereinigungen präsentieren sich, laden zum Gespräch ein und informieren. Aufgeteilt nach einem Dutzend Themenschwerpunkten, reicht die Palette von Berufen in der Kirche bis zur Einen Welt″.
Die Infostände der etablierten Vereinigungen wie der Caritas oder Misereor erreichen dabei genauso ihr Publikum wie die Exoten. Dazu zählt ohne Zweifel das Institut für natürliche Empfängnisregelung. Auch ein junges Paar, das aus Bad Tölz angereist ist, hat sich von Hedwig Förster beraten lassen. Wir wollten uns über Alternativen zur herkömmlichen Verhütung informieren″, so der junge Mann. Seine Freundin ist noch unentschieden und sagt: Ich lasse mir das noch mal durch den Kopf gehen.″ Währenddessen erklärt Hedwig Förster vor allem jungen Katholikentagsbesuchern, wie das Rechenspiel mit der Aufwachtemperatur funktioniert und behauptet: Die natürliche Empfängnisregelung ist genauso sicher wie die Pille.″
Am Donnerstag drängten sich die Menschen dann noch enger zwischen den weißen Zelten, als sie es ohnehin schon tun. Bundeskanzlerin Angela Merkel informierte sich beim Kolpingwerk, und verschwand dann im Zelt der Schwangerenberatung von donum vitae″. Für die Besucher hat sie nur wenig Zeit, ein kurzer Gruß hier, ein bisschen Winken dort. Ich hab sie gar nicht richtig gesehen″, bedauert dann auch Rosemarie Edelmann aus Würzburg.
Beklemmend″, beschreibt Reinhard Fidler aus Georgsmarienhütte seinen Eindruck, als er aus der Sperrholztür wieder an die Sonne tritt. Auf der Großen Domsfreiheit hat die Gefängnisseelsorge neben ihrem Infostand eine Zelle der Justizvollzugsanstalt Meppen originalgetreu nachgebaut. Sieben Quadratmeter klein ist dort der Lebensraum der Häftlinge: Bett, Tisch, Schrank, Fernseher und ein abgetrenntes WC mehr passt nicht rein. Die Schweigepflicht ist unsere Visitenkarte″, erklärt dazu Pastoralreferent Holger Schonhoff, der unter anderem im Osnabrücker Untersuchungsgefängnis tätig ist. Durch die Verpflichtung zur Verschwiegenheit gelänge es, langsam einen Kontakt aufzubauen.
Seelsorge gibt es aber auch auf der anderen Seite: Die Pfarrer Georg Ischler und Hermann Lückertz berichten an der Katharinenkirche über ihre Arbeit bei der Bundespolizei. Viele Polizisten erleben schwierige Einsätze wie einen Film, den sie am liebsten aus ihrer Erinnerung streichen würden″, so Lückertz dann stünden die Pfarrer ihnen zur Seite.
Trotz ernster Themen soll die Kirchenmeile den Gästen aus nah und fern aber vor allem eines: Spaß machen. Halleluja″ zum Mitsingen und - klatschen in der Sektion der Ordensgemeinschaften oder fetzige Bandmusik am Nikolaiort sorgen dafür. In der Großen Straße tanzen eine Frau und drei Männer mit langen Vollbärten, in grauen Gewändern und Sandalen an den Füßen, singend zu Gitarrenmusik. Die umstehenden Besucher betrachten die dauerlächelnden Tänzer augenzwinkernd und schießen ein Foto, bevor sie weitergehen. Eifrig auf den Auslöser zu drücken lohnt sich bei der Promi-Dichte sowieso: Während der SPD-Vorsitzende Kurt Beck am Donnerstagnachmittag grüßend durch die Gänge zwischen den Zelten läuft, erklärt nicht weit entfernt die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin, dass das Europaparlament das am meisten unterschätzte Parlament der Welt ist″.
Über ein heikles Thema informiert der AK Hexenprozesse. Ich habe mich gewundert, dass wir überhaupt zugelassen wurden″, sagt Hartmut Hegeler von dem Arbeitskreis. Die Arbeitsgemeinschaft fordert, dass sich die Kirche zur Mitverantwortung an den Hexenverfolgungen bekennt und in angemessener Weise der Opfer gedenkt. Auf Unterschriftenlisten können sich die Kirchenmeilenbesucher dafür starkmachen, dass die Kirche die unschuldigen Opfer rehabilitiert. Die Reaktion der Besucher sei unterschiedlich: Manche sagen, das Thema sei ja schon Jahrhunderte alt und längst abgeschlossen. Andere finden es gut, dass wir über das Thema sachlich berichten″, so Hegeler.
So vielfältig sich die katholische Kirche auf der Meile zeigt, so abwechslungsreich sind auch die Eindrücke, die die Besucher mitnehmen oft messbar an den mit Flyern, Schlüsselbändern und Broschüren prall gefüllten Rucksäcken und Jute-Taschen, die abends in die Quartiere geschleppt werden.

Bildtexte:
Sein fahrbares Beicht-Mobil″ hat Pater Hermann Josef Hubka auf der Kirchenmeile direkt am Domplatz aufgebaut.
Hinter Gittern ist es eng: Nur sieben Quadratmeter klein ist eine Gefängniszelle in der Justizvollzugsanstalt Meppen. Das wird von Seelsorgern anschaulich anhand eines originalgetreuen Nachbaus aus demonstriert.
Fotos:
Gert Westdörp

Beichte to go″
Pater Hermann Josef Hubka steht auf der Kirchenmeile direkt am Domplatz. Sein Beicht-Mobil″ trägt die Standnummer V101. Wer das Bedürfnis verspürt, kann sich dem Pfarrer aus Waghäusel bei Speyer offenbaren sozusagen Beichte to go″. Die Anonymität spielt eine Rolle″, so Hubka. Viele, die nicht bei ihrem Gemeindepfarrer beichten wollen, kämen zu ihm in den mit Vorhängen verdunkelten Bulli, in dem eine rote Kerze brennt.Auch Laufkundschaft″, also Leute, die lange nicht gebeichtet haben, suchten ihn auf.

OSNABRÜCK. Hans-Jochen Jaschke ist unter den katholischen Bischöfen der Mann für heikle Themen. Wo andere kneifen, traut sich der Hamburger Weihbischof auch dann aufs Podium, wenn er kein Heimspiel hat. So ging es ihm bei der Diskussion über sexuelle Gewalt in der Kirche vor rund 100 Zuhörern im Gemeindesaal neben der Lutherkirche. Veranstalter war die kritische Initiative Kirche von unten″ (IKvu).
Heftige Anklagen muss sich der Weihbischof von einem Opfer anhören: Norbert Denef sagt, ihm hätten als Jugendlicher ein Priester und ein Kantor im Bistum Magdeburg sexuelle Gewalt angetan. 35 Jahre habe er gebraucht, um endlich darüber sprechen zu können.
Als er 1993 die Tat öffentlich machte, hatte Denef das Gefühl, abermals zum Opfer gemach zu werden. Der Priester, der mir Gewalt antat, ist noch immer nicht verurteilt″, kritisiert er. Mehrere Selbstmordversuche hat Denef hinter sich, mein Leben ist kaputt″. Dem Papst hat er geschrieben und von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in einem offenen Brief gefordert, die Verjährung bei sexuellem Missbrauch im Zivilrecht aufzuheben.
So richtig verstanden fühlt sich Denef nicht. Verbitterung schwingt in jedem Satz mit. Eines aber ist für ihn klar: Millionen kann man mir bieten nie wieder schweige ich.″
Dass Schweigen keine Lösung ist, meinen auch die anderen Redner, etwa Ute Thessen, Bundesvorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg. Sie sagt, dass es in ihrem Verband jedes Jahr maximal ein bis zwei Fälle gibt. Dann werde ein Gruppenleiter sofort ausgeschlossen. Da sind wir wirklich rigoros.″ Die Pfadfinder bieten nach Angaben von Theisen Schulungen und Arbeitshilfen an, um sehr präventiv damit umzugehen″.
Auch für Jaschke besteht der richtige Weg darin, das Schweigen zu brechen und einen Befreiungsschlag″ zu tun. Die Kirche müsse sich besonders schämen, wenn sie schuldig werde. Im Jahr 2002 brachte die Deutsche Bischofskonferenz Leitlinien zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche heraus. Vorher war es lange ein Tabu. Das kam spät vielleicht zu spät″, räumt Jaschke ein.
Heute aber wird bei Bekanntwerden sofort gehandelt. Wir gehen offensiv damit um″, sagt Jaschke mit Bezug auf einen aktuellen Fall in Hamburg. Ein gutes Krisenmanagement″, lobt IKvu-Bundesgeschäftsführer Bernd Hans Göhrig dieses Vorgehen.

OSNABRÜCK. Als er Himmel und Erde schuf, arbeitete Gott in einer Alchemisten-Stube à la Hieronymus Bosch. Das suggeriert zumindest das Video, das hinter dem Filmorchester Babelsberg und der Zero-Tolerance-Band auf der großen Bühne im Schlossgarten zu sehen ist. Zu den Bildern wabert diffuse Musik, aber das ist nur der audiovisuelle Hintergrund für ihn, der seiner 5000-köpfigen Gemeinde gottgleich die Worte ins Bewusstsein hämmert. Ben Becker und die Bibel, eine nach Bedeutung schreiende Kombination.
Tief und langsam rezitierend, arbeitet sich der Schauspieler von der Schöpfungsgeschichte bis zur Apokalypse durch das Buch der Bücher, die Stimme geschwängert von Bedeutung und vermutlich auch von Zigarettenrauch und harten Drinks. Schwerer Samt mit goldenem Kreuz erhebt das schlichte Rednerpult zur Kanzel, von der aus Becker dem Wort Gottes einen neuen Weg bereitet.
Hier steht er also, und seine Stimme dröhnt und donnert vor tremolierendem Pathos. Manchmal mischt Becker gar ein weinerliches Beben unter, doch da schimmert dann keine Larmoyanz durch, sondern der Vater, der über die Missetaten seiner Kinder Tränen vergießt und dennoch hart strafen muss. Das sind dann auch die Momente, in denen die rechte Hand mit dem auffälligen Totenkopfring ausholt und große Kurven in die Luft zeichnet oder, passend zur Stimme, gewichtig zittert, als wäre es die züchtigende Hand Gottes.
Mit diesem Ausdrucksvokabular liest er sich durch eine Best-of-Auswahl der Bibel: Genesis und Vertreibung aus dem Paradies, Kain und Abel, Noah, Jonas im Bauch des Walfisches und im zweiten Teil Jesu Leben, alles untermalt vom Breitwandsound des Babelsberger Filmorchesters, der in seiner Belanglosigkeit nicht weiter stört, und visuell aufgepeppt durch mal mehr, meistens aber weniger eindrucksvolle Videos. Je länger sich der Abend hinzieht, desto mehr erweist sich Beckers Pathos als hohl, stellt sich die Frage, was das Ganze soll. Denn die Texte kennt auch der bibelfernste Atheist zur Genüge, und eine neue Ebene weiß Becker nicht ins Bedeutungsgefüge einzuziehen.
Stattdessen hangelt er sich an der Grenze zur Peinlichkeit entlang, wenn er Kain mit King Elvis In the Ghetto″ schickt oder im zweiten Teil den zagenden Jüngern auf dem sturmumtosten See Genezareth eine Bridge Over Troubled Water″ baut. Denn da wird deutlich, dass Becker nicht nur als Rezitator mit eingeschränkten Mitteln arbeitet, sondern auch ein mit Verlaub miserabler Sänger ist. Zudem beschleicht einen unweigerlich das Gefühl, dass es an diesem Abend nicht in erster Linie um die Bibel geht, sondern ausschließlich um ihn: um Ben Becker.

Bildtext:
Dröhnt das Wort Gottes: Ben Becker.
Foto:
Jörn Martens

OSNABRÜCK. Der Katholikentag tut nicht nur der Seele gut, sondern auch der Wirtschaft. Nach Berechnungen des Stadtmarketings geben die Katholikentagsbesucher insgesamt 3, 15 Millionen Euro aus.

Der Geschäftsführer der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT), Oliver Mix, hat die wirtschaftlichen Effekte des Großereignisses in Zahlen zusammengefasst. Er geht von 39 000 Besuchern täglich aus, davon sind 32 000 Dauerkarteninhaber und 7000 Tagesbesucher. Auf die vier Tage gerechnet, sind das zusammen 156 000 Besucher.
Die Hotels verbuchen rund 4000 Übernachtungen. 4000 Gäste nächtigen in Privatquartieren. 8500 Besucher sind in Gemeinschaftsquartieren untergebracht, und etwa 2000 gelten als Sofagäste″, die bei Freunden oder Verwandten unterschlüpfen. Bei vier Nächten macht das zusammen 62 000 Übernachtungen.
Wie viel Geld gibt ein Besucher aus? Eine Studie über den Wirtschaftsfaktor Tourismus in Osnabrück″ von 2006 nennt als Durchschnittswert für einen Hotelgast 106 Euro. Besucher in Privatquartieren geben nach Schätzungen der OMT etwa 60 Euro aus. Die jugendlichen Gemeinschaftsschläfer werden auf 30 Euro pro Nase taxiert. Tagesbesucher, die nicht über Nacht bleiben, lassen im Schnitt 28 Euro in der Stadt. Daraus ergibt sich der geschätzte Gesamtumsatz (abzüglich Mehrwertsteuer) von 3, 15 Millionen Euro.
Interessant ist die Frage, wie viel vom Umsatz in der Stadt bleibt. Es sind nach Berechnungen der OMT 1, 78 Millionen Euro, die in Form von Gewinnen oder Einkommen den Osnabrückern zufließen. Direkt profitieren alle, die im Tourismus tätig sind, indirekt der Handel, Taxifahrer, Busunternehmen oder die Gaststätten. Fachleute nennen das die Wertschöpfung.
Viel größer noch als der finanzielle Effekt sei der Imagegewinn für Osnabrück, sagt Mix. Der Katholikentag sei eine unbezahlbare, großartige Werbung″ für die Stadt, die sich von der besten Seite gezeigt habe.

OSNABRÜCK. Wo ist denn der Papst? Mit dieser Frage kommen täglich Besucher des Katholikentages zu L′Artiste″ in der Hakenstraße. Da steht der Heilige Vater: Zwar nur 15 Zentimeter groß und aus Kunststoff, dafür aber winkt er den Gläubigen mit dem rechten Arm freundlich zu.
Der Wackelpapst ist ein begehrtes Souvenir und dazu noch von der Deutschen Bischofskonferenz abgesegnet, berichtet Matthias Bartels, Chef des Fachgeschäftes für Geschenke und Artistenbedarf. 1 Euro vom Verkauf fließt einem karitativen Zweck zu. Der in Bayern hergestellte und handbemalte Papst kann mit einem Saugnapf an der Windschutzscheibe befestigt werden. So wird aus jedem Privatwagen ein Papamobil.
Marleen Awe, Swantje Moritz und Miriam Völkert quietschten vor Vergnügen, als sie gestern PapaBene″ in der Hand hielten. Die Schülerinnen aus Wilhelmshaven waren Tagesgäste in Osnabrück.
Den heiligen Wackelvater hat Bartels ebenso wie Frühstücksbrettchen mit christlichen Motiven eigens für den Katholikentag in sein Programm aufgenommen. Dazu auch noch die Kippkarte mit zwei Bildern von Papst Benedikt. Wer einen Gruß aus Osnabrück verschickt, greift lieber zum Papst- als zum Stadtmotiv, erzählt Bartels.
Als Alternative zum Katholikentagsteller, den etliche Restaurants in der Stadt servieren, bieten die Reformhäuser an der Krahnstraße und an der Johannisstraße die Katholikentags-Provianttüte. Sie enthält ein Getränk, wahlweise Wasser oder Fruchtsaft, einen Schokoladenkeks oder eine Fruchtschnitte und einen biologischen Apfel. Die Resonanz sei aber nicht so groß wie erwartet, sagt Anna Witollen vom Reformhaus an der Krahnstraße. Es muss nicht immer biologisch-dynamisch sein. Davon zeugen die langen Schlangen der Katholikentagsbesucher vor den Bratwurstständen.
Gesund wiederum ist der Katholikenpott an der Brörmann-Vitaminbar in der Markthalle: ein frisch gepresster Trunk aus Honig-, Wasser-, Galia- und Futuromelone plus Apfel. Bei steigenden Temperaturen läuft allerdings der Smoothie″ der Katholikentagskreation den Rang ab: eisgekühlte, pürierte Erdbeeren.

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Das gibt′s doch nicht: Miriam Völkert, Swantje Moritz und Marleen Awe aus Wilhelmshaven hatten gestern ihren Spaß mit dem Heiligen Vater im Kleinformat, der den Gläubigen freundlich zuwinkt.
Fotos:
Jörn Martens

KOMMENTAR
Einzigartige Stimmung

Wer schon länger in Osnabrück zu Hause ist, hat in diesen Tagen nur ein Wort auf den Lippen: unglaublich. Wohl kaum jemand hat damit gerechnet, dass der Katholikentag die Stadt für fünf Tage so positiv verwandeln würde allenfalls die Organisatoren, die das, was sich jetzt in Osnabrück abspielt, schon aus Mainz, Ulm und Saarbrücken kennen. Sie haben nicht zu viel versprochen.
Osnabrück zeigt sich derzeit von seiner schönsten Seite. Die Stimmung könnte fröhlicher und entspannter nicht sein. Blaue Banner vor meist strahlend blauem Himmel, lauter lachende und zufriedene Gesichter, Jugendliche, die mitmischen und anpacken, tiefgreifende Diskussionen über unsere Zukunft, die große Hilfsbereitschaft im Kleinen und der euphorische Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer: Nicht nur die 40 000 auswärtigen Gäste werden die Stadt in bester Erinnerung behalten.
Auch mit Blick auf die tollen Fernsehbilder ist das eine Werbung für Osnabrück, die unbezahlbar ist. Die öffentlichen Zuschüsse jedenfalls sind vor diesem Hintergrund gut angelegt.
Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Ein solches Fest wie den morgen zu Ende gehenden Katholikentag werden wir in Osnabrück so schnell nicht noch einmal erleben. Es sei denn, in ein paar Jahren kommt der Evangelische Kirchentag auch nach Osnabrück. Das würde zur ökumenischen Tradition der Friedensstadt passen.

Schwerter zu Pflugscharen und Fliegerbomben werden zu Friedensglocken: Aus der leeren Hülle einer englischen Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entstand gestern im Jugendzentrum am Herrenteichswall eine Glocke, die künftig im Haus Maria Frieden zu Einkehr und Frieden mahnen soll. Jugendseelsorger Johannes Wübbe hatte die Idee, und viele Jugendliche machten begeistert mit. Sprengmeister vom niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst stellten der leeren Korpus einer englischen Fünf-Zentner-Brandbombe zur Verfügung. Zunächst musste Jens Hawighorst mit der Flex ran: Er trennte den Boden ab. Dann wurde die Stahlglocke entrostet, gereinigt und gestimmt″. Andere Jugendliche entwarfen derweil den Text für ein Friedensgebet, das künftig mit dieser Glocke im Bildungshaus Maria Frieden in Rulle verbunden sein soll, oder sie schraubten den Glockenstuhl aus Holzbalken zusammen. Zunächst aber wird die Osnabrücker Friedensglocke beim morgigen Abschlussgottesdienst erstmals zum Kyrie angeschlagen.
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Gert Westdörp


OSNABRÜCK. Frühstück bei Ilse Stonjek am Knappsbrink. Während des Katholikentages ist es eng in ihrem Esszimmer, denn sie ist Gastgeberin für bis zu fünf Frauen.

Ilse Stonjek, ehemalige Studiendirektorin des Gymnasiums Oesede, hat sich für die Kampagne Engel sucht Herberge″ mächtig ins Zeug gelegt. Jetzt genießt sie den Trubel im Haus. Bei mir ist das hier ein Quartier mit Selbstbedienung und ich werde jetzt verwöhnt.″ Das heißt: Alle versorgen sich selbst und nebenbei ihre Gastgeberin gleich mit. Eine der Kirchentags-Besucherinnen kommt aus Tschechien: Helena Faberova aus Budweis kennt ihre Gastgeberin seit vielen Jahren und erinnert sich an die Zeit vor der Wende, als es in ihrer Heimat verboten war, sich für die Kirche zu engagieren: Wir waren im Untergrund, und es gab Geheimtreffen.″
Dr. Gerburg Thunig-Nittner wohnt in Berlin. Sie ist ehemalige Ministerialbeamtin. Unter anderem hat sie im Bundeskanzleramt gearbeitet in der Zeit von Kiesinger bis Kohl. Heute ist sie Mitglied des Zentralkomitees der Katholischen Kirche. Jetzt sitzt sie bei ihrer Freundin Ilse am Frühstückstisch. Brigitte Schmidegger aus Freiburg lobt die freundlichen und hilfsbereiten Osnabrücker. Sogar das Katholikentagswetter haben sie gut organisiert.″
Was diese Frauen verbindet, ist über ihre Freundschaft hinaus die Mitgliedschaft in der Ackermann-Gemeinde, die sich für die Aussöhnung zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken engagiert. Benannt ist der Verband nach dem Werk der spätmittelalterlichen Dichtung Ackermann aus Böhmen″ von Johannes von Tepl. An einem Stand an der Johanniskirche informieren sie über die Arbeit der Ackermann-Gemeinde.
Drei junge Damen leben über längere Zeit bei Ilse Stonjek: Andrea Machanova aus Tschechien studiert in Osnabrück Psychologie, Katarina Kubovska aus der Slowakei besucht das Carolinum und will dort ihr Abitur machen, Anna Regnerova aus Tschechien ist für ein Jahr zu Gast an der Angelaschule. Sie besucht pro Tag drei Veranstaltungen vor allem zu Jugendthemen und zur Mission im Ausland, während die Damen von der Ackermann-Gemeinde vor allem das Thema zusammenwachsendes Europa″ fesselt.
Ob Katholikentag oder nicht, Ilse Stonjek hat oft ein offenes Haus″, wie sie sagt. Bis zu zwölf Menschen waren hier schon gleichzeitig zu Gast, die ihrerseits auch noch Besucher eingeladen haben.″ Und sie ist immer wieder auf der Suche nach Familien, die Gäste aus Tschechien und der Slowakei aufnehmen.

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Die Herberge der Engel: (von links) Gastgeberin Ilse Stonjek, Hedwig Feren, Gerborg Thunig-Nittner, Helena Faberova, Andrea Machanova, Katharina Kobovska und Brigitte Schmidegger.
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Uwe Lewandowski

OSNABRÜCK. Pilgern liegt im Trend und das nicht erst seit Hape Kerkelings Pilgerbuch. Seit 84 Jahren organisiert der Verein Bayerisches Pilgerbüro Reisen für Wallfahrer. Vor dem Bahnhof stellt das Pilgerbüro seine Reisen für dieses Jahr vor.
Gemeinsam mit der Fränkischen St.-Jakobus-Gesellschaft Würzburg verwandelt das bayerische Pilgerbüro den Stand B 112 in ein kleines Reisebüro. Die Besucher des Katholikentages können sich bei den Mitarbeiterinnen unter anderem über die verschiedenen Pilgerfahrten informieren. Was 1925 mit der Organisation einer Reise nach Rom anlässlich des Heiligen Jahres für bayerische Bürger begann, ist mittlerweile zu einem großen Reiseunternehmen geworden.
Das Pilgerbüro bietet auch Studien- und Wanderreisen, sowie Kreuzfahrten und Reisen zu spirituell bedeutenden Orten an. Im vergangenen Jahr wurden 300 Fahrten veranstaltet. Besonders gefragt sind die Reisen auf dem Jakobsweg. Dazu bietet das Pilgerbüro einen Sonderkatalog an.

Die Kirchenmeile ist heute von 10.30 bis 18 Uhr geöffnet. Insgesamt präsentieren sich 240 Organisationen.

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Mit Prospekten, Katalogen und Pilgerbüchern informiert das Bayerische Pilgerbüro am Bahnhof über seine Angebote.

OSNABRÜCK. Mit Waffeln die Aufmerksamkeit auf Lepra und Tuberkulose lenken: Auf dem Katholikentag will die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) Stadt und Landkreis Osnabrück im Eine-Welt-Zentrum (E605) vor der St.-Johann-Kirche auf zwei fast vergessene Krankheiten hinweisen. Seit Donnerstag backen die freiwilligen Helferinnen und Helfer deshalb ununterbrochen Waffeln. Der Erlös des Verkaufs kommt den Partnerschaftsprojekten in Indien zugute.
Ernst Kolbe (67) engagiert sich schon seit seiner Jugend beim DAHW. Er erfährt in seiner Arbeit immer wieder, dass die jungen Leute fast nichts mehr über die Krankheit wissen. Deshalb will die Organisation möglichst viele Besucher ansprechen. Die Waffeln locken alle Altersgruppen an. So kommt man ganz leicht ins Gespräch″, sagte Kolbe. Mit Collagen wird den Besuchern zudem ein optischer Eindruck von den Krankheiten vermittelt.
Neben dem DAHW präsentieren sich im Eine-Welt-Zentrum zahlreiche weitere Gruppen und Vereine, die sich für Menschen in aller Welt einsetzen. So zum Beispiel Renovabis, missio und pax christi Deutschland.

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Der Duft der frisch gebackenen Waffeln lockt zahlreiche Besucher an den Stand des DAHW vor St. Johann.

OSNABRÜCK. Da wird ja eh nur gebetet.″ oder Da wird doch alles auf Latein gesprochen.″ Diese Vorurteile gegenüber Radio Vatikan hört Alfons Isermann seit 25 Jahren. So lange engagiert er sich ehrenamtlich für die Öffentlichkeitsarbeit von Radio Vatikan Deutschland. Während des Katholikentages ist er zusammen mit seinen Kollegen auf dem Vorplatz der Stadthalle, der Medienmeile zu finden. An Stand M111 will der vom Papst finanzierte Radiosender die Besucher über das Hörfunkprogramm, das täglich in 58 Sprachen gesendet wird, informieren. Zu dem Deutschen Programmteil gehört das Jugendmagazin, das abwechselnd mit anderen Sendungen donnerstags um 20.20 Uhr gesendet wird. Die Musik gefällt einigen beim Sender natürlich gar nicht″, sagt Alfons Isermann. Aber gerade diese Sendung würde zeigen, dass auch Radio Vatikan durchaus kritische Beiträge sendet. Für kritische Beiträge bekannt ist die Zeitung kritischer Christen Publik-Forum. Auf der Medienmeile (M115) möchte sich die kirchenunabhängige Zeitung ihren Lesern live präsentieren und neue Leser werben. Die Neue OZ ist an Stand M113 vor der Stadthalle zu finden.

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Ein Showstudio vermittelt den Besuchern einen Eindruck davon, wie bei Radio Vatikan gearbeitet wird.
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Jörn Martens

OSNABRÜCK. Gemeinschaftsquartiere mussten eingerichtet, Workshops vorbereitet, Podien gestaltet werden: Etwa zwei Jahre lang haben die Mitarbeiter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und des Bistums Osnabrück und viele Freiwillige den Katholikentag vorbereitet.
Wie beurteilen Besucher und Helfer die Organisation der Kirchenveranstaltung? Mit dieser Frage sind wir gestern im Gemeinschaftsquartier in der Johannisschule und im Jugendzentrum auf Stimmenfang gegangen. Die Menschen zeigen sich beeindruckt von der Vorbereitung. Nur auf überfüllte Züge und Veranstaltungsräume könnten sie verzichten.

Gertraud Becking (43) aus Rottenburg ist begeistert: Ihre Familie wurde bei der Ankunft in der Johannisschule mit Kuchen begrüßt. Außerdem findet sie die Beschilderung in der Innenstadt sehr hilfreich bei der Wegsuche.

Tobias Lambers (15) aus Harsewinkel genießt das umfangreiche Frühstück und die Versorgung in der Johannisschule. Er hat den Eindruck, dass jeder Helfer weiß, was er zu tun hat und worauf es bei seinem Job ankommt.

Karina Geesken (16) aus Börger im Emsland kontrolliert als Helferin Ausweise an den Veranstaltungseingängen. Jeden Tag gibt es eine Teambesprechung und außerdem ein Mittagessen für die Helfer, erzählt sie.
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Elvira Parton

Beate Schrempel (51) aus Lotte trifft überall auf freundliche Menschen. Schade findet sie, dass das Schlusslied der Fronleichnamsprozession schon gesungen wurde, als sie mit ihrer Gruppe den Zielpunkt erreichte.

Thomas Schulke (41) aus Melle ist im überfüllten Zug angereist. Dann lief es aber wie am Schnürchen: Die Helfer wiesen seine Familie direkt auf den richtigen Bus hin. Die Menschenmasse verteile sich gut in der Stadt, so Schulke.

Ulrich Jochmaring (22) aus Brakel bei Paderborn findet es super, dass die gesamte Innenstadt für den Katholikentag genutzt wird und die Angebote dadurch miteinander verbunden sind. Überall seien tolle Veranstaltungen.

OSNABRÜCK. Ein Flaschenpost-Mobile, ein Film mit Legofiguren, ein Hörfunkbeitrag und vieles mehr: 3600 Schüler aus dem Bistum Osnabrück haben sich am Wettbewerb zum Thema Du führst uns hinaus ins Weite″ beteiligt und sich dabei einiges einfallen lassen.
Gestern überreichten Bischof Franz-Josef Bode und Bundesbildungsministerin Annette Schavan den Gewinnern die Urkunden und ein besonderes Geschenk: Alle Preisträger konnten die begehrte Katholikentags-Tasche entgegennehmen. Das Bistum Osnabrück hatte die Jugendlichen zuvor eingeladen, das Leitwort künstlerisch umzusetzen. 156 Beiträge hatten die Schulen zwischen Norden und Osnabrück eingereicht.
Bischof Bode zeigte sich beeindruckt von der Tiefe, mit der ihr euch auf das Thema eingelassen habt″. Bildungsministerin Schavan wünschte den Schülern viele Tage, an denen ihr sagen könnt: Du führst mich hinaus ins Weite″. Insgesamt 16 Projekte wurden bei der Preisverleihung prämiert, darunter fünf von Osnabrücker Schulen.
Die Nachwuchskünstler haben auf vielfältige künstlerische Formen zurückgegriffen: Die Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums produzierten mit Legofiguren einen Animationsfilm. Die Klasse 9c der Ursulaschule begleitete mit einem Hörfunkbeitrag die Vorbereitungen zum Katholikentag. Die Theater-AG der Thomas-Morus-Schule beschäftigte sich in einem Musical mit dem Bibelvers.
Das Technische Gymnasium griff den Begriff Weite″ auf und setzte sich damit auseinander: So entstand etwa eine Spiegelinstallation. Die Hauptschule Innenstadt nutzte derweil einen Bunker direkt neben dem Schulgebäude für ihr Installationsprojekt Wege″: Die Wegsuche wurde als gemeinsame Thematik der multireligiösen Schülerschaft umgesetzt. Das Projekt ist für die Öffentlichkeit zugänglich.
Alle anderen Beiträge des Schülerwettbewerbs sind während des Katholikentags in der Domschule zu bestaunen.

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Mit dem Projekt Wege″ die Jury überzeugt: Bildungsministerin Annette Schavan und Bischof Bode gratulieren den Schülern der Osnabrücker Hauptschule Innenstadt.
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Gert Westdörp

OSNABRÜCK. Singen, schweigen, Kerzen anzünden. Das klingt erst mal recht unspektakulär. Was also macht die Faszination der Taizénächte aus, von denen vor allem Jugendliche mit leuchtenden Augen berichten? Zu erleben war das am Donnerstagabend im Alten Busdepot an der Lotter Straße.

Schon um halb neun ist das Depot überfüllt. In der Halle sitzen Menschen dicht an dicht, Fuß an Rücken auf dem Betonboden. Kein Fleckchen ist zwischen ihnen frei. Für ein bisschen Bequemlichkeit haben sie sich ihre Jacken unter den Po geschoben. Vor den beiden großen Eingängen bietet sich das gleiche Bild und immer mehr Gäste strömen heran. Von 4000 Teilnehmern sprechen die Veranstalter später. Fast alle erhalten am Eingang eine Kerze.
Über der Szene schweben die Klänge einer Querflöte. Sie kommen von einer Musikgruppe, die mit dem Chor links neben der Bühne platziert ist. Die Bühne selbst leuchtet in Orange. Geschmückt ist sie mit Tüchern, Blumen und einem Meer aus Kerzen. Bilder von Maria und Jesus unterstützen die spirituelle Atmosphäre.
Vor der Bühne halten Helfer Schilder hoch: Silencio, Silence, Stille″ steht darauf doch kaum jemand hält sich daran. In die besinnlichen Klänge der Flöte mischt sich fröhliches Brabbeln.
Dann plötzlich: Stille. Bruder Georg und Bruder Han-Yol aus Taizé, dem bekannten Männerorden in der französischen Bourgogne, schreiten weiß gewandet durch den Raum und nehmen auf ihren Bethockern vor der Bühne Platz. Den Rücken zum Publikum, beginnen sie, unterstützt vom Chor, mit ihren Gesängen. Laudate omnes gentes lobt den Herrn alle Völker″. Immer wieder, die gleiche Melodie, der gleiche Text. Wo in Gottesdiensten sonst nur vorsichtige Stimmen zu hören sind, hier singen die Menschen mit hörbarer Freude. Ein Lied folgt dem anderen. Dazwischen immer wieder Stille, in der viele beten.
Gläubig hin oder her: Das Schweigen in der Halle zeigt Folgen. Die Gedanken an den Stress des Tages, an die vielen Menschen drumherum werden kleiner, bis sie ganz verschwinden. Das Vergnügen zu singen hingegen wächst. Und das Zeitgefühl setzt aus. Irgendwann entzünden die beiden Taizébrüder eine Kerze, geben das Licht erst an einen kleinen Jungen und dann an andere Umsitzende weiter.
Später sprechen die beiden von ihrer Arbeit in Taizé, wie sie anderen helfen, ein inneres Leben zu führen. Es sind Worte, die berühren und ebenso nachklingen wie die Atmosphäre, die den Gast als vergnügte Stille bis in den Schlaf begleitet.

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In der Stille viele Lichter: Im Alten Busdepot feierten 4000 Gäste die Nacht der Lichter mit Brüdern aus Taizé. Mit dabei war auch dieser Junge.
Foto:
Egmont Seiler

OSNABRÜCK. Auf der kleinen Wiese vor der Katholischen Familienbildungsstätte tummeln sich etwa 100 Menschen. Carsten Lehmann und Renate Frankenberg versuchen Ordnung ins Gewirr zu bringen. Unter dem Titel Osnabrück und seine jüdische Vergangenheit″ wollen die beiden Zeitseeing-Mitarbeiter Besuchern des Katholikentags die Stadt zeigen.
In zwei Gruppen geht es schließlich los. Mit großen Schritten durchmisst Lehmann den Weg von der Seminarstraße bis zur Katharinenkirche. Auf der Höhe der Gaststätte Grüner Jäger″ muss im 14. Jahrhundert die erste Synagoge der Stadt gestanden haben.
1350 brach die Pest in Osnabrück aus: Die Juden wurden dafür verantwortlich gemacht″, sagt Lehmann. Sie sollen das Wasser vergiftet haben. Während der folgenden Pogrome wurden die Osnabrücker Juden getötet. Als Bischof Johann von Hoet ein paar Jahre später darum bat, wieder Juden aufzunehmen, wurde dies acht Familien genehmigt. Allerdings unter harten Auflagen: Um zuziehen zu dürfen, mussten sie 100 Mark zahlen, und es wurde streng darauf geachtet, dass es bei den maximal acht Familien blieb. Die Folge: Nach 1426 wohnte kein Jude mehr hier.″ Dies blieb bis ins 19. Jahrhundert so.
Das Judentum ist die Basis des Katholizismus″, sagt Manfred Lotz auf die Frage, warum er an der Führung teilnimmt. Nach Osnabrück ist der Fußballfan aus Offenbach aus zwei Gründen gekommen. Zum einen sei da sein Glaube, und zum anderen wollte ich eine Woche nach dem Desaster hier für unseren Aufstieg beten″.
Maria von Wahlde interessiert sich für das Verhältnis zwischen Juden und Christen. Ich hab mir auch schon das Nussbaum-Haus angesehen″, sagt die Religionslehrerin. Ein Höhepunkt ist für sie die christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier gewesen: Es war ergreifend, als sich Rabbiner Brandt und Erzbischof Zollitsch umarmt haben″, erzählt sie begeistert.
Weiter geht es zur Polizei am Wall, zum Mahnmal im Katharinenviertel, zum Rathaus und zum Dom. Lehmann lässt Geschichte vom 14. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts aufleben. Den Holocaust streift er nur kurz: Das wäre ein Thema für eine eigene Führung.″ Eine andere Führung richtete den Blick auf aktuelle Fragen: Um die weltweite Vernetzung des Alltags ging es in der globalisierten Stadtführung. Sie zeigte auf, woher unsere Schuhe, unser Kaffee oder unsere Hosen kommen und unter welch schlechten Bedingungen Arbeiter in anderen Ländern diese Produkte herstellen. Wer zu fair Gehandeltem greift, tut etwas gegen diese Ausbeutung. Veranstalter waren Attac, die Amnesty-Hochschulgruppe der Universität Osnabrück und das Aktionszentrum 3.
Welt.

Eine weitere Führung
beginnt heute um 14 Uhr. Schauspieler stellen Osnabrück vor. Los geht′s am Milchpavillon der Domschule, Herrenteichswall 2.

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Auch die Katharinenkirche war eine der Stationen der jüdischen Stadtführung. Carsten Lehmann (links) informierte Besucher des Katholikentages über die Vergangenheit Osnabrücks.
Foto:
Michael Hehmann

OSNABRÜCK. Er ist hier schon so etwas wie ein Star. Sogar Autogramme musste Pastor Gerhard Gereon nach dem gestrigen Mittagsgebet in der Johanniskirche an eine Gruppe Jugendlicher aus Essen verteilen. Auch der Vortrag des Padre Geraldo″ zum Thema Mystik Politik ganzheitliche Entwicklung. Leben an der Seite der Armen in Nord-Ost-Brasilien″ war so gut besucht, dass einige Katholikentagsgäste wieder weggeschickt werden mussten.

45 Jahre ist es nun her, dass Gerhard Gereon in Osnabrück zum Priester geweiht wurde. Nur drei Jahre später beendete er seine Tätigkeit als Vikar in St. Joseph. Im Nordosten Brasiliens, in Simplicio Mendes, wollte er fortan den Bauern dieser ärmlichen Gegend neue Lebensperspektiven geben. Und das auf seine eigene, nämlich mystische Weise: Die Bemühung um Arme wird leider oft zu einem technisch-bürokratischen System″, so sagt er.
Doch ohne Mystik komme man den Menschen nicht nahe. Bei einer Entwicklungshilfe ohne pädagogische Begleitung fehle es den Armen in dieser öden, von langen Dürreperioden gezeichneten Landschaft an Motiven für ihr Tun. Bei uns gehört zu der Arbeit immer das Gebet und das aufgeschlagene Evangelium″, so Gereon.
Der Aufbau einer mystischen Beziehung zu den Menschen erfordert allerdings Geduld: Mystik ist kein Computerprogramm, das man einfach anklicken kann, und lässt sich nicht in ein, zwei Worten erläutern.″ Um die Armen kennen- und besser verstehen zu lernen, legt der Pastor daher großen Wert auf Gemeinschaftssinn: Es reicht nicht aus, für die Armen zu arbeiten, man muss lernen, mit ihnen zu arbeiten. So lange das auch dauern mag.″
Und genau das tut Gereon denn auch. Gemeinsam mit den brasilianischen Landwirten plant und baut er Zisternen, organisiert eine Imkergenossenschaft, zu der mehr als 1000 Familien gehören, und betreibt eine gemeinschaftliche Ziegenzucht. Pastor Gereon ist nicht nur Priester. Er ist auch Baumeister, Landwirt und Tröster″, schwärmt Elisabeth Hake vom Aktionskreis Gereon Osnabrück″.
Ein reger Briefwechsel hält die zwölf Mitglieder aus Gereons ehemaliger Heimatgemeinde über die Arbeiten des Pastors in Brasilien auf dem Laufenden. Wir sammeln hier vor Ort Spenden und leiten diese ohne jeden Abzug weiter″, erklärt Hake. Ein persönliches Treffen zwischen dem Aktionskreis und dem Pastor fand zuletzt vor drei Jahren anlässlich des Weltjugendtags statt.
Aber nicht nur in Osnabrück ist der hagere Mann mit der schwarzen Hornbrille eine Autorität. Auch in Brasilien sind die Politiker bereits auf seinen Einfluss auf die Bevölkerung aufmerksam geworden, wie Gereon in seinem Vortrag berichtet: Den Politikern, die mit mir das Gespräch suchen oder mich um einen Rat bitten, sage ich häufig: Beginnen Sie bei den Letzten in der Reihe, bei den politisch Uninteressantesten. Dann lächeln die Politiker meist ein wenig und wechseln das Thema.″ Er bleibe da doch lieber ein Anwalt der politisch Machtlosen.

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Am Stand des Aktionskreises informieren Gereon und Renate Hellejan über die Arbeit in Brasilien.
Foto:
Michael Hehmann
Autor:
tac, hin, Klaus Jongebloed, hav, Beate Tenfelde, ao, wek, KNA, Tobias Chmura, Christof Haverkamp, Ralf Döring, S. Holger Jansing, jweb, rent, chö, Marie-Luise Braun, lauf


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