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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Hasewasser ist nitratbelastet
 
Die Hase ist nitratbelastet
Zwischenüberschrift:
Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Nicht dramatisch erhöht, aber zu hoch sind die Nitrat-Stickstoff-Werte im Oberflächenwasser der Hase. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Mittwoch in Osnabrück durchgeführt hat.

Es ist kein dramatischer Wert, zu erwarten war er auch und dennoch: Mit 4, 04 Milligramm Nitrat-Stickstoff NO3-N pro Liter Oberflächenwasser weist auch die Hase eine deutliche Überschreitung des ökologischen Richtwertes von 2, 8 Milligramm pro Liter aus.

Osnabrück Erstaunte Blicke der Passanten folgten den fünf Menschen, die am Mittwoch ein rotes Schlauchboot von der Herrenteichsstraße Richtung Herrenteichswall schleppten. Wer genauer hinsah, konnte erkennen, dass es sich nicht um eine mobile Einsatztruppe zur Rettung Schiffbrüchiger, sondern um ein Team der Umweltschutzorganisation Greenpeace handelte, erkennbar an ihren grünen T-Shirts. Sinn und Zweck der Aktion war eine Probenentnahme aus der Hase. Die Fragestellung: Wie weit ist Osnabrücks Fluss mit Nitraten und anderen Schadstoffen und Keimen belastet?

Die Greenpeace-Mitarbeiter Karolina Heck und Markus Wiechmann sind derzeit auf einer Tour quer durch Deutschland, um Gewässer vor allem auf Einträge aus der Landwirtschaft zu untersuchen. In erster Linie sind das Nitrate, die durch die Düngung der Äcker in Flüsse und Seen gespült werden. Mit dabei war die Osnabrücker Ortsgruppe der Umweltaktivisten rund um Tobias Demircioglu. Wir haben durchaus mit erhöhten Werten gerechnet″, sagt Demircioglu und weist auf den Verlauf des Flusses durch landwirtschaftlich intensiv genutzte Gebiete und die Hase-Zuläufe wie unter anderem die Düte hin.

Mit der Untersuchung durch Greenpeace steht die Hase innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal im Fokus. Im Februar hatte der Norddeutsche Rundfunk mit einer Untersuchung des Hasewassers auf multiresistente Keime für Aufmerksamkeit gesorgt. Der NDR hatte die Proben seinerzeit hinter dem Klärwerk in Eversburg entnommen und alarmierende Werte festgestellt. Auch Greenpeace wird seine Haseproben auf Keime und Erreger untersuchen lassen. Diese Tests sind allerdings aufwendiger und können nur in entsprechend ausgestatteten Labors durchgeführt werden. Mit Ergebnissen rechnen Heck und Wiechmann in einigen Wochen. Selbstverständlich werden wir auch diese Werte veröffentlichen″, kündigen die beiden an.

Am Mittwoch stand die Nitratbelastung des Flusses im Fokus der Untersuchungen. Diese Tests lassen sich vor Ort mit relativ geringem Aufwand und dennoch aussagefähigen Resultaten durchführen. Die Belastung der Hase nannte Wiechmann zwar nicht dramatisch, aber bedenklich″. Ab 12 Uhr konnten am Mittwoch auch Brunnenbesitzer ihr Wasser zur Untersuchung am Greenpeace-Stand auf dem Nikolaiort abgeben. Für einen Brunnen, der direkt neben der Hase liegt, stellten die Greenpeace-Mitarbeiter einen unbedenklichen Nitratwert von 0, 72 Milligramm pro Liter fest. Andere Brunnenbesitzer vor allem aus dem Landkreis, die ihre Proben eigens nach Osnabrück gefahren hatten, mussten mit wesentlich schlechteren Ergebnisse wieder nach Hause fahren.

Den Spitzenwert bis zum Mittag erzielte ein Brunnen aus Bramsche mit 12, 96 Milligramm NO3-N pro Liter. Eine Probe dem Georgsmarienhütter Ortsteil Holzhausen riss den Richtwert mit 6, 33 Milligramm pro Liter ebenfalls deutlich. Und auch die 4, 85 Milligramm aus einem Brunnen in Glandorf weisen nach Ansicht der Umweltschützer deutlich auf eine zunehmende Belastung des Wassers hin.

Insgesamt war die Nachfrage so groß, dass die Greenpeace-Mitarbeiter mit ihren Untersuchungen kaum noch nachkamen. Die Brunnenbesitzer nutzten die Wartezeit gerne für einen Kaffee, aufgebrüht mit unbelasteten Trinkwasser.

Bildtext:
Eine Wasserprobe aus der Hase nahmen am Mittwoch die Greenpeace-Mitarbeiter Markus Wiechmann und Karolina Heck.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Ohne gutes Wasser ist alles nichts

Sind die Werte nicht sowieso überall erhöht? Diese mit einem Schulterzucken gestellte Frage eines Passanten ob der erhöhten Nitrat-Stickstoffwerte im Oberflächenwasser der Hase zeigt, wie nachlässig noch immer viele Menschen mit der Ressource Wasser umgehen.

Trinkwasser kommt aus dem Hahn, ist ständig verfügbar und kostet nur kleines Geld. Es wird getrunken und für die WC-Spülung eingesetzt. Ist also gleichzeitig ein Lebensmittel und ein Wegwerfartikel. Und genauso ist auch der Umgang mit diesem eigentlich doch so kostbaren Gut.

Doch halt! Auf Dauer werden wir uns diesen sorglosen Umgang mit Wasser nicht leisten können. Irgendwann werden auch die Kosten steigen, denn wenn die Belastung des Trinkwassers weiter zunimmt, müssen die Aufbereitungstechniken immer aufwendiger und teurer werden.

Es ist an der Zeit zu überlegen, wie wir weiter mit unserer Ressource Wasser umgehen wollen. Dazu gehört auch zu hinterfragen, ob Massentierhaltung dauerhaft der Weg sein kann. Wenn Brunnenwasser ungenießbar wird, ist das ein Alarmzeichen für alle, nicht nur für die Brunnenbesitzer.
Autor:
Dietmar Kröger


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