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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Dem Treibhaus entkommen?
Zwischenüberschrift:
Fritz Wolf und der Klimawandel
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Wochenlang brütende Hitze in Europa inzwischen sprechen die Experten des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung gar von einer bevorstehenden Heißzeit. Obwohl seit Jahren heftig diskutiert, hat die besorgniserregende Entwicklung weder politische noch persönliche Konsequenzen wie der Karikaturist Fritz Wolf über viele Jahre mahnend angemerkt hat.

Osnabrück Erschöpft hängt Mutter Erde im luftigen Kleid sowie mit bloßen Füßen in ihrem Sessel. Der Schweiß spritzt ihr links und rechts nur so von der Stirn, während ihr Stofftaschentuch vom vielen Wischen längst tropfnass zwischen ihren Fingerspitzen baumelt. Treffender als 1995 könnte Fritz Wolf auch heute nicht die Erfahrungen der letzten Wochen auf den Punkt bringen, in denen sich die meisten Mitteleuropäer ähnlich gefühlt haben dürften wie die Dame mit der demolierten Weltkugel als Kopf. Des Karikaturisten doppeldeutiger Kommentar lautet: Die Klimaanlage funktioniert nicht mehr.″ Damit bezieht er sich weniger auf das schwierige Raumklima, sondern auf die globalen Veränderungen des Wetters, die den alten Bauernkalender außer Kraft zu setzen drohen.

Ist diese Zeichnung Fritz Wolfs vor allem als Mahnung für die Menschheit zu verstehen, so hat er auch wiederholt die endlosen Debatten von Klimagipfeln und - konferenzen in Bild gesetzt. Aus seiner Sicht haben es zum Beispiel die Teilnehmer der Berliner UN-Weltklimakonferenz desselben Jahres im Vergleich zu Mutter Erde deutlich besser: Mit gepackten Aktentaschen entfleuchen Araber und Afrikaner sowie Europäer, Asiaten und Amerikaner dem stickigen Tagungs-Treibhaus, in dem sie wieder einmal ohne greifbares Resultat debattiert haben: Allerdings gründeten sie immerhin einen Arbeitskreis, der sich mit seinem Berliner Mandat″ nunmehr für konkrete Überlegungen zwei Jahre Zeit lassen durfte.

Aus Wolf′schem Blickwinkel drängte dagegen die Zeit, denn schon 1992 hatte der Zeichner in der Unterschrift seiner Karikatur zum Welt-Umweltgipfel in Rio de Janeiro unmissverständlich festgestellt: Das Maß ist voll!

Bereits ins Jahr 1980 datiert eine Zeichnung, auf der Uncle Sam″ im Schaukelstuhl liegt und mit seinen bloßen Füßen sowohl die Heizung als auch die darüber angebrachte Klimaanlage aufdreht. Die Schnürstiefel des Nationalsymbols stehen ob dieser Aktion neben dem Stuhl, und darüber grinst US-Präsident Jimmy Carter aus einem Bilderrahmen. Solcherlei Amerikanische Anstrengungen zur Drosselung des Energiebedarfs″ folgen einer Logik, die auch heute noch vom derzeitigen US-Staatschef Donald Trump vertreten wird.

Fast möchte der geneigte Fritz-Wolf-Freund bedauern, dass der Osnabrücker Karikaturist diesen Fake-News-Verbreiter und seine hartnäckige Klimaveränderungs-Ignoranz nicht mehr aufs Korn nehmen kann. Dabei hatte der Karikaturist 1997 angesichts der amerikanischen Blockadehaltung gegen konkrete Vereinbarungen zur Reduzierung von Treibhausgasen erneut Uncle Sam bemüht, der die selbst ernannte Klimaschützerin Angela Merkel mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal seines Straßenkreuzers in eine dunkle Abgaswolke zu hüllen sucht. Der Wolf′sche Kommentar Die Amerikaner fahren vorerst noch volles Rohr′″ erscheint angesichts der deutschen Diesel-Abgas-Manipulationen aber in einem neuen Licht. Hier darf getrost die Variante eines alten Sprichwortes bemüht werden: Wer im Treibhaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.″

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Bildtexte:
Die Klimaanlage funktioniert nicht mehr″ (1995)
Die Amerikaner fahren vorerst noch , volles Rohr′″ (1997)
Dem Treibhaus entkommen″ (1995)

100 Jahre Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Im Tuchmacher-Museum in Bramsche ist derzeit die Sonderausstellung Was der deutsche Mann im Sommer trägt…″ zu sehen, die vor allem durch Folgen aus den Bildern aus der Provinz″ sowie der Frauenzeitschrift Brigitte″ die Geschichte der bundesdeutschen Alltagsmode erzählt. Zudem präsentiert das Stadtmuseum Quakenbrück Fritz-Wolf-Karikaturen zum Thema Musik, während das Museum Industriekultur in Osnabrück im Rahmen seiner aktuellen Kneipenausstellung Wolf′sche Bierkarikaturen zeigt. Infos und Rückfragen zu den Projekten erteilt Sebastian Scholtysek unter Telefon 01 76/ 31 11 06 63 oder per E-Mail: post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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