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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Plastinat in Kirche: Dank und Kritik
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Leserbrief von Jürgen Bendszus Würde eines Verstorbenen verletzt″ (Ausgabe vom 19. Juli) mit Bezug auf den Artikel Der Fackelträger kommt in die Kirche″ (Ausgabe vom 9. Juli).

Kompliment an Pastor Uhlhorn für seine mutige Predigt. Leider konnte ich den Gottesdienst nicht persönlich besuchen, hätte es aber sehr gerne getan.

Im Vorfeld wurde angekündigt, dass in dem Gottesdienst ein Plastinat ausgestellt wird, sodass sich jeder Besucher schon vorher Gedanken darüber machen konnte, ob er an so einem besonderen Gottesdienst teilnehmen möchte. Des Weiteren wurde jedem die Gelegenheit gegeben, den Gottesdienst vorzeitig zu verlassen, und anschließend gab es auch eine Gesprächsrunde zu dem bewegenden Thema.

Die Würde des Verstorbenen wurde in keiner Weise verletzt, denn die Toten, die plastiniert wurden, haben vorher alle ihr Einverständnis gegeben, besser gesagt sogar den Wunsch gehegt, ihren Körper zur Verfügung zu stellen. [...]

Wenn ein Pastor seinen Gottesdienst dieser , modernen Form des Todes′ widmet, finde ich das großartig. Leben und Tod sind doch eng miteinander verbunden. Wir sollten also nicht die Augen davor verschließen. Es wird Zeit, dass man aus dem alten , Schrankendenken′ herauskommt und sich auch für neue Dinge öffnet. Dass die Kirche wesentlich besser besucht war als an gewöhnlichen Sonntagen, zeigt doch, dass gerade zu Zeiten der vielen Kirchenaustritte die Bevölkerung sich danach sehnt, mitgenommen zu werden, etwas Außergewöhnliches zu erfahren und nicht immer dem gleichen Trott zu folgen. Es sollte viel mehr mutige Pastoren geben, die sich mit dem Zeitgeist beschäftigen und auch mal neue Wege gehen.″

Simone Westermann

Westerkappeln

Die Ausstellung eines plastinierten Toten finde ich nicht unwürdig, weil er sich schon zu Lebzeiten mit seiner Plastinierung einverstanden erklärt hat. Was ist bei Modellen im Rahmen einer Erste-Hilfe-Ausbildung? Da geht es auch ans Eingemachte.

Als nicht sehr aktives Gemeindemitglied der Mariengemeinde, aber dort getauft und konfirmiert und von meinem damaligen Pastor Martin Sieg als sogenannter Vierräderchrist bezeichnet, (Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung), kann ich Pastor Uhlhorn für seinen Mut [...] nur meinen höchsten Respekt aussprechen.

[...] Man muss sich damit abfinden, dass Leben und Tod zusammengehören. Jede Kultur hat eigene Vorstellungen über den Tod und den Umgang damit. Wenn Herr Bendszus seine Meinung darüber hat, muss ich das respektieren.″

Michael Strott

Osnabrück

Ich bin Herrn Bendszus sehr dankbar für seinen Leserbrief [...]. Er spricht mir ganz aus dem Herzen. Als ich davon in meinem Urlaub hörte, war ich fassungslos. Gibt es in St. Marien keine sensiblen Menschen (im Kirchenvorstand) mehr, die gegen Pastor Uhlhorns Vorhaben Einspruch erheben konnten? Gunther von Hagens, der sich ja selber als Künstler bezeichnet, war Gast in diesem Gottesdienst. Seine , Leichenfledderei′ wurde damit in unserer Kirche aufgewertet. Diese Ehre hat er ganz sicher bisher noch nicht erfahren.

Kennt Herr Uhlhorn nicht die anfängliche starke Kritik zu diesem Spektakel? Von Hagens [...] bezog seine Körper anfänglich aus China, wo sie durch die dort stattfindende Todesstrafe reichlich zur Verfügung standen. In langen Reihen saßen chinesische Frauen an Tischen und zupften Fettreste von Knochen; das war im TV zu sehen. Wo kommen die Körper heute her? Sind es arme Menschen, die eine würdige Bestattung nicht bezahlen können?

Sind in der Bibel unsere Körper nicht , die Tempel unserer Seelen′? Über Jahrhunderte haben Menschen großen Respekt vor leblosen Körpern verstorbener Menschen gehabt und für eine entsprechende Totenruhe gesorgt. Inzwischen ist der Körper zur Ware geworden, was auch in der Organtransplantation zum Ausdruck kommt: der sterbende Mensch als Ersatzteillager.

Dass unsere Kirche nun auf diese Weise zur Verrohung der Menschen beiträgt und Sensationslust fördert, hätte ich mir nicht vorstellen können. [...]″

Gertrud Dom

Osnabrück

Man ist überrascht, dass es [...] so harsche negative Reaktionen in Form von Leserbriefen gegeben hat. Die kritischen Leser goutieren die Ausstellung (insbesondere die in der Kirche) nicht. Dadurch werde die Würde des Toten verletzt. Sie übersehen oder vergessen dabei aber, dass das nur ihre höchstpersönliche Sicht ist. Die meisten anderen Menschen sehen das ganz anders vor allem aber auch der Tote selbst! Die freie Entscheidung eines Menschen, sich nach seinem Tod so ausstellen zu lassen, ist zu respektieren. Auch von denen, die sich das selbst nicht vorstellen können.

Letztlich kann dazu jeder meinen, was er möchte; auf breiter gesellschaftlicher Basis sind das aber (man möchte fast sagen: Gott sei Dank!) längst geschlagene Schlachten.″

Daniel Jutzi

Osnabrück
Autor:
Simone Westermann, Michael Strott, Gertrud Dom, Daniel Jutzi


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