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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke verkaufen Kartbahnpläne
 
Nettedrom bekommt einen Zwilling
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke verkaufen Pläne für E-Kart-Bahn
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Stadtwerke Osnabrück haben die Pläne für ihre Elektrokartbahn an ein anderes norddeutsches Stadtwerkeunternehmen verkauft. Mit anderen Worten: Das Nettedrom an der Vehrter Landstraße bekommt einen Zwilling. In welcher Stadt die Anlage entstehen wird, konnte Bäderchef Wolfgang Hermle aufgrund der Absprachen noch nicht sagen. Die Verträge seien aber bereits unterschrieben. Neben dem Verkauf der im eigenen Haus entstandenen Pläne blicken die Stadtwerke auf ein erfolgreiches erstes Geschäftsjahr der E-Kartbahn zurück. Mit 52 900 Fahrern und einem Umsatz von 1, 1 Millionen Euro in zwölf Monaten lagen die Zahlen etwa 20 Prozent über den Erwartungen. Zudem konnte durch die Bahn der Raum Ostwestfalen auch für das Nettebad erschlossen werden.

Das Nettedrom wird verkauft nicht die E-Kartbahn am Nettebad, sondern die Pläne, die von den Osnabrücker Stadtwerken in Eigenregie erstellt wurden und auf diese Weise jetzt noch einmal zusätzliches Geld in die Kassen spülen.

Osnabrück Das Nettedrom wird demnächst in einer anderen norddeutschen Stadt eins zu eins nachgebaut″, kündigt der Bäderchef der Stadtwerke, Wolfgang Hermle, den Deal an. Wo genau der Nachbau entstehen wird, wollte Hermle aufgrund der Absprachen noch nicht sagen. Der Handel mit den nicht namentlich genannten Stadtwerken sei aber perfekt.

Mit dem Verkauf der Pläne und des Stadtwerke-Know-hows dürfte sich die diesjährige Nettedrom-Bilanz 2018 noch schöner lesen als die des vergangenen Jahres. Die 2017er-Zahlen seien mehr als erfreulich″, so Hermle. Das im März vergangenen Jahres in Betrieb gegangene Nettedrom hatte in diesem Rumpfjahr″, mithin bis zum 31. Dezember, bereits 40 500 Fahrer gezählt, die 54 000 Fahrten absolvierten. Unter dem Strich stand damit ein Umsatz von 840 000 Euro in den Büchern.

Der Blick auf die 12-Monats-Bilanz vom März 2017 bis zum März 2018 zeigt 52 900 Fahrer und knapp 70 000 Fahrten. Der Umsatz beläuft sich auf Basis dieser Zahlen auf 1, 1 Millionen Euro. Wir liegen 20 Prozent über dem Plan″, vergleicht Hermle den aktuellen Stand der Dinge mit den Erwartungen. Ein nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt ist für Osnabrücks Bäderchef der Zugewinn auch für das benachbarte Nettebad. Bislang hätten die Ostwestfalen den Weg nach Osnabrück einfach nicht gefunden, so Hermle. Mit dem Nettedrom konnten wir unser Einzugsgebiet dorthin ausdehnen.″ Angelockt von den Elektro-Karts, gingen demnach 15 000 Menschen aus diesem Raum zusätzlich auch in das Nettebad. Insgesamt, so Hermle, besuchten 42 Prozent aller Kartbahngäste auch das Bad oder die Sauna.

Und auch im Firmen- und Veranstaltungsbereich hat die Kartbahn nach Hermles Aussage die Erwartungen übertroffen. Rechneten die Stadtwerke vor der Inbetriebnahme mit etwa 50 Veranstaltungen wie Seminaren und Firmenfeiern, stieß das Nettedrom mit 70 Veranstaltungen auf deutlich mehr Interesse als anfänglich angenommen.

Mit einem fünfstelligen Betrag, den Hermle nicht näher beziffern wollte, hat sich die Firma ZF Lemförde als Werbepartner beim Nettedrom engagiert. Das Logo des Unternehmens schmückt nun für die kommenden drei Jahre die Haarnadelkurve auf der Betonpiste.

Dass es den Stadtwerken nun, sozusagen als Sahnehäubchen, gelungen ist, ihr Know-how an ein norddeutsches Stadtwerkeunternehmen zu verkaufen, stößt bei den Verantwortlichen auf große Freude zum einen, weil die Stadtwerke auf diesem Weg zusätzliche Einnahmen generieren, zum anderen aber, weil sie hier eine Bestätigung für den vor etwa vier Jahren eingeschlagenen Weg sehen. Dass ein Verkauf der Pläne überhaupt möglich ist, liegt daran, dass diese von Mitarbeitern des Unternehmens erstellt wurden. Wir können die Pläne so oft verkaufen, wie wir wollen″, sagt Hermle und deutet an, dass es auch schon Gespräche mit einem privaten Investor gegeben hat, der ebenfalls Interesse an einem Nachbau des Nettedroms signalisiert habe.

Bildtext:
Ein norddeutsches Stadtwerkeunternehmen will die Elektrokartbahn der Stadtwerke Osnabrück am Nettebad nachbauen.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Vom ungeliebten Kind zum Vorzeigeprojekt

Die Verantwortlichen der Osnabrücker Stadtwerke haben stets an einen Erfolg ihrer Elektrokartbahn geglaubt. Um den Beweis ihrer Annahme antreten zu dürfen, mussten sie allerdings einige dicke Bretter bohren. Der Widerstand gegen das Projekt am Nettebad war groß. Die jetzt vorgelegten Zahlen dürften den Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen.

Dass sich sogar die Stadtwerke einer anderen norddeutschen Kommune für das Nettedrom interessieren und es eins zu eins nachbauen wollen, darf gerne als weitere Bestätigung des Osnabrücker Engagements gesehen werden. Ganz abgesehen davon, dass für das Recht auf eine Kopie auch noch ein ansehnlicher Betrag gezahlt wird.

Schuster, bleib bei deinen Leisten″, hieß es nach Bekanntwerden der Stadtwerkepläne 2015. Das städtische Unternehmen solle sich doch bitte auf sein Kerngeschäft konzentrieren, den Nahverkehr und die Bäder organisieren und die Energieversorgung, so die Forderungen seinerzeit. Schön und gut. Aber wie viele Schuster gibt es heute noch?

Nun wären die Stadtwerke ohne Nettedrom sicherlich nicht pleitegegangen, eine Einnahmequelle aber würde fehlen. Warum darauf verzichten? Niemand sollte vergessen, dass die Stadtwerke eben gerade für die Daseinsvorsorge Geld brauchen. Es kann nicht verwerflich sein, wenn das Unternehmen versucht, dieses Geld außerhalb seines Kerngeschäfts zu verdienen.
Autor:
Dietmar Kröger


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