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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wirtschaft rügt Baustellenplanung
 
IHK rügt Baustellenmanagement scharf
Zwischenüberschrift:
Schlechte Koordination und lange Bauzeiten / „Die Unzufriedenheit ist groß″
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die IHK übt scharfe Kritik an der Baustellenkoordination ins Osnabrück. Es mangele an weitsichtiger, verkehrsverflüssigender Planung″. Staus und längere Fahrtzeiten verursachten einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat in ungewohnt deutlichen Worten das Baustellenmanagement in Osnabrück gerügt. Es mangele an weitsichtiger, verkehrsverflüssigender Planung″. Staus und längere Fahrtzeiten verursachten unnötig volkswirtschaftlichen Schaden.

Osnabrück Es hatte sich offenbar einiges aufgestaut, bevor Anke Schweda, in der IHK-Geschäftsführung für Standortentwicklung, Innovation und Umwelt zuständig, ihre Stellungnahme in die Welt schickte. Auch wenn die aktuelle Ferienzeit die Situation auf den Straßen etwas entschärft, sind viele Verkehrsteilnehmer unzufrieden″, schreibt Schweda. Denn auch potenzielle Ausweichstrecken sind durch andere Baustellen beeinträchtigt.″ Viele Maßnahmen seien unkoordiniert und optimierbar″. Eine weitsichtige, verkehrsverflüssigende Planung und zügige Baustellenbearbeitung″ könnten helfen. Die IHK-Geschäftsführerin ist überzeugt, dass sich eine große, schweigende Mehrheit″ über die Behinderungen ärgert. Die Unzufriedenheit ist hoch.″

Schweda stützt ihre Kritik auf Gespräche mit Unternehmern, auf eigene Erfahrungen und den Baustellen-Informationsdienst der Stadt im Internet. Die Stadt zeigt auf ihrer Homepage eine Karte mit den aktuellen Baustellen in der Stadt. Über 20 sind dort zurzeit gelistet. Eine Auswertung dieser Liste (Stand 17. Juli 2018) habe eine durchschnittliche Dauer der laufenden Baumaßnahmen von 290 Tagen, also neun Monaten und 20 Tagen, ergeben, teilte die Kammer mit. Dabei sei die Langzeitbaustelle am Autobahnknoten A 33/ B 51 zwischen Osnabrück-Schinkel und Belm gar nicht berücksichtigt.

Anke Schweda sind die 290 Tage einfach zu lang. Sie würde sich wünschen, dass die Planer mehr aufs Tempo drücken und Stillstand auf den Baustellen vermeiden. An vielen Baustellen ist häufig eine aktive Bautätigkeiten nicht erkennbar″, schreibt sie.

Als Beispiel nennt sie im Gespräch mit unserer Redaktion den Knoten Nord, das ist die Baustelle Bramscher Straße/ Hansastraße. Die Einmündung wird für die neue Elektrobuslinie optimiert. Der Verkehr rollt dort stadtauswärts einspurig. Schweda sagt, die Bauarbeiten hätten zwischenzeitlich für zwei bis drei Wochen geruht. Sie fordert, die einzelnen Gewerke besser aufeinander abzustimmen, um Stillstand zu vermeiden. Weiteres Beispiel aus der Vergangenheit: Beim Umbau der Kreuzung an der Blankenburg in Hellern waren nach ihren Beobachtungen Spuren gesperrt worden, lange bevor die Arbeiten tatsächlich begannen: Man muss nicht zwei Wochen vorher die Baustelle einrichten.″ Auch die Baustelle Knollstraße, die seit Ende 2016 gesperrt ist und erst Ende 2019 wieder befahrbar sein wird, dauert nach ihrem Eindruck zu lang.

Schweda fordert, dass Stadt und Stadtwerke verstärkt auf innovative Bautechniken wie das Tunnelbauverfahren zurückgreifen, um Bauarbeiten zu beschleunigen und Behinderungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Sie verweist auf die Lotter Straße, wo die Stadtwerke vor zwölf Jahren einen Tunnel zur Erneuerung des Kanalsystems gruben. Der Verkehr rollte oben fast störungsfrei weiter. Wenn demnächst die Rheiner Landstraße einen neuen Kanal bekommt, sehen die Stadtwerke vom Tunnelbau ab. Begründung: zu teuer. Die Kosten würden sich von 2, 5 auf 6 Millionen Euro erhöhen. Auch technische Schwierigkeiten sprächen dagegen, denn die dauerhafte Grundwasserabsenkung könnte zu Trockenschäden an der Vegetation führen. Zweieinhalb Jahre Bauzeit sind an der Rheiner Landstraße zwischen Rückertstraße und Mozartstraße veranschlagt, weitgehend unter Vollsperrung.

Schweda hält die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten dagegen, die durch schlechtes Baustellenmanagement, unnötige Staus und Umwege entstehen. Unternehmen, die ihren Sitz im Dunstkreis einer Baustelle haben oder auf Besucherverkehr angewiesen sind, verzeichneten Frequenz- und Umsatzrückgänge. Bei mehrjährigen Baumaßnahmen sei das wirtschaftlich nur schwer zu verkraften. Auch Logistikbetrieben entstünden zusätzliche Kosten durch verspätete Lieferungen und längere Arbeitszeiten der Mitarbeiter. Sie wisse von Handwerksbetrieben, die keine Morgentermine in der Stadt mehr annähmen, weil sie das pünktliche Eintreffen ihrer Monteure beim Kunden nicht garantieren könnten. Schweda: Darum solle die öffentliche Hand bei der Auftragsvergabe nicht nur auf die Kosten der reinen Baumaßnahme abstellen, sondern auch den gesamtwirtschaftlichen Nutzen einer beschleunigten Baustellenabwicklung berücksichtigen.″

Antwort der Stadt?

Von Stadt und Stadtwerken war aktuell keine Reaktion auf die IHK-Kritik zu bekommen. Eine gemeinsame Stellungnahme sei in Arbeit und werde wahrscheinlich am Mittwoch veröffentlicht, sagte Stadtsprecher Gerhard Meyering am Dienstag.

Kommentar
Höhere Priorität

Die Kritik der IHK mag in Teilen sehr pauschal sein. Nicht immer ist schlechte Koordination schuld, wenn eine Baustelle lange dauert. Im Untergrund lauern halt Überraschungen, die die Baustellenkoordinatoren zum Umplanen zwingen können.

Wenn Autofahrer maulen, verhallt das irgendwann. Aber wenn die IHK-Geschäftsführung mit so deutlichen Worten in die Öffentlichkeit geht, hat das Gewicht, zumal die IHK mit Gründung der Verkehrsallianz″ ihre konstruktive Mitarbeit anbietet. Politik und Verwaltung sollten die Kritik aus der Wirtschaft aufnehmen und nicht als weitere Eskalationsstufe in der ohnehin aufgeheizten Verkehrsdebatte abtun. Die Rüge sollte Anstoß sein, dem Baustellenmanagement noch höhere Priorität einzuräumen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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