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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schloss war auch unbewohnt ein Machtsymbol
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Historiker widerlegt gängige Forschungsmeinung über 350 Jahre alte Fürstenresidenz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Bevor 1974 die Universität ins Osnabrücker Schloss einzog, war es jahrhundertelang Sitz vieler Fürsten. Doch vor Ort waren die Herrscher nur selten. Warum sie ihre Residenz trotzdem so prachtvoll gestalteten, hat der Osnabrücker Historiker Heinrich Schepers in einer preisgekrönten Doktorarbeit herausgefunden.

Selbst wenn sie nicht anwesend waren, galt das von 1667 bis 1673 durch Fürstbischof Ernst August erbaute Osnabrücker Schloss den damaligen Herrschern stets als Repräsentationsort. Als Absolvent des Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN) widerlegt Schepers am Beispiel der Regierungszeit des letzten Osnabrücker Fürstbischofs Friedrich von York (1763– 1827) die geläufige Forschungsmeinung, dass herrscherlose Residenzen einst nur eine untergeordnete Rolle bei den Fürsten spielten. Für seine Doktorarbeit erhielt Schepers im März den von der Herrenteichslaischaft gestifteten Förderpreis der Uni Osnabrück.

Bis heute hat die Fassade des Schlosses ihren barocken Charme bewahrt. Wie die prachtvolle Innengestaltung der Fürsten früher aussah, lässt sich nur über Archivquellen erschließen. Schepers wertete Schrift- und Bildquellen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert aus, arbeitete dafür in den Staatsarchiven in Osnabrück und Hannover sowie in den Archiven des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück und des Stadtgeschichtlichen Museums in Berlin.

Eigener Hofstaat

Er fand heraus, dass sich der von 1764 bis 1802 regierende Fürstbischof Friedrich von York ein Welfe intensiv mit dem Aus- und Umbau des Schlosses beschäftigt hat, obwohl dieser kaum in Osnabrück war. Der Fürst ließ den Schlossinnenbereich vollkommen neu gestalten und den Garten umbauen″, berichtet der Historiker. Demnach engagierte Friedrich von York sogar den damals bekannten Innendekorateur und Bühnenmaler Bartolomeo Verona (1740–1813) aus Berlin, um das als Wohnsitz kaum genutzte Schloss zu dekorieren. Außerdem stellte er einen Hofstaat auf. Am Ende der Umbaumaßnahmen von 1783 bis 1791 hatte der Fürstbischof jede Menge Geld für die Residenz ausgegeben.

Bislang sind Historiker davon ausgegangen, dass unbewohnte oder selten genutzte Schlösser eine untergeordnete Rolle bei der Herrschaftsführung der Fürsten in der Frühen Neuzeit gespielt haben″, erklärt Schepers. Diese geläufige Forschungsmeinung habe er grundlegend hinterfragt. Wenn der Fürst einen so großen Aufwand beim Umbau des Schlosses betreibt, will er damit etwas ausdrücken.″

Schepers kommt daher zu dem Schluss: Das erneuerte und prachtvoll eingerichtete Osnabrücker Schloss sollte Untertanen und Standesgenossen verdeutlichen, dass die Herrschaft des Fürsten auch in dessen Abwesenheit fortdauerte.″ So sei auch der Eindruck entstanden, dass der Landesherr jederzeit wieder dort wohnen konnte.
Autor:
Julian Krauskopf


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