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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Platzt der Neustart am Berliner Platz?
 
Am Berliner Platz droht Stillstand
Zwischenüberschrift:
Zwei Wohnprojekte auf der Kippe / Investoren fürchten juristische Fußangeln
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Berliner Platz bietet noch Potenzial für die Stadtentwicklung, aber das erste Projekt, von dem sich die Stadt einen Akzent für das vernachlässigte Quartier verspricht, droht zu platzen. Es geht um das grüne Hochhaus und das ehemalige Tankstellengelände an der Wittekindstraße. Ein Investor will das in die Jahre gekommene Wohngebäude sanieren und ihm ein zeitgemäßes Outfit geben, ein anderer Investor plant nebenan einen Neubau mit 21 Wohnungen. Um die Sache zu beschleunigen, will die Stadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf den Weg bringen, doch dabei müssen die beiden Investoren eng kooperieren. Und sie müssen sich auf Bedingungen einlassen, die nach Ansicht ihrer Anwälte unerfüllbar sind. Deshalb haben sie Oberbürgermeister Griesert eingeschaltet.

Schön ist er nicht, der Berliner Platz, noch nicht. Zwei Wohnprojekte sollten der Auftakt sein für eine Neugestaltung, und beide Investoren wollen möglichst bald loslegen. Ein schnelles Verfahren setzt aber voraus, dass sie maximal kooperieren. Doch beide fürchten juristische Fußangeln.

Osnabrück Das Hochhaus mit der markanten Adresse Berliner Platz 1 ist in die Jahre gekommen, und die Teilnehmer eines städtebaulichen Wettbewerbs hätten es am liebsten wegradiert. Doch da haben sie die Rechnung ohne Ulrich Grewe gemacht. Der Münsteraner schwört auf die inneren Qualitäten seines grünen Monsters aus der Wirtschaftswunderzeit. Wo andere Abriss predigen, setzt er auf ein moderneres Outfit und einen Anbau, der die Horizontale betonen soll.

Die Stadtplaner haben sich darauf eingelassen und einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan in Aussicht gestellt, um dem Investor lange Wartezeiten zu ersparen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Grewes Projekt mit dem seines Nachbarn Uwe Lehmkuhl eng verknüpft wird. Dabei handelt es sich um das ehemalige Tankstellengelände, das bis zur Karlstraße reicht.

Der Immobilienkaufmann aus Ibbenbüren, der auch das Wohn- und Geschäftshaus am Kamp mit der Sparda-Bank realisiert hat, will auf der altlastverseuchten Brache einen lang gestreckten Bau mit 21 Wohnungen errichten.

Wegen der exponierten Lage am denkmalgeschützten Hannoverschen Bahnhof legt die Stadt Wert darauf, dass beide Projekte wie aus einem Guss erscheinen. Lehmkuhl und Grewe haben sich darauf eingelassen, gemeinsam einen Architekten mit der Gestaltung zu beauftragen. Dass sie gemeinsam eine GmbH gründen sollten, um das Bauvorhaben durchzuziehen, ging den beiden Investoren allerdings zu weit.

Die Stadt verlangt aber verbindliche Festlegungen, damit die Planung auch 1: 1 umgesetzt wird. Beim vorhabenbezogenen Bebauungsplan, so erklärt es Stadtbaurat Frank Otte, könne die Baugenehmigung schon während des Verfahrens bearbeitet werden. So lasse sich gegenüber dem sonst üblichen Ablauf Zeit sparen. In den Gesprächen mit Lehmkuhl und Grewe hat er den Eindruck gewonnen, dass alle wichtigen Fragen geklärt sind und nur noch die Verträge zwischen den beiden Investoren ausformuliert werden müssen.

Doch dabei sind neue Schwierigkeiten aufgetaucht. Sein Anwalt habe ihm geraten, die Vereinbarung nicht zu unterschreiben, sagt Ulrich Grewe. Der Münsteraner ist empört und droht schon, das Handtuch zu werfen. Denn die Stadt stelle eine unerfüllbare Forderung: Falls einer der Vertragspartner einen Schlaganfall erleide oder sterbe, müsste auch der andere Bauherr seine Arbeiten stoppen. Schlimmer noch, er müsste sogar die schon vorhandenen Bauabschnitte wieder abreißen.

Darauf könne er sich auf keinen Fall einlassen, sagt Grewe. Er hat Oberbürgermeister Wolfgang Griesert gebeten, sich einzuschalten. Wenn das nichts bringe, werde er die Finger von dem Projekt lassen. Mit der Folge, dass die Osnabrücker noch zehn oder mehr Jahre mit dem hässlichen Anblick des grünen Wohnklotzes leben müssten.

Auch Uwe Lehmkuhl ist verärgert. Wenn einer von uns pleitegeht, muss der andere seine Baustelle stilllegen″, schimpft er, und fügt hinzu: Jedes Mal, wenn wir kurz vor dem Ziel sind, kommt ein Störfeuer von der Stadtverwaltung! Stadtbaurat Frank Otte weist das zurück. Hier gehe es um Bundesrecht, und daran müsse sich sein Dezernat halten. Aus gutem Grund sei es unerlässlich, wasserdichte Vereinbarungen zu treffen.

Im Gegensatz zu seinem Geschäftspartner Ulrich Grewe ist der Praktiker Uwe Lehmkuhl weiterhin zuversichtlich, dass sich eine Lösung findet. Schon in Kürze will er den verseuchten Boden von seinem Grundstück auskoffern lassen und noch in diesem Jahr einen Bauantrag stellen. 3 bis 3, 5 Millionen Euro kalkuliert er für sein Mehrfamilienhaus mit den vier Vollgeschossen. Seine Haltung drückt er so aus: Man muss locker bleiben und Vertrauen haben!

Bildtext:
Das grüne Monster soll modernisiert werden. Aber der Investor droht, das Handtuch zu werfen. Und dann geschieht auch nichts auf dem brach liegenden Tankstellengelände nebenan.
Zwei Bauvorhaben, ein Projekt: Etwa so sollen die Gebäude entlang der Wittekindstraße nach der Fertigstellung aussehen.
Neue Akzente: Mit der Umgestaltung des grünen Hochhauses würde der Berliner Platz gewinnen. Aber derzeit geht es nicht voran.
Foto:
Jörn Martens
Simulation:
Architekturbüro Planquadrat

Kommentar
Auf Vertrauen bauen

Es ist eine gute Nachricht, dass zwei Investoren am Berliner Platz bauen wollen. Aber die juristischen Fingerhakeleien, die da gerade ablaufen, gefährden das ganze Projekt. Muss es denn so kompliziert sein?

Wenn zwei Seiten einen Vertrag abschließen, dann versprechen sich beide einen Vorteil davon. So ist es auch am Berliner Platz. Ein Investor will eine Rendite, und was will die Stadt? Wohnraum schaffen, ein Quartier aufwerten, vielleicht Arbeitsplätze sichern. Was die Stadt nicht will, ist eine Dauerbaustelle oder eine Bauruine. Deshalb setzt sie darauf, dass der Vertrag erfüllt wird, und nicht darauf, dass er scheitert. Es wäre ein Jammer, wenn das juristische Sicherheitsdenken dazu führen sollte, dass am Berliner Platz Stillstand eintritt.

Wenn Juristen das Haar in der Suppe suchen, finden sie bestimmt etwas Verdächtiges. Aber manches, das da zum Vorschein kommt, hat mit der Lebenswirklichkeit so viel zu tun wie ein Windbeutel mit einem Wirbelsturm. Es ist ein Trauerspiel, dass Paragrafenreiter und Bedenkenträger oft mehr zu sagen haben als Leute, die gute Ideen haben, mutig vorangehen und die Ärmel aufkrempeln.

Natürlich kann immer mal etwas schiefgehen. Aber bei der Bewertung von Risiken sollte das juristische Wenn und Aber nicht zur Hauptsache werden, sondern an den Rand treten. Auf Vertrauen baut es sich besser. Daran müssen alle Beteiligten wohl noch arbeiten.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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