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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Circus Krone zeigt weiter seine Elefanten
 
Circus Krone setzt Vorstellungen mit Elefanten fort
 
Streit um Rang in der Herde
Zwischenüberschrift:
Politiker fordern Verbot von Wildtier-Shows
 
Amtstierärztin: Stallbedingungen im Zirkus sind gut
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Circus Krone will weiterhin an der Elefanten-Nummer in seinem Programm festhalten. Die Rangelei unter den Dickhäutern, die Elefantendame Mala am Mittwoch in die Zuschauersitze stürzen ließ, führen Experten auf eine ungeklärte Rangordnung in der Herde zurück.

Wir werden Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen″, bekräftigte Tierlehrer Martin Lacey am Donnerstag. Elefantendame Mala werde vorerst nicht mehr auftreten, bis die Ursache der Attacke geklärt sei. Wir können unser Programm so variieren, dass andere Tiere gemeinsam in die Manege treten″, sagte Lacey.

Amtstierärztin Jutta Breuer inspizierte am Donnerstag die Tierhaltung im Circus Krone und fand keinen Grund zu Beanstandung. Die Stallbedingungen seien gut. Die Amtsveterinärin für Stadt und Landkreis Osnabrück hatte den Zirkus unangekündigt kontrolliert, wie es bei jedem Zirkusgastspiel üblich ist. Breuer vermutet, dass eine ungeklärte Rangordnung unter den Krone-Elefanten die Attacke ausgelöst haben könnte. Die Vermutung bestätigen auch andere Experten nach Ansicht der Videoaufnahmen.

Nach dem Tod einer Leitkuh im vergangenen Jahr sei die soziale Rangordnung derzeit ungeklärt. Die Attacke auf Mala, mit 56 Jahren ältester Elefant und entsprechend gebrechlich, sei wohl in diesen Kontext einzuordnen, so Breuer. In der Wildnis sind solche Attacken bei Hierarchiestreitigkeiten nichts Ungewöhnliches, und wahrscheinlich haben wir genau das gestern in der Manege erlebt.″

Der Vorfall während der Premierenvorstellung löste bundesweites Interesse aus. Zahlreiche Presseteams waren am Donnerstag rund um die Halle Gartlage unterwegs.

Der Circus Krone will weiterhin an der Elefanten-Nummer in seinem Programm festhalten. Die Rangelei unter den Dickhäutern, die Elefantendame Mala in die Zuschauersitze stürzen ließ, führen Experten auf eine ungeklärte Rangordnung in der Herde zurück.

Osnabrück Wir werden Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen″, bekräftigte Tierlehrer Martin Lacey am Donnerstag. Zwar sollen die insgesamt fünf Elefanten weiterhin Teil des Programms sein, die Kombination aus der Premierenvorstellung werde es jedoch vorerst nicht mehr geben, so Lacey im Gespräch mit unserer Redaktion. Wir können unser Programm so variieren, dass andere Tiere gemeinsam in die Manege treten.″

Grundsätzliche Überlegungen rund um den Einsatz der Dickhäuter im Zirkusbetrieb gebe es aktuell nicht. Es gab in der Geschichte des Circus Krone bis jetzt keinen Vorfall, bei dem Zuschauer verletzt wurden″, sagt Lacey. Auch deswegen werde dieser Bestandteil der Show nicht infrage gestellt.

Lacey legt Wert darauf, dass nicht das Publikum Ziel der Schubserei zwischen den Tieren gewesen ist. Lacey vermutet, wie andere Experten auch, die Ursache der Rangelei in internen Hierarchiekämpfen. Möglicherweise hänge das Verhalten der Tiere auch mit dem heißen Sommerwetter zusammen. Jedenfalls seien vor der Vorstellung keine Verhaltensauffälligkeiten der Tiere bemerkbar gewesen. Bis die Tierlehrer herausgefunden haben, warum die Elefanten in der Manege so handelten, werde Mala nicht in den Shows eingesetzt.

Externe Fachleute wie Franz Frank alias Sonni Frankello, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbands der Tierlehrer und Betreiber eines Elefantenhofs in Platschow (Mecklenburg-Vorpommern), schließen nach Ansicht der Unglücksbilder einen mutwilligen Angriff als Ursache aus. Vielmehr scheine es sich um einen vergleichsweise harmlosen, wenngleich in der Enge der Manege folgenschweren Rempler unter hochintelligenten, sozialen und gutmütigen Tieren″ gehandelt zu haben. Über die Gründe für den Stoß lasse sich nur spekulieren. Da kann man dem Circus Krone keinen großen Vorwurf machen″, sagte Frank unserer Redaktion auf Nachfrage. Vorfälle wie dieser passierten äußerst selten, seien aber letztlich nicht zu verhindern″.

Ein Zirkussprecher betonte am Donnerstag, dass kein Besucher Angst vor den Tieren haben müsse. Das Unglück sei ein einmaliger Vorfall gewesen, und die Sicherheit des Publikums stehe neben dem Tierwohl an erster Stelle. Eine generelle Regelung zur Kartenrückgabe gebe es jedoch nicht. Baulich will der Zirkus keine Änderungen vornehmen. So werde die Loge weiterhin in Teilen an die Manege grenzen.

Berlin ist zuständig

Auftritte von Wildtierzirkussen stehen schon seit längerer Zeit in Osnabrück in der Diskussion. Vor zwei Jahren hatte der Stadtrat ein Auftrittsverbot auf städtischen Flächen für Zirkusse beschlossen, die mit Wildtieren arbeiten. Die Osnabrücker Herdbuchgenossenschaft (OHG), der die bei Zirkussen beliebte Fläche an der Halle Gartlage gehört, wollte sich diesem Verbot anschließen. Rechtliche Bedenken führten jedoch zur Rolle rückwärts: Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht stellte in einem vergleichbaren Fall aus Hameln fest, dass damit zu weit in die Berufsfreiheit der Zirkusunternehmen eingegriffen würde. Allein aus tierschutzrechtlichen Gründen könne ein Gastspiel von Wildtierzirkussen nicht untersagt werden. Der Bund müsse für eine entsprechende rechtliche Grundlage sorgen was bislang nicht geschehen ist.

Auf Initiative von CDU, SPD, Grünen und BOB hob der Stadtrat daher im November 2017 das Verbot auf. Gleichzeitig sprachen sich die Ratsmitglieder weiterhin gegen die Haltung und das Zurschaustellen von Wildtieren in Zirkussen aus ein Beschluss ohne rechtliche Bindung für Veranstalter und Vermieter wie die OHG. Inhalt des Beschlusses war zudem ein Appell an die OHG, weiterhin nur Zirkussen ihre Flächen zu überlassen, die keine Wildtiere mitführen.

Die Diskussion bekommt durch den Zwischenfall neuen Schub. Ratsmitglied Nils Ellmers (Piratenpartei) sagte am Donnerstag: Wildtiere gehören nicht zur Unterhaltung vorgeführt. Es ist unverständlich, dass die OHG ihre finanziellen Interessen über das Wohl der Tiere und Menschen gestellt hat.″ Seine Fraktion fordere, dass sich die OHG an ihr Wort halte und keine Zirkusse mit Wildtieren auf ihren Grundstücken auftreten lasse.

Auch die Linke schließt sich den Forderungen ihrer Ratskollegen an. Zudem solle die Stadt überlegen, ob Auftritte von Wildtieren in Zirkussen mit dem Argument der Gefahrenabwehr untersagt werden könnten.

Die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Miriam Staudte, sagte: Wilde Tiere gehören nicht in den Zirkus und können dort nicht artgerecht gehalten werden.″ Staudte beklagte, dass die Bundesregierung Initiativen des Bundesrates blockiere, in denen ein entsprechendes Verbot gefordert worden sei. Eine Sprecherin der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sagte: Es ist notwendig, über den Einsatz von Wildtieren im Zirkus und ob er noch zeitgemäß ist, zu diskutieren.″ Niedersachsens Tierschutzbeauftragte Michaela Dämmrich bezeichnete ihn als nicht mehr zeitgemäß″.

Am Mittwoch war Elefantenkuh Mala während der Vorstellung von ihren Artgenossen in den Zuschauerbereich gedrängt worden. Mala stürzte über den Manegenrand auf die vorderen Zuschauerplätze. Ein Mann erlitt leichte Verletzungen.

Bildtext:
Salbe für das verletzte Bein: Elefantenkuh Mala, die während der Premierenvorstellung am Mittwoch von ihren Artgenossen in die Zuschauerreihen geschubst wurde, geht es gut.
Foto:
Michael Gründel

Osnabrück Amtsveterinärin Jutta Breuer hat gestern die Tierhaltung im Cirkus Krone inspiziert. Sie vermutet: Die ungeklärte Rangordnung unter den Krone-Elefanten könnte die Attacke ausgelöst haben.

Der Vorfall während der Premierenvorstellung hat bundesweites Interesse ausgelöst. Zahlreiche Presseteams seien heute rund um die Halle Gartlage unterwegs gewesen, erzählt Jutta Breuer, die Amtsveterinärin von Stadt und Landkreis Osnabrück. Eine gewisse Hektik habe daher die Situation bestimmt, die sie bei ihrer unangekündigten Kontrolle vorgefunden habe. Das hat sich ein Stück weit natürlich auch auf das Verhalten der Tiere niedergeschlagen″, sagte Breuer

Amtsveterinäre führen routinemäßig unangekündigte Kontrollen in Zirkussen durch, insofern stand Breuers Besuch in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Ereignis des Vortages. Allerdings widmete die Tierärztin den Elefanten besondere Aufmerksamkeit. Insgesamt kann man sagen, dass alle fünf Tiere wohlauf sind, wobei die gestürzte Elefantenkuh natürlich noch an einigen Blessuren laboriert.″ Die sichtbaren Resultate des Sturzes, Blutergüsse und Hautabschürfungen, würden derzeit von einer Tierärztin des Zirkus behandelt. Deren Mittel der Wahl seien kühlende Salben. Insgesamt habe Elefantendame Mala Angriff und Sturz wohl ganz gut weggesteckt. Sie steht derzeit in einer eigenen Box, hat aber Kontakt zu den anderen Elefanten. In den nächsten Tagen und Wochen wird sie sicherlich geschont werden.″

Breuer hat die Aufnahmen von der Attacke in der Manege mehrmals studiert, ihrer Meinung nach ist der Angriff durch die andere Elefantenkuh sehr bewusst erfolgt. Dieser Eindruck fügt sich offenbar in einen Hierarchiestreit, der unter den fünf Elefanten schwelt. Nach dem Tod einer Leitkuh im vergangenen Jahr sei die soziale Rangordnung derzeit ungeklärt. Die Attacke auf Mala, mit 56 Jahren ältester Elefant und entsprechend gebrechlich, sei wohl in diesen Kontext einzuordnen. In der Wildnis sind solche Attacken bei Hierarchiestreitigkeiten nichts Ungewöhnliches, und wahrscheinlich haben wir genau das gestern in der Manege erlebt.″

Der Circus Krone steht in der Kritik von Tierschutzorganisationen. Krone würde seine Tiere unter widrigen Bedingungen halten und mit brutalen Mitteln dressieren. Zumindest während ihrer Visite habe sie nichts wahrgenommen, was die Angriffe rechtfertigen würde, sagte Breuer. Die Stallbedingungen sind gut, nimmt man die Zirkusleitlinie als Grundlage, haben die Tiere sicher ausreichend Platz.″ Auf lange Sicht sei die Unterbringung der Tiere zwar sicher nicht optimal″, akut bestehe aber kein Handlungsbedarf. Zwischen den Mitarbeitern des Zirkus und den Tieren erscheine das Verhältnis als ein professionelles und harmonisches. Ich habe während meines Aufenthaltes jedenfalls keine Dissonanzen gespürt″, unterstreicht Breuer.

Offen lässt sie die Frage, ob das Leben im Zirkus grundsätzlich für Wildtiere angemessen sei. Es gibt eine Gesetzeslage. Und die gibt eine derartige Haltung von Tieren derzeit ganz klar her.″

Wild- oder Nutztiere?

Den Elefanten verbindet eine lange gemeinsame Geschichte mit dem Menschen. Bereits in der Antike zähmten Menschen Elefanten, um sie für Arbeits- und Kriegsdienste zu nutzen. Prominentestes Beispiel dafür dürfte wohl Hannibals Feldzug gegen Rom sein, in dessen Verlauf der karthagische Feldherr 218 vor Christus mit Elefanten die Alpen überquerte. Besonders in Asien nutzen Menschen auch heute noch die Arbeitskraft von Elefanten was die Elefanten aber nicht automatisch zu Nutztieren macht. Der deutsche Tierschutzverband weist darauf hin, dass Arbeitselefanten wie auch solche in Zirkussen oder in Zoos in aller Regel der freien Wildbahn entnommen und anschließend gezähmt werden. Nutztiere seien klassischerweise im Rahmen eines Jahrhunderte währenden Domestikationsprozesses an das Leben mit dem Menschen angepasst und würden vor allem über Zucht reproduziert. Da der Elefant diese Kriterien nicht erfülle, zähle er trotz gelegentlicher Nutzung durch den Menschen zu den Wildtieren.
Autor:
Sebastian Philipp, Sebastian Stricker, Markus Pöhlking


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