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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
„Können wieder Weltmeister werden″
Zwischenüberschrift:
Gunda Rachut im Gespräch über Bedeutung und Zukunft von Recycling
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bei der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister laufen die Fäden in Sachen Recycling künftig zusammen. Ein Gespräch mit Vorstand Gund Rachut über Herausforderungen, Recyclingquoten und Transparenz im System.

Deutschland wird oft als Recycling-Weltmeister″ bezeichnet. Inwieweit können Sie dem zustimmen?

Ich bin optimistisch, dass der Titel bald wieder verdient nach Deutschland zurückgeholt wird. In den vergangenen Jahren gab es zu wenig Anreize, den erreichten Standard auszubauen. Das Verpackungsgesetz hat hier mit den hohen Quoten anspruchsvolle Ziele gesetzt; die Entsorgungswirtschaft hat bereits investiert. Nun muss noch der Verbraucher abgeholt und motiviert werden. Wenn die vielen Wertstoffsammler in den Haushalten endlich wieder darüber informiert werden, dass die getrennte Sammlung von Wertstoffen und Abfällen gelebter Umweltschutz ist, wird auch hier wieder ein besseres Niveau erreicht. Und dann wird die Mülltrennung hoffentlich dem Fußball gleichgestellt.

Ein Großteil des recycelten Materials wird nicht erneut dem Kreislauf zugeführt, sondern thermisch verwertet. Lohnt sich da Recyceln überhaupt?

Das neue Verpackungsgesetz ist hier rigide: Es fordert Verwertungs- bzw. Recyclingquoten, die nur schwer zu erreichen sind. Da muss relativ viel passieren, von Design for Recycling mit besser verwertbaren Verpackungen bis hin zu neuen Einsatzmöglichkeiten für Rezyklate. Wir müssen Ressourcen so lange wie möglich im Kreislauf halten. Es ist zudem gelebter Klimaschutz. Daraus allein ergibt sich: Es lohnt sich immer mehr.

Das System ist nicht nur kompliziert, es scheint auch zu kranken. Das Insolvenzverfahren von ELS ist jüngst eröffnet worden, dem System fehlen Millionen. Wie krank ist der Patient″ wirklich?

Das sehe ich ganz anders: Das System der Produktverantwortung, welches vor 25 Jahren geschaffen wurde, war ein weltweites Erfolgsmodell. Es ist vielfach kopiert worden und hat sehr gut funktioniert. Es gab Schwachstellen, die mit dem Verpackungsgesetz eliminiert wurden. Das führt auch zu einer Marktbereinigung, Akteure, die zum Beispiel mit reinen Billigmodellen gearbeitet haben, müssen sich auf einen neuen ökologischen Wettbewerb auf hohem qualitativen Niveau einstellen. Das gelingt vielleicht nicht jedem. Gleichzeitig gibt es viele neue Herausforderungen: So passiert zum Beispiel auf dem Markt der Sortier- und Verwertungstechnologie sehr viel, es kommen ganz neue Akteure auf den Markt. Sie sehen: Mein Bild ergibt eine ganz spannende Aufbruchzeit mit ganz vielen Chancen. Oder, um in Ihrem Bild zu bleiben: Der Patient″ hatte vielleicht aufgrund von Stagnation eine Schwächephase, geht aber nach den Eingriffen deutlich gestärkt hervor.

Inwieweit vereinfacht die bundesweit tätige Stiftung das System, wenn sie im Januar 2019 ihre Arbeit aufnimmt?

Bislang liefen Daten an 18 verschiedenen Stellen auf, die jedoch nicht miteinander vernetzt waren, in 16 Bundesländern haben sich Bearbeiter zum Teil mit identischen Sachverhalten auseinandergesetzt. Nunmehr läuft alles zentral an einer Stelle zusammen, die Daten und Informationen können effizient ausgewertet werden und dann in aufbereiteter Form an die Länder weitergegeben werden, sodass sie im Rahmen ihrer Kernkompetenz bleiben können. Neben einem hohen Zuwachs an Transparenz durch die Zentralität der Daten entsteht auch ein hoher Effizienzgewinn.

Ab August können sich Unternehmen vorregistrieren″. Mit wie vielen Registrierungen rechnen Sie?

Diese beiden Aspekte sind unabhängig voneinander. Die Registrierung bezieht sich auf Hersteller von Produkten. Wir rechnen mit einer hohen Anzahl von Registrierungen, dies wird im sechsstelligen Bereich liegen.

Was kann sich das Recycling-System für Plastik von den Systemen für Glas oder Papier abschauen?

Diese Systeme sind nicht vergleichbar. Glas wird nach wie vor überwiegend im Bringsystem gehandhabt, da Glas in abnehmendem Maße als Verpackungsmaterial eingesetzt wird, sodass ein Holsystem aufgrund der geringen Menge unbezahlbar wäre. Papier und Kartonagen müssen von den sogenannten Leichtstoffverpackungen getrennt gesammelt werden, da sie nicht technisch voneinander sortierbar wären. Die sogenannten Leichtstoffverpackungen (Verpackungen aus Kunststoff, Metallen und Verbunden) können sortiert werden und fallen in so hoher Menge an, dass sich ein Holsystem lohnt. Die Systeme zur Entsorgung von Abfällen werden permanent einer Überprüfung unterzogen, und es wird geschaut, welche Optimierungen sinnvoll sind. Das hängt von vielen Faktoren ab, vor allem der Siedlungsstruktur. So gibt es in ländlichen Gebieten andere Prioritäten als in Gebieten mit hoher Siedlungsdichte, zum Beispiel in Innenstädten.

Wortführer im O-Ton: Das ganze Interview auf noz.de/ wirtschaft

Bildtext:
Der Inhalt des gelben Sacks wird derzeit nicht zwangsläufig recycelt.
Foto:
dpa/ Patrick Seeger
Autor:
Nina Kallmeier


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