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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Pachtpreise steigen in utopische Höhen
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Umweltbehörde kritisiert Landwirte″ (Ausgabe vom 6. Juni).

In diesem Bericht wird ausschließlich die Angst geschürt ohne Perspektivwechsel. Zu ausgewogener, fairer und wertfreier Information gehört auch, darauf hinzuweisen, dass Handel und Verbraucher ebenfalls keinerlei Fortschritte zum Thema Optimierung der Landwirtschaft machen. Beispiel Lebensmittelverschwendung. Fünfhunderttausend Tonnen Brot werden jedes Jahr in Deutschland weggeworfen! Fast die Hälfte aller produzierten Kartoffeln findet im Handel wegen kleiner Fehlstellen keine Abnehmer, obwohl Ernährungswert und Geschmack gut wären.

Ökologisch wäre, wenn diese Mengen Lebensmittel gar nicht erst produziert werden müssten. Immer noch werden nur zehn Prozent des monatlichen Einkommens für Lebensmittel aufgewendet. Vom Brotpreis erhält der Landwirt gerade mal vier Prozent. Auch bei der Flächenversiegelung keine Fortschritte. Täglich werden allein in Deutschland 95 Hektar Ackerfläche bebaut und zubetoniert. Unwiederbringlich verloren. Für immer. Aber in Zeiten der Wohnungsnot wird das unkommentiert in Kauf genommen. Ackerland ist im Augenblick die einzige gewinnbringende Kapitalanlage für Menschen mit viel Geld.

Und so steigen die Pachtpreise für Landwirte in utopische Höhen. Mindestens diese Betriebskosten müssen wirtschaftlich wieder reinkommen. Die Agrarlandpreise stiegen in den letzten zehn Jahren um 126 Prozent. Pro Einwohner stehen heute nur noch knapp 2000 Quadratmeter Ackerland zur Verfügung. Das ist ein Drittel Fußballfeld. Könnten Sie sich davon selbst ernähren? Ein ganzes Jahr lang? Selber anbauen, ernten, verarbeiten, konservieren? Alles, was sie brauchen. Nein? Keine Zeit? Einem einzigen Landwirt gelingt es heutzutage, Lebensmittel für 150 Menschen sicher zu produzieren und fast zum Selbstkostenpreis abzugeben. Folgen einer Missernte bleiben vom Verbraucher völlig unbemerkt. Das baden die Landwirte alleine aus, und die Lücken im Supermarkt werden mit hohem logistischen Aufwand gefüllt.

An der Umweltverschmutzung durch Tourismus sind Landwirte jedenfalls völlig unbeteiligt. Flugreisen oder Kreuzfahrten kommen in dieser Berufsgruppe praktisch nicht vor. In den letzten fünf Jahren gaben in Niedersachsen mehr als 1700 landwirtschaftliche Betriebe auf, weil das geringe Einkommen in keinem Verhältnis mehr steht zu dem Arbeitsaufwand und der Selbstausbeutung vieler bäuerlicher Familien. Der moralische Druck durch unsachliche Berichterstattung steigt immer weiter und wird von vielen als ungerecht und unerträglich empfunden. Die Folge sind neben Resignation auch Rückzug aus der Öffentlichkeit und weniger Dialog. Schade. […]″

Silke Wissing

Bissendorf
Autor:
Silke Wissing


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