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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Ist das hier Schilda?″
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf innerstädtische Tempolimits und Parkraumkontroversen aufs Korn nahm
Artikel:
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Originaltext:
Ob Abgasemission, Tempolimits oder die leidige Parkplatzfrage: Das teils hitzige Ringen um Lösungen für den Straßenverkehr hält die Fraktionen des Osnabrücker Rates derzeit in Atem. Ein Blick auf Fritz Wolfs Karikaturen aus den 1950er-Jahren verrät, dass diese aktuellen Reizthemen eine lange Tradition haben.

Osnabrück Für gewöhnlich setzte der Karikaturist in seiner Osnabrücker Wochenschau″ mit samstäglichen Wochenrückblicken bis zu vier aktuelle lokale Ereignisse ins Bild. Am 3. Juli 1954 beschränkte er sich indes auf jenen Ratsantrag, mit dem eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/ h im gesamten Osnabrücker Stadtgebiet eingeführt werden sollte.

Fritz Wolfs Bildidee ist dabei ebenso einfach wie genial: Die Osnabrücker Altstadt mit Rathaus, Giebelhäusern am Markt, Hotel Walhalla und Katharinenkirche ist mit einem Band gegen die Außenwelt abtrassiert, während Verkehrsschilder an den Zugängen auf die neue Höchstgeschwindigkeit verweisen. Dabei kommt das Band einer neuen Stadtmauer gleich, die Gäste und Besucher frustriert zur Umkehr veranlasst.

Ab nach Bielefeld″ oder Zurück nach Holland″ schimpfen die Fahrer schnittiger Limousinen, und präsentieren damit schon in den Fünfzigern jene Argumente, mit denen Gegner restriktiver Verkehrsregeln auch heute noch die Gefahren für die Konkurrenzfähigkeit des Ober- und Einkaufszentrums Osnabrück benennen.

Ebenso sind in der gegenwärtigen verkehrspolitischen Diskussion der Stoßseufzer Ihr müßt auch an uns arme Fußgänger denken!″, die Forderung nach einer Fokussierung auf gefährliche Straßen″ oder die spöttische Frage Ist das hier Schilda? nicht gänzlich unbekannt.

Den Markt samt Rathaus und Stadtwaage nahm Fritz Wolf am 27. September 1958 ein zweites Mal in den Blick: Verzweifelt sucht ein britisches Touristenpaar angesichts einer Unzahl parkender Autos den Rat eines Passanten: Wo ist der Marktplatz, please?

Für Freunde der städtischen Nachkriegsgeschichte lohnt ein genauer Blick auf die Zeichnung: Das Gerüst am Südwestwinkel des Marktes deutet an, dass hier gerade die heutige Stadtbibliothek gebaut wird.

Bereits am 21. Mai 1955 hatte Wolf die Inflation der Parkuhren mit spitzer Feder kommentiert: Während ein pfiffiger Autofahrer seinen Sohn verpflichtet, bis zu seiner Rückkehr an der Uhr zu verweilen und nachzuwerfen, nutzt ein nächtlicher Zecher die gebührenpflichtige Parkbucht als Ruheplatz und das selbstverständlich gegen korrekte Bezahlung. Die Fahrerin eines VW Käfers mutmaßt dagegen: Da macht die Stadt einen ganz schönen Reibach.″

Schließlich sei auch ein Blick auf niedersächsische Landesobliegenheiten gestattet: Am 4. November 1958 kommentieren zwei Osnabrücker Fußgänger eine innerstädtische Massenkarambolage in der Wolf′schen Karikatur lakonisch mit den Worten: Osnabrück hat halt zu wenig Verkehrspolizisten.″

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

100 Jahre Fritz Wolf

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Das Diözesanmuseum zeigt noch bis zum 15. Juli in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! Wolf′sche Karikaturen zu regionalen Themen. Weitere Fritz-Wolf-Ausstellungen zu den Themen Kunst, Musik, Kirche, Umwelt und Fußball sind im Stadtmuseum Quakenbrück, im Kunstverein Melle, im Ludwig-Windthorst-Haus in Holthausen-Biene bei Lingen sowie im Museum am Schölerberg und im dortigen Kreishaus zu sehen, während das Museum Industriekultur derzeit 24 Zeichnungen in seiner Sonderausstellung Na dann, Prost! zur Osnabrücker Kneipenkultur präsentiert.

Informationen erteilt Sebastian Scholtysek, Telefon 01 76/ 31 11 06 63, E-Mail: post@ Fritz-Wolf.de

Bildtext:
Karikaturist Fritz Wolf (1918–2001)
Foto:
M. Hehmann
Autor:
Hermann Queckenstedt


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