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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke planen neues Busnetz
 
Busnetz wird umgekrempelt
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke Osnabrück stellen Entwürfe für künftige Linienführungen vor
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der öffentliche Nahverkehr in Osnabrück steht vor tief greifenden Veränderungen. Im Herbst 2019 soll das städtische Busnetz durch ein neues ersetzt werden. Gestern stellten die Stadtwerke ihre Pläne vor. Die Entwürfe fußen auf einem dreistufigen Liniensystem. Es besteht aus fünf sogenannten Metrobus-Linien, die auf elektrifizierten Hauptachsen verkehren. Hinzu kommt eine Reihe von untergeordneten Stadtbus- und Ergänzungslinien. Neu im Angebot ist eine Tangentialverbindung im Norden von Osnabrück. Sie verbindet halbkreisartig mehrere Stadtteile und wichtige Ziele, ohne über den Neumarkt zu fahren. An anderer Stelle sollen dafür Fahrten mit geringem Passagieraufkommen wegfallen. Ab Mitte Juni soll die Öffentlichkeit am weiteren Verfahren beteiligt werden.

Nach zwölf Jahren wird das Osnabrücker Busnetz im Herbst 2019 durch ein neues ersetzt. Entwürfe der Stadtwerke sehen mehr direkte und schnellere Verbindungen vor, besonders im Norden. Wenig genutzte Angebote sollen wegfallen.

Osnabrück Vorstand Stephan Rolfes kündigte am Mittwoch einen tiefen Eingriff″ in die Dienste des kommunalen Verkehrsbetriebs an. Ziel aller geplanten Veränderungen sei es, den öffentlichen Nahverkehr in Osnabrück hochattraktiv und hochleistungsfähig″ zu machen. Zuletzt war das Busnetz 2007 angepasst worden.

Seitdem habe sich die Stadt stetig weiterentwickelt, stellte Rolfes fest. Es gibt neue Wegebeziehungen, zudem stellen veränderte Arbeitszeiten und andere Einkaufs- und Freizeitgewohnheiten neue Anforderungen an unser Nahverkehrsangebot.″ Auch die Debatte um Schadstoffemissionen und Luftreinhaltepläne mache ein neues Busnetz im kommenden Jahr erforderlich.

Zum Herbst 2019 sollen deshalb wichtige Achsen gestärkt, Linienwege begradigt und bestimmte Bereiche anders angebunden werden. Außerdem geplant ist eine Ausweitung des Tagestaktes von montags bis freitags. Nach Ansicht von Werner Linnenbrink, Leiter Mobilitätsangebot bei den Stadtwerken, sind die Busse dadurch schneller unterwegs. Um sie weiter zu beschleunigen, gebe es in Osnabrück aber noch viel zu wenig Busspuren. Nur 5 von 259 Streckenkilometern im aktuellen Netz seien für den ÖPNV reserviert. Ausbaufähig″, findet Linnenbrink.

Schnelle Metrobusse

Hauptstrecken werden nach Vorstellungen der Experten künftig von sogenannten Metrobussen bedient und schrittweise elektrifiziert beginnend Ende 2018 oder Anfang 2019 mit der Linie 41 (Düstrup–Haste; künftig M1). Es folgen im Jahresrhythmus die neuen Metrobus-Linien M2 (Hauptbahnhof–Landwehrviertel) und M3 (Hagen–Sutthausen–Schinkel-Ost). Weitere Metrobus-Linien sollen zwischen Ikea in Hellern und Belm/ Astruper Heide (M4) entstehen sowie zwischen Dodesheide/ Waldfriedhof und Kreishaus/ Zoo (M5). Letztere könnte voraussichtlich 2020 nach Oesede weitergeführt werden.

Alle Metrobus-Linien sollen tagsüber grundsätzlich im Zehn-Minuten-Takt fahren (täglich außer sonntags), zu Randzeiten alle 15 oder 30 Minuten. Wichtig: Regionalverkehrsachsen bleiben ins Osnabrücker Busnetz integriert. Keiner muss wegen der E-Bus-Linien umsteigen″, versicherte Linnenbrink. Auf untergeordneten Strecken sollen Stadtbusse tagsüber im 20-Minuten-Grundtakt (montags bis freitags) verkehren, samstags alle halbe Stunde, spätabends sowie sonntags stündlich.

Tangente im Norden

Wesentlicher Bestandteil des künftigen Angebots soll zudem eine neue Tangentialverbindung sein, die halbkreisartig mehrere Stadtteile und wichtige Ziele im Norden von Osnabrück miteinander verbindet, ohne über den Neumarkt zu fahren. Als Linie 110 verkehrt sie zwischen Heger Friedhof (Weststadt) und Gewerbegebiet Hasepark (Fledder). Entlang der Strecke liegen etwa das Klinikum am Finkenhügel und die Paracelsus-Klinik, auch Nettebad und VfL-Stadion Bremer Brücke″ sind nah. Die Tangentialverbindung soll montags bis freitags im 30-Minuten-Takt bedient werden. Nach Berechnungen der Planer verkürzen sich dank der Linie 110 die Fahrtzeiten zwischen Schinkel und Dodesheide von 28 auf 7 Minuten, zwischen Dodesheide und Haste sogar von 40 auf 5 Minuten.

Auf der Streichliste

Darüber hinaus sehen die Entwürfe den Wegfall von Fahrten vor, welche die Stadtwerke mangels Nutzung für verzichtbar halten. Dazu gehört die Direktverbindung Hauptbahnhof–Zoo/ Kreishaus. Das bedeutet: Zoobesucher, die mit der Bahn nach Osnabrück reisen, müssten auf der Weiterfahrt mit dem Bus künftig einmal umsteigen. Auf der Streichliste stehen ferner die Anbindungen Widukindland, Gretesch, Hörne und Berningshöhe (Stadtteilbus).

Die Planungen für das Busnetz 2019 sind nach Angaben der Stadtwerke so weit gediehen, dass sie nächste Woche Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt und diskutiert werden können. Anschließend beginne die Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Bis Mitte August haben alle Bürger die Möglichkeit, sich über die aktuellen Entwürfe zu informieren und ihre Hinweise und Anmerkungen zu geben″, erklärte Sprecher Marco Hörmeyer. Ende Oktober soll der Rat dann einen endgültigen Beschluss fassen.

Bürgermeinung gefordert

Das Ergebnis der Beratungen sei völlig offen. Die Pläne sind nicht final und in Stein gemeißelt″, betont Fahrplanleiter Thomas Schniedermann von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos). Den Experten sei bewusst, dass nicht alle ihre Vorschläge auf Gegenliebe stoßen würden. Deshalb sei ihnen die frühzeitige Einbindung von Kunden und Fahrgästen so wichtig. Schniedermann: Wir wollen ehrliche Rückmeldungen einholen und uns ein genaues Bild machen.″

Lass es fließen! Alles über den Stadtverkehr in Osnabrück lesen Sie bei uns im Internet auf noz.de/ verkehr-os

Bildtext:
Hier geht′s lang: Das Osnabrücker Busnetz wird im Herbst 2019 nach zwölf Jahren durch ein neues ersetzt. Fahrplanleiter Thomas Schniedermann von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) stellte am Mittwoch die Entwürfe der Stadtwerke vor.
Foto:
Thomas Osterfeld

Osnabrücker ÖPNV in Zahlen

Nach Angaben des Verkehrsbetriebs sind zurzeit jeden Tag über 150 Busse auf 24 Linien in Osnabrück und Belm unterwegs. An den mehr als 800 Haltestellen steigen jährlich 36 Millionen Menschen ein und aus, die meisten davon am Neumarkt. Dort werden den Angaben zufolge jeden Tag 45 000 Fahrgäste gezählt. Für 85 Prozent von ihnen ist der Platz entweder Start oder Ziel. Die übrigen 7000 Buskunden wechseln dort in andere Linien. Damit hat der Neumarkt allein so viele Umsteiger wie der Hauptbahnhof als zweitgrößte Busstation in der Stadt Busfahrgäste insgesamt. Der öffentliche Nahverkehr in Osnabrück ist ein kommunales Zuschussgeschäft. Die jährlichen Gesamtkosten beziffern die Stadtwerke mit 35 bis 40 Millionen Euro. Der Entwurf für das Busnetz 2019 ist laut Vorstand Stephan Rolfes aufwandsneutral. Extrawünsche würden das Angebot verteuern.

Kommentar
Stern mit Banane

Die Pläne für das Osnabrücker Busnetz 2019 bieten reichlich Zündstoff. Bei dem am Mittwoch vorgelegten Entwurf der Stadtwerke wird und soll es deshalb nicht bleiben. Auch wenn die Angebotsmacher viele Vorschläge, die in den vergangenen Jahren von verschiedenen Seiten auf den Tisch kamen, aufgegriffen haben.

Die neue Tangentialverbindung im Norden etwa könnte sich als großer Wurf entpuppen. Anders als es im Süden sinnvoll möglich wäre, verkürzt sie Fahrtzeiten in benachbarte, eng vernetzte Stadtteile mitunter drastisch, bedient außerdem eine ganze Reihe herausragender, dezentral gelegener Pendler-, Einkaufs- und Besucherziele ohne Umwege. Nicht zuletzt entlastet eine solche Bananenlinie″, wie wir sie wegen ihrer Form einmal nennen wollen, den Neumarkt. Der bleibt zwar nach wie vor die wichtigste Drehscheibe für den öffentlichen Nahverkehr. Doch ist künftig nicht mehr alles sternförmig auf diesen Platz zugeschnitten.

Spannend wird es allerdings, wenn die parallel geführte politische Debatte über einen auto- oder sogar busfreien Neumarkt ergeben sollte, dass der ÖPNV in Osnabrück sich künftig ganz andere Wege suchen muss. Aus Sicht des Verkehrsbetriebs wäre das nicht weniger als eine Katastrophe.
Autor:
Sebastian Stricker


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