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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Kein Zwangsticket, sondern eine Zwangsverfügbarkeit″
Zwischenüberschrift:
Wissenschaftler spricht sich für Bürgerticket aus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Beim 9. Bürgerdialog Verkehrswende ging es in dieser Woche im Ratssitzungssaal um die Möglichkeiten eines sogenannten Bürgertickets für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der Fachmann Dr. Gregor Waluga zeigte verschiedene Möglichkeiten und Ideen auf, wie eine stärkere Nutzung von Bus und Bahn erreicht werden könnte.

Waluga, promovierter Diplomgeograf aus Neuss, hatte sich bereits in seinem Studium mit dem Thema Zentren-Erreichbarkeit in ländlichen Räumen beschäftigt. Für seine Doktorarbeit testete er in Wuppertal die Möglichkeiten eines Bürgertickets.

Grundsätzlich unterstütze er das Konzept Bürgerticket″, sagte Waluga. Der ÖPNV wird allein wegen des Klimaschutzes immer wichtiger.″ Man müsse aber mehr investieren, um diese Verkehrsform interessanter zu machen. Tarifgrenzen beispielsweise widersprächen der heute üblichen Mobilität.

Einem Nulltarif erteilte Waluga eine Absage. Das Bürgerticket kostet etwas″, stellte er klar. Fast alle Bürger zahlen dabei einen monatlichen Beitrag und erhalten dafür eine Fahrtberechtigung für den ÖPNV. Ein Semesterticket für alle Bürger″, beschrieb er es. Grundsätzlich sei das Bürgerticket kein Zwangsticket, sondern eine Zwangsverfügbarkeit. Die Zahlung motiviere zur Nutzung.

Um zu testen, wie sich die Nutzung des ÖPNV durch ein Bürgerticket entwickelt, hatte Waluga in Wuppertal ein Experiment gestartet. Drei Monate erhielten seine 14 Probanden für 27 Euro pro Monat die Hälfte des normalen Abo-Preises ein Bürgerticket. Das Ergebnis war eindeutig. Viele Testpersonen nutzten das Angebot. Insgesamt gehe die Wissenschaft derzeit davon aus, dass die Folge eines Bürgertickets zwischen 10 und 30 Prozent ÖPNV-Mehrnutzung wäre. Nach dem Experiment ging die Nutzung in Wuppertal wieder auf den Ausgangswert zurück.

Im Zentrum der Diskussion um ein Bürgerticket steht die Frage nach der Finanzierung. Auf der Kostenseite stehen der Geltungsbereich, eine eventuelle Kontingentierung, mögliche Zusatzmodule oder auch der gewünschte Takt. Bei der Finanzierung müssen laut Waluga vor allem die Kompensation von Finanzierungssäulen, eine denkbare Drittnutzerfinanzierung und auch die Anzahl der Zahlungspflichtigen beachtet werden.

Auch der Geltungsbereich müsse bedacht werden. Gilt das Ticket in der Stadt, im Verbund, im Bundesland oder deutschlandweit? Hier sei derzeit wohl nur eine regionale Lösung möglich, die jedoch die Akzeptanz einschränke. In jedem Fall müsse der ÖPNV ausgebaut werden, was deutliche steigende Gesamtkosten zur Folge haben werde.

Zurzeit wird der ÖPNV aus sehr unterschiedlichen Töpfen finanziert. Das Fahrgeld macht nur etwa 43 Prozent aus, der Rest wird direkt und indirekt durch Steuern finanziert. Gleichzeitig gilt der ÖPNV als teuer und kompliziert. Hier könne ein einfach funktionierendes Bürgerticket helfen, zeigte sich Waluga überzeugt.

Ähnlich wie bei der Rundfunkgebühr könne ein verpflichtender ÖPNV-Beitrag aber wohl nur dann erhoben werden, wenn diesem ein entsprechendes Angebot gegenübersteht. Während der Veranstaltung wurde deutlich, dass für Osnabrück viele Punkte bedacht werden müssten. So kann der ÖPNV gerade in den Randbereichen bislang noch nicht den gewünschten Standard bieten. So könnten die Bürger aus vielen Landgemeinden zwar problemlos mit dem Bus zum Osnabrücker Theater fahren kämen nach der Vorstellung aber nicht mehr nach Hause. Der Wissenschaftler sieht vor allem die Politik in der Verantwortung. Sie müsse den Mut haben, ein neues System einfach einmal auszuprobieren.

Bildtext:
ÖPNV-Experte Gregor Waluga.
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Robert Schäfer


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