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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eine Allee zum Geburtstag
Zwischenüberschrift:
Der Osnabrücker Club als Nachfolger des Großen Klubs feiert 225-jähriges Bestehen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Normalerweise erhalten Geburtstagskinder Geschenke. In diesem Fall ist es umgekehrt: Der soeben 225 Jahre alt gewordene Osnabrücker Club schenkt aus diesem Anlass der Stadt 54 Bäume für eine Alleebepflanzung am Rubbenbruchsee.

Die letzten Zusagen aus dem Mitgliederkreis für eine 225-Euro-Baumspende waren noch kurz vor der Veranstaltung eingegangen, verriet der Clubvorsitzende Fritz Brickwedde. Damit sei die anvisierte Zahl von 40 Bäumen weit übertroffen. Dann wird die Allee eben länger″, meinte er. Er bat, in der Spende ein Zeichen der Identifikation unseres Clubs mit unserer Stadt″ zu sehen.

Brickwedde erwärmte damit das Herz nicht nur des Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert und der anwesenden Ratsmitglieder, sondern aller Osnabrücker, die sich zum Festakt in der Osnabrück-Halle eingefunden hatten. Zu feiern gab es den ältesten noch existierenden Verein der Stadt, der sich seit seiner Gründung am 29. Mai 1793 für die Belange des Gemeinwesens einsetzt.

Griesert blickte auf das Osnabrück des Jahres 1793 zurück. Vier Jahre nach der Französischen Revolution habe auch in der damals 8000 Einwohner zählenden Hasestadt ein Klima des gesellschaftlichen Umbruchs geherrscht. Im Club zu Osnabrück″, zu dessen Gründern Justus Möser gehörte, seien die neuen Ideen aufgenommen und diskutiert worden in einer Weise, für die es zuvor in der Ständegesellschaft keinen Rahmen gegeben habe. Sie sind bis heute Träger dieser bürgerschaftlichen Tradition″, lobte Griesert und stellte dabei launige Vergleiche her zu der benachbart in anderen Räumen der Osnabrück-Halle gastierenden Ausstellung Körperwelten″ mit plastinierten Leichen: Sie sind dagegen ein beweglicher, kraftvoller Bestandteil der lebendigen, liebenswerten Osnabrück-Welt, die ohne Sie kein so kräftig schlagendes Herz hätte.″

Den Festvortrag hielt Historiker Thorsten Heese, der als Verfasser des Standardwerks zum Großen Klub und zum frühen Vereinswesen in der Stadt tief im Thema verwurzelt ist. Er sprang kurzfristig für den eigentlich vorgesehenen, aber erkrankten Geschichtsprofessor Thomas Vogtherr ein, wofür Brickwedde ihm besonders dankte. Und das noch einmal doppelt, als Heese erklärte, das Rednerhonorar für ein Projekt des Osnabrücker Clubs spenden zu wollen, nämlich für das therapeutische Reiten der Montessori-Schule.

Heese zeichnete den Werdegang des Clubs zu Osnabrück″ nach, aus dem 1821 nach der Integration des Militärvereins″ der Große Klub″ und 1952 der Osnabrücker Club″ wurde. Die Geschichte des Clubs ist ein Spiegel der Geistesgeschichte von der Aufklärung bis heute″, sagte Heese und bezeichnete es als in Deutschland höchst seltenes Ereignis, dass ein Verein über zweieinviertel Jahrhunderte in wichtigen Fragen Kontinuität zeige.

Bildung und Aufklärung

Großen Zulauf aus den gebildeten Kreisen″ habe der Club schon bald nach der Gründung erfahren, weil hier nicht der Stand, dem man angehört habe, sondern Bildung und Aufgeklärtsein das gewesen seien, worauf es angekommen sei. Denkkorsetts, wie sie in den Kirchen vorherrschten, wurden gesprengt. Demokratische Regelungen des Vereinslebens und Gleichrangigkeit aller Mitglieder in Rechten und Pflichten waren den politischen Verhältnissen weit voraus, die Auflösung der ständischen Gesellschaft und der Übergang zur bürgerlichen Gesellschaft wurden im Club sozusagen vorweggenommen. Trotzdem war das natürlich kein Club von Revoluzzern″, rückte Heese ein vielleicht allzu schönfärbendes Bild zurecht, sondern ein Zusammenschluss von Kindern ihrer Zeit.

So stand er nur Herren offen, Damenzirkel traten erst im späteren 19. Jahrhundert auf den Plan. Und in der Kaiserzeit beging der Klub jedes Jahr feierlich den Geburtstag des verehrten Monarchen.

Eine Besonderheit des Großen Klubs war, dass er schon kurz nach seiner Gründung über ein eigenes Vereinslokal verfügte. Es stand bis zur Zerstörung 1944 im Straßeneck von Neuem Graben und Schlosswall. Also dort, wo sich heute das ehemalige Gewerkschaftshaus, das Arcona-Hotel und die Osnabrück-Halle befinden. Das Klubhaus wurde zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum der Stadt, wenn man so will, zu Osnabrücks erster Stadthalle″, sagte Heese. Berühmte Konzertvirtuosen traten hier auf, wenn sie in Osnabrück gastierten. Ungefähr an der Stelle, wo jetzt hier im Raum das Piano steht, wird es auch gestanden haben, als Clara Schumann 1861 das Osnabrücker Publikum in einen Rausch der Begeisterung versetzte″, meinte Heese.

Brickwedde ging in einer Bilderschau auf die 40 Projekte ein, die die 2011 gegründete Stiftung Osnabrücker Club″ mit rund 200 000 Euro gefördert hat, darunter Kultur-, Bildungs-, Umwelt- und Jugendprojekte ebenso wie Vorhaben der Kunstpflege, des Denkmalschutzes oder der Völkerverständigung.

Nicht nur Rahmen, sondern Inhalt des Festaktes waren Chor, Kapelle und Big Band des Gymnasiums Carolinum. Auf die Melodie von Edward Elgars Land of Hope and Glory″ trugen sie unter anderem eine auf den Osnabrücker Club umgetextete Hymne vor. Brickwedde dankte der ältesten Osnabrücker Schule, dass sie das Jubiläum des ältesten Osnabrücker Vereins in dieser Weise geschmückt habe. Er schloss die Veranstaltung mit dem Jahrhunderte alten Gruß: Klubs Wohlfahrt!

Bildtext:
Im Großen Klub an der Ecke Neuer Graben/ Schlosswall wurde auch gerne und oft gefeiert. Das um 1935 entstandene Foto zeigt eine Ballgesellschaft des Cartellverbands (CV) der katholischen Studentenverbindungen.
Foto:
Privatarchiv Riemann
Autor:
jod


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