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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Was macht die Lachmöwe in Osnabrück?
Zwischenüberschrift:
Tiere ohne Partner und Brutplatz suchen Nahrung in der Stadt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück hat einen Hafen, macht die Welle, aber zur Küstenregion darf sich die Stadt nicht zählen. Möwen können sich hier trotzdem wohlfühlen und sind besser als ihr Ruf.

Osnabrück. Die große Silbermöwe hat vieles versaut. Wer an Möwe denkt, denkt erst an Schiss und dann an Raub. Völlig enthemmt stürzt sich die Silbermöwe an der Nordseeküste auf Nichtsahnende, die eine Fischbude in dem Glauben verlassen, das gekaufte Brötchen sei ihres. Hat die Möwe den Fisch erst mal ergattert, lacht sie frech von oben herab. Dämliches Tier, mag man denken. Die gute Nachricht: Diese Möwe lässt sich in Osnabrück nicht nieder, sie zieht wie Mantel- oder Heringsmöwe allenfalls durch.

Die Möwen, die wir in Osnabrück beobachten können, sind Lachmöwen″, erklärt Herbert Zucchi, Professor für Zoologie und Tierökologie an der Fachhochschule Osnabrück. Eine der wenigen Möwenarten, die man auch im Landesinnern findet. Gebrütet wird zum Beispiel am Dümmer oder im Venner Moor. Die Nicht-Brüter, freie Vögel, die entweder keinen Partner oder keinen Brutplatz gefunden haben, treiben sich in Osnabrück rum. Anders als die freche Verwandte ist die Lachmöwe klein, tut nichts, will nicht einmal spielen. Sie vagabundiert″, erklärt Zucchi. Sie gondelt durch die Luft und schlägt überall dort auf, wo sie viel zu fressen findet. Würmer, Insekten, Müll die Lachmöwe nimmt alles, was ihr vor den Schnabel kommt.

Ihre Ausflugsziele können deshalb ruhig zum Himmel stinken: Klärwerke, Müllverwertungsanlagen, frisch gepflügte Felder spielen ganz vorne mit. Als die Deponie am Piesberg noch offen war, war sie Osnabrücks Möwen-Magnet Nummer eins. Jetzt kann man die Lachmöwen mit viel Glück auch an Pappelsee, Rubbenbruchsee, Kanal, Hafen oder Hauptbahnhof beobachten. Zum Schlafen ziehen sie sich auf große Seen zurück″, sagt Jürgen Christiansen, Leiter der Biologischen Station Haseniederung. Die Brüter haben große Kolonien in Gewässernähe. Schwarmoffensive.

Am Dümmersee stürzte die Lachmöwe zuletzt jedoch ab. In den 1980er-Jahren brüteten dort bis zu 4850 Paare, 2011 waren es nur vier. Ulrike Marxmeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Naturschutzring Dümmer, führt das auf schlechte Brutstrukturen zurück. Inzwischen zählt die Kolonie am Dümmer wieder 50 Lachmöwen-Paare, eine benachbarte am Ochsenmoor sogar 2000. Volker Blüml, Ornithologe vom Naturwissenschaftlichen Verein Osnabrück, spricht auch am Venner Moor von schwankenden Beständen: 2011 brüteten 614 Paare, 2015 kein einziges. Für 2018 rechnet Blüml mit mehr als Hundert.

Kurzfristig, damit sind in der Welt der Vogel-Population die vergangenen 20 Jahre gemeint, sei ein leichter Abwärtstrend bei den Lachmöwen zu beobachten, sagt Zucchi. Nicht besorgniserregend, aber abwärts. Was ist da los? Das verraten sie uns leider nicht″, sagt er schmunzelnd.

Die Experten können nur mutmaßen: trockengefallene Feuchtgebiete, wenig Schilf, kaum Pufferzonen zwischen Mooren und Feldern oder eine wenig ergiebige Bodenfauna? Der Einsatz von Unkrautgiften wie Glyphosat in der Landwirtschaft könne die Möwen direkt und indirekt schwächen: Wenn Insekten und Würmer sterben, stirbt der Möwe die Nahrung weg. Und beim Fressen hört der Spaß auch für die Lachmöwe auf. Kein Wunder, dass sie meistens nur ein Krächzen hervorbringt...

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Bildtexte:
Möwen-Magnet Nummer eins war früher der Piesberg.
Die Lachmöwe.
Als die Mülldeponie am Piesberg noch offen war hier 2004 konnte man Möwen in Scharen beobachten.
Foto:
Archiv/ Klaus Lindemann, Archiv/ dpa, David Ebener
Autor:
Anne Spielmeyer


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