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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Im Herbst wieder Großer Schnatgang
Zwischenüberschrift:
„Olle Use″ – Heger Laischaft feiert vom 3. bis zum 8. September
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Alle sieben Jahre bekommt ein Osnabrücker Junge an der Lotter Straße eine Ohrfeige. Die soll ihm zur Erinnerung an den ersten Grenzstein der Heger Laischaft dienen und wird während des Großen Schnatganges ausgeteilt in diesem Jahr im September.

Osnabrück. Im Jahr 1560 entstand die Heger Laischaft. In ihr waren die Bürger zusammengeschlossen, die gemeinsame Anteile an den außerhalb der Stadtmauern gelegenen Weidegründen bewirtschafteten. Die Vorsteher mit Namen Johann Frigge, Willeke van Heveren, Hinrich Tolecke und Johann Unland übernahmen damals die Verwaltung der Viehtrift im Rubbenbruch. Sinn und Zweck der Laischaft bestand in der gemeinsamen Beweidung des Viehs der innerhalb der Stadtmauern lebenden Osnabrücker Bürger. Die Interessenten haben damals erkannt, dass es ökonomisch sinnvoller war, einen Hirten für alle zu haben, als den Viehtrieb einzeln zu organisieren″, so Thomas Vogtherr, Historiker an der Universität Osnabrück. Die Laischaften (es gab derer sechs in Osnabrück) trieben aber nicht nur die eigenen Interessen um. Sie taten sich auch als Förderer der Stadtgemeinschaft hervor, finanzierten die Feuerwehr oder organisierten und bezahlten den Wachdienst. Wem es gut geht, der kann auch für andere etwas tun, sich beispielsweise für Kranke und Arme engagieren″, beschreibt Vogtherr den Gedanken der Daseinsvorsorge, der dahintersteckt.

Alle sieben Jahre trafen sich die Interessenten, so die Bezeichnung der Laischaftsmitglieder, zum Großen Schnatgang, um die Grenzen der ihnen gehörenden Flächen abzulaufen und die Grenzverläufe zu kontrollieren inklusive der Ohrfeigen als Gedächtnisstütze für den männlichen Nachwuchs. Und hatte es zum Beispiel jemand gewagt, einen Grenzstein zu versetzen, wurde diese Grenzverletzung oder auch jede andere Übertretung noch vor Ort gerügt, wobei sich die Laischafter auch nicht scheuten, einen unrechtmäßig gesetzten Zaun sofort wieder einzureißen oder einen aufgepflügten Weg mit Hacke und Schaufel wiederherzustellen. Symbolhafte Handlungen, die zugleich den alten Rechtszustand wiederherstellen sollten.

Viehwirtschaft spielt für die Heger Laischaft keine Rolle mehr. Heute ist es die Forstwirtschaft im Heger Holz, der sich die Mitglieder widmen. Wenn der amtierende Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft (sozusagen der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft), Gerhard Gust, durch den Wald geht, begegnet er auf Schritt und Tritt der Arbeit seiner Altvorderen. Denn die haben vor etwa 180 Jahren jene Eichen gesetzt, die Gust und seine Mitstreiter heute ernten. Ich bin stolz auf das, was unsere Vorfahren vor 180 Jahren geleistet haben″, sagt Gust und legt seine Hand auf die am Wegesrand aufgeschichteten Stämme, die nun verkauft werden und aus deren Erlös die Laischaft ihre Arbeit finanziert. Holzwirtschaft ist ein langfristiges Geschäft. Vor rund 300 Jahren hat die Laischaft begonnen, die Fläche, die sie bis dahin zum Weiden ihres Viehs genutzt hatte, nach und nach durch einen Wald zu ersetzen″, sagt Gust. Die Bäume, die heute gesetzt werden denn natürlich ist die Aufforstung eine weitere wesentlicher Aufgabe der Laischafter werden die Nachkommen der heutigen Interessenten ernten und dann mit dem Verkaufserlös Osnabrücks Naherholungsgebiet am Leben erhalten.

Bis dahin wird auch die Heger Laischaft weiter ihre Traditionen pflegen inklusive Großen Schnatgangs mit Ohrfeige. Heute muss allerdings nur noch ein Knabe stellvertretend für alle seine Wange hinhalten, während die Interessenten mit dem Ruf Olle Use″ (Alles unseres) den korrekten Grenzverlauf bestätigen. Und weil sich ein anstrengender Rundgang mit der Perspektive auf ein großes Fest noch besser durchhalten lässt, ist der Große Schnatgang eingebettet in ein siebentägiges Volksfest. Startschuss ist in diesem Jahr der 3. September. Gefeiert wird bis zum 8. September. Für jeden erkennbares Zeichen des Schnatgangs ist die dann von der Laischaft bunt geschmückte Altstadt. Unter dem Motto Putzigen Kiärls un lustigen Sprüerke″ hat die Heger Laischaft mit Unterstützung der Herrenteichslaischaft unter den Kinder- und Jugendfeuerwehren der Stadt Osnabrück einen Preis für die lustigsten Puppen und kreativsten Sprüche ausgelobt. Immerhin winkt ein stattliches Preisgeld von 1500 Euro. Damit wird die traditionelle Verbundenheit der Laischaften zum Löschwesen der Stadt unterstrichen.

Aber nicht nur Puppen und Sprüche werden die Altstadt zieren. Selbst gebundenes Grün wird von der Laischaft im Heger-Tor-Viertel verteilt, mit dem Straßenzüge und Häuser im Laischaftsgebiet geschmückt werden können. Einen Tag später, am 4. September, wird auf dem Marktplatz der Schnatgang ausgerufen. Im Anschluss werden gemeinsam auf dem Marktplatz Girlanden für das Laischaftsgebiet gebunden, die am Folgetag aufgehängt werden. Der Große Schnatgang startet am 7. September.

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BIldtext:
Wort- und Buchhalter Gerhard Gust (sitzend) und Historiker Thomas Vogtherr begutachten die etwa 180 Jahre alten Eichenstämme, die in diesem Jahr im Heger Holz geerntet wurden und nun zum Verkauf stehen.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Dietmar Kröger


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