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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Trinkwasserpreise in Region gestiegen
 
Trinkwasserpreise um 20 Prozent gestiegen
 
„Wir haben den Rückhalt der Landwirte″
Zwischenüberschrift:
Verbraucher im Landkreis zahlen im Jahr 40 Euro mehr als noch 2005 – Behörde: Es liegt nicht am Nitrat
 
Was der Runde Tisch Nährstoffe Osnabrück gegen die zunehmende Nitratbelastung unternimmt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Um durchschnittlich 20 Prozent sind die Trinkwasserpreise im Landkreis zwischen 2005 und 2017 gestiegen. Am teuersten ist das Trinkwasser in der Region nach Angaben des Landkreises bei den Stadtwerken Osnabrück.

Die Trinkwasserpreise sind im Kreis zwischen 2005 und 2017 um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen. Der Preisanstieg liegt damit etwa im Bundesschnitt. Laut der Unteren Wasserbehörde des Landkreises gibt es keine Erkenntnisse, dass die Steigerung im Zusammenhang mit der höheren Nitratbelastung des Grundwassers steht.

Osnabrück. Die tatsächlichen Kosten für das Trinkwasser schwanken nach Angaben des Landkreises stark. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch bezahlte eine vierköpfige Familie bei den Stadtwerken Osnabrück im vergangenen Jahr demnach 351 Euro, beim Wasserbeschaffungsverband Hoyel in Melle waren es aber nur 110 Euro, in Hasbergen 162 Euro und im kreisweiten Schnitt 219 Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 lagen die Kosten kreisweit bei durchschnittlich 179 Euro. Somit lag die Preissteigerung binnen zwölf Jahren bei 40 Euro.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums liegt der Durchschnittsverbrauch an Trinkwasser in Deutschland bei aktuell etwa 123 Litern pro Person und Tag. Für eine vierköpfige Familie liegt der Jahresverbrauch somit bundesweit bei etwa 180 Kubikmeter Trinkwasser.

Der Sprecher der Stadtwerke Osnabrück, Marco Hörmeyer, erklärt die im Vergleich zu den kleineren Wasserversorgungsunternehmen im Landkreis höheren Preise: Die Kalkulation der Wassertarife unterliegt mehreren Faktoren wie dem betrieblichen Aufwand der Wassergewinnung und - aufbereitung, den Personalkosten, den Betriebskosten für das unterschiedlich lange Leitungsnetz, den Kosten für den Betrieb der unterschiedlichen Anlagen und den anstehenden Investitionen.″ Da die Stadtwerke Osnabrück die größte Wasserinfrastruktur unterhalten müssen, sind die Trinkwasserpreise hier auch höher als im Landkreis. Die Netzlänge beträgt im Stadtgebiet 636 Kilometer, das Transportnetz ist 78 Kilometer lang. Die Stadtwerke haben rund 32 500 Hausanschlüsse im Netz. Hörmeyer verweist zudem auf Investitionen in die Modernisierung der Wasserinfrastruktur wie etwa den Bau einer sogenannten Membranfiltrationsanlage im Jahr 2005 im Osnabrücker Wasserwerk Düstrup als die seinerzeit größte Anlage dieser Art in der Wasseraufbereitung. Spezielle Membranflächen filtern dort unerwünschte Inhaltsstoffe wie etwa Nitrat aus dem Quellwasser.

Eine der Membranfiltration der Stadtwerke vergleichbare Technik, die Nitrate herausfiltern kann, kommt bei Wasserwerken im Landkreis nicht zum Einsatz. Die Aufbereitung von Rohwasser mit zu hohem Nitratgehalt erfolgt im Landkreis ausschließlich durch das Mischen mit nitratarmen Rohwasser″, sagt Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff und fügt hinzu: Das Mischen von Wässern in den Hochbehältern verursacht keine Mehrkosten.″ Das Mischen von Grundwasser in Speicherbehältern erfolge im Landkreis aus betrieblichen Gründen in einer Vielzahl von Versorgungsgebieten. Nur in wenigen Ausnahmefällen werde nitratarmes Wasser gezielt beigemischt.

Stadtwerke-Sprecher Hörmeyer sagt, dass die Aufbereitung von Rohwasser mit zu hohem Nitratgehalt durch das Mischen mit nitratarmen Rohwasser nicht die Regel sein sollte. Die Stadtwerke Osnabrück hätten sich aus Vorsorge für die teure technische Lösung der Membranfiltration entschieden: Wir waren immer weit unter den Grenzwerten, aber die Tendenz, dass immer mehr Nitrat im Grundwasser nachgewiesen wurde, war damals schon erkennbar.″ Da man laut Hörmeyer schon in den Nuller-Jahren nicht davon ausgehen konnte, dass sich das Verhältnis umkehrt, habe man sich aus Vorsorge für die hochmoderne Aufbereitungsanlage entschieden.

Zudem kooperierten die Stadtwerke mit Landwirten, um den Anstieg der Nitratbelastung im Grundwasser aufzuhalten. So begannen sie vor gut 25 Jahren, in den Wassereinzugsgebieten Ackerflächen zu kaufen. Sie erwarben insgesamt rund 180 Hektar vornehmlich rund um die Wasserwerke der Stadtwerke Osnabrück in Wittefeld (Bramsche) und Thiene (Alfhausen), um diese an Landwirte zu verpachten, die zu einer grundwasserschonenden Landbewirtschaftung verpflichtet sind. Parallel wurden rund 120 Hektar angepachtet, die mit gleicher Zielrichtung weiterverpachtet wurden.

Die Preise steigerten sich bei den Stadtwerken im Vergleich zu 2005 um rund zehn Prozent. Durch die Membranfiltrationsanlage ist der Aufwand zur Wasseraufbereitung laut Hörmeyer langfristig geringer. Das trage auch dazu bei, dass der prozentuale Preisanstieg für das Trinkwasser seit 2005 im Vergleich zu anderen Wasserversorgern geringer ausfällt. Weil die Nitratbelastung die Aufbereitung von Trinkwasser aufwendiger gemacht habe, sieht Hörmeyer darin einen Grund für insgesamt steigende Trinkwasserpreise.

Eine Sprecherin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sagte auf Anfrage unserer Redaktion: Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren entlang der Inflationsrate entwickelt. Jedoch: Wenn sich die gängige Düngepraxis nicht ändert, könnten erhebliche Mehrkosten auf die Verbraucher zukommen: Trinkwasser könnte in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent teurer werden.″ Die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordere eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung, wie aus einem BDEW-Gutachten zu den Kosten der Nitratbelastung hervorgehe.

Überall dort, wo der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser weiterhin überschritten wird, müssen laut BDEW endlich Maßnahmen ergriffen werden, die an der Quelle der Verschmutzung ansetzen. Bei Überschreitung der Grenzwerte kann es eigentlich nur noch einen Düngestopp geben″, forderte die BDEW-Sprecherin. Die Wasserwerke könnten nicht dauerhaft als Reparaturbetrieb für eine verfehlte Agrarpolitik dienen. Es sei absurd, mit teuren technischen Lösungen wie dem Verschneiden mit unbelasteten Wasser oder auch einer Membranfiltration die Symptome zu überdecken, während die Ursachen für die Verschmutzung bestehen bleiben″. Eine Membranfiltration bedeutet beispielsweise einen enormen Aufbereitungsaufwand, hohe Kosten, einen immensen Energieaufwand und ließe sich auch nicht überall realisieren. Klar sei: Ändert sich die gängige Düngepraxis nicht, kommt das die Verbraucherinnen und Verbraucher teuer zu stehen.″

Der Leiter der Wasserbehörde im Landkreis, Detlef Wilcke, hatte vor zwei Jahren berichtet, dass dieser Grenzwert im größten Teil der Landkreisfläche überschritten wurde. Er erläuterte, dass das Grundwasser in zehn Meter Tiefe so nicht als Trinkwasser zu nutzen sei und es teilweise erforderlich sei, nitrathaltiges Wasser mit nitratarmen Wasser zu mischen. Von neun Förderbrunnen im Belmer Trinkwassergewinnungsgebiet Powe-Icker-Gattberg weisen aktuell nur zwei Brunnen einen Nitratgehalt unterhalb des Grenzwerts der Trinkwasserverordnung auf, wie der zuständige Wasserverband Wittlage auf Anfrage unserer Redaktion einräumt. Die Hauptursache für die Belastung in dem Gebiet sieht Wilcke im landwirtschaftlichen Dünger und hofft, dass ein vor einem Jahr gegründeter Runder Tisch Nährstoffe Osnabrück″ dazu beiträgt, die Nitratwerte langfristig zu senken. Aktuell wird im Grundwasser des Landkreises an sechs Messstellen ein Nitratgehalt über dem Grenzwert gemessen.

Bildtext:
Das Trinkwasser der Region ist teurer geworden. Die Wasserwirtschaft warnt wegen der Verschmutzung des Grundwassers vor weiter steigenden Preisen.
Foto:
dpa

Kommentar
Moderater Anstieg

Der Anstieg der Trinkwasserpreise ist moderat. Wenn Verbraucher im Jahr 2017 durchschnittlich 40 Euro mehr als 2005 bezahlen, dann entspricht das einem Anstieg von rund drei Euro pro Jahr. Das ist verkraftbar. Auch prozentual haben sich die Preise entlang der Inflationsrate entwickelt.

Alarmierend ist aber, dass von neun Förderbrunnen im Belmer Trinkwassergewinnungsgebiet Powe-Icker-Gattberg nur zwei Brunnen einen Nitratgehalt unterhalb des Grenzwerts der Trinkwasserverordnung aufweisen. Es kann nicht sein, dass erst nitratarmes Wasser beigemischt werden muss, damit man es als Trinkwasser nutzen kann.

Der Landkreis hat bereits reagiert, das Wasserschutzgebiet Belm-Nettetal ausgewiesen und damit die Ausbringung von Wirtschaftsdünger, Gülle und Gärresten auf den besonders gefährdeten Böden verboten. Auch der Runde Tisch Nährstoffe Osnabrück und die verschärfte Düngeverordnung sind wichtige Schritte, um zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Nährstoffen beizutragen.

Doch auch der Wasserversorger muss handeln. Der Wasserverband Wittlage sollte dem Osnabrücker Vorbild folgen und auf eine technische Lösung wie die Membranfiltration setzen, um Nitrat aus dem Wasser zu filtern.

Osnabrück. Gut ein Jahr nach der Gründung des Runden Tisches Nährstoffe Osnabrück zieht der Geschäftsführer des Runden Tisches, Jörg Schomburg, ein positives Resümee: An den sechs vom Runden Tisch organisierten Informationsveranstaltungen haben im vergangenen halben Jahr mehr als 1000 Landwirte teilgenommen. Das zeigt, dass das Thema ernst genommen wird und dass wir den Rückhalt der Landwirte haben.″

Über den Runden Tisch und die Informationsveranstaltungen sollen die 3500 landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis darüber informiert werden, wie möglichst geringe Nährstoffüberschüsse in den Boden gelangen. Es geht uns darum, dass möglichst wenig mineralische Dünger eingesetzt werden und der organische Dünger stattdessen optimal eingesetzt wird.″ Als organischen Dünger bezeichnet Schomburg Gülle und Gärreste also Rückstände der Vergärung von Biomasse in einer Biogasanlage, die daher auch als Biogasgülle bezeichnet werden. Dünger und Gülle werden für die Nitratbelastung im Grundwasser verantwortlich gemacht.

Schomburg sagt: Wir arbeiten am Bewusstseinswandel und an einer Trendwende.″ Die Landwirte würden erkennen, dass sie reagieren müssen. Es fange damit an, dass die überschüssige Gülle aus unserer Region in andere Landkreise transportiert wird. Aktuell sei eine Steigerung des Transports der Gülle und Gärreste in andere Regionen um zwölf Prozent zu verzeichnen. Schomburg lobt: Das zeigt, dass nun die ordnungsrechtlichen Grenzen der Düngeverordnung eingehalten werden.″

Zudem sensibilisiere der Runde Tisch für den bewussteren Umgang mit organischen Nährstoffen und informiere über wesentlich verbesserte Ausbringtechnik. Gülle könnte über eine bessere Verteiltechnik wie etwa durch Schleppschläuche am Güllefass direkt an die Pflanze gelangen. Zuvor gab es viele Streuverluste, und viele Nährstoffe, die die Pflanze nicht aufnehmen konnte, sind in den Boden gelangt. Mittlerweile müssten Landwirte auch über Nährstoffvergleiche am Ende der Saison nachweisen, dass sie pro Flächeneinheit nur so viel Dünger aufgebracht haben, wie die Pflanzen auch aufnehmen konnten. Diese Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphor″ muss dokumentiert werden. Wenn bei Kontrollen der Landwirtschaftskammer auffällt, dass der Betrieb sich nicht daran hält, drohen Ordnungswidrigkeitsverfahren und Kürzungen von EU-Fördermitteln. Schomburg sagt als Geschäftsführer des Runden Tisches Nährstoffe Osnabrück und als Leiter der Bezirksstelle Osnabrück der Landwirtschaftskammer: Wir erwarten in den kommenden Jahren eine deutlich geringere Nährstoffbelastung im Boden, weil die Maßnahmen langsam greifen werden.″

Bildtext:
Durch Schleppschläuche können Nährstoffe gezielter an die Pflanze gelangen.
Archivfoto:
Michael Gründel
Autor:
Jean-Charles Fays


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