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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Heute vor 400 Jahren begann das Grauen
 
Generation des Gemetzels
Zwischenüberschrift:
Der Dreißigjährige Krieg:Eine Zäsur und eine Warnung
 
Im Dreißigjährigen Krieg lebten, kämpften und starben Menschen, die Frieden niekennengelernt haben. Für viele musste der Konflikt wie der Auftakt zum Ende der Weltwirken:
 
Ganze Regionen waren am Ende des Krieges entvölkert. Einblicke in dieses einschneidende Ereignis, das vor 400 Jahren seinen Anfang nahm, bieten viele Objekte und Museen:
 
Ein Überblick über 30 JAhre Krieg in 30 Bildern.
Artikel:
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Originaltext:
Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg. Das jahrzehntelange Schlachten hinterließ tiefe Spuren in der deutschen Geschichte und ist bis heute eine Mahnung.

Osnabrück. Was als Fanal für eine Revolte gedacht war, wuchs sich zu einem Krieg aus, der Jahrhunderte vor den beiden Weltkriegen Mitteleuropa verwüstete und Millionen Tote forderte: Heute vor 400 Jahren, am 23. Mai 1618, warfen protestantische, böhmische Aufständische drei kaiserliche Beamte aus einem Fenster der Prager Burg. Dieser Prager Fenstersturz″ wurde zum Auslöser des Dreißigjährigen Kriegs, der zu einer Zäsur der europäischen Geschichte wurde.

Ein begrenzter Anlass mit schwerwiegenden Folgen und einem kaum zu überblickenden Maß an Tod und Zerstörung: Parallelen zwischen dem jahrzehntelangen Gemetzel im Herzen Europas und heutigen Konflikten liegen da nahe. Unlängst mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Geduld bei der Lösung des Syrien-Konflikts an : Der Westfälische Frieden sei damals auch nicht in zwei Monaten″ ausgehandelt worden, sagte Merkel. Schon zuvor hatte Altbundespräsident Christian Wulff mehrfach den Westfälischen Frieden, der 1648 das Schlachten endlich beendete, als Vorbild für die Lösung heutiger Konflikte ins Spiel gebracht.

Zumindest in einem Punkt liegen Gemeinsamkeit zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und den Konflikten etwa in Syrien und im Jemen auf der Hand: Sie haben eine stark religiöse Prägung, werden aber mindestens ebenso von reiner Machtpolitik bestimmt auch und gerade durch auswärtige Staaten. Ähnlich sah es zwischen 1618 und 1648 aus: Religion spielte eine Rolle, aber man kann nicht sagen, dass der Dreißigjährige Krieg ein Religionskrieg gewesen sei″, sagt etwa der Berliner Politologe Herfried Münkler. Tatsächlich wurde das Gebiet des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zum Schachbrett der Interessen damaliger Großmächte, die sich über ihre Glaubensgrundsätze hinweg verbündeten oder bekämpften .

Der Krieg dauerte und dauerte, weil von außen immer neue Ressourcen, Geld und Soldaten in ihn hineinflossen″, sagt Münkler: Das Besondere dieses Krieges sei die offene Kriegsökonomie″ gewesen, die dafür sorgte, dass die Kräfte beider Seiten nicht auf dem Schlachtfeld ausbrannten″. Heute sind es Waffen, Söldner und Geld, die unablässig in Krisengebiete fließen und die Konflikte am Laufen halten oder bei Bedarf eskalieren. Politische Schach- und Winkelzüge waren es auch, die damals trotz sich bietender Gelegenheiten ein früheres Ende des Kriegs verhindert hatten. Während zu Münster und Osnabrück bereits die Friedensverhandlungen liefen, wurde bis zuletzt an allen Fronten weitergekämpft. Der Jenaer Historiker Georg Schmidt sieht im Dreißigjährigen Krieg daher auch ein Politikversagen: Kriege werden von Menschen gemacht und wären also an jedem Punkt verhinderbar″, sagte der Buchautor in einem Interview.

Allerdings bleibt Schmidt skeptisch, was allzu kühne Vergleiche zwischen damals und heute angeht: So gehörten etwa Amnestie und immerwährendes Vergessen zur Basis des Westfälischen Friedens, sagt Schmidt. Das könnte heute keiner aus der westlichen Welt mehr unterschreiben. Oder wollten Sie Assad im Biergarten als freien Mann neben sich sitzen haben?

Wie ein Fenster Weltgeschichte schrieb: der Prager Fenstersturz noz.de / kultur

Bildtext:
Gestorben bei Lützen: Opfer einer der blutigsten Schlachten des Krieges in einem 2011 geborgenen Massengrab.
Foto:
imago/ Steffen Schellhorn

Kommentar
Die Geschichte lehrt. Wer hört zu?

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie wiederholt ihre Lehren das soll Altbundespräsident Richard von Weizsäcker einst gesagt haben. Man möchte hinzufügen: Leider hört viel zu selten jemand darauf. Zum 400. Jahrestag des Beginns des Dreißigjährigen Kriegs zeigt sich das in beklemmender Weise aufs Neue.

Bevor der Westfälische Frieden das bis dahin beispiellose, immer wieder gezielt eskalierte Gemetzel beendete, wurde jahrelang verhandelt. Jahre, in denen immer weiter gekämpft wurde, weil die beteiligten Mächte ihre Position stärken wollten. Heute reicht ein Blick auf Syrien, die Ukraine oder den Jemen, um zu erkennen, dass immer noch die Interessen im Zweifel nur indirekt beteiligter Parteien schwerer wiegen als der Wille, das Leid der Bevölkerung endlich zu beenden. Es sind Konflikte, die das Potenzial haben, noch sehr lange immer wieder aufzuflammen. Vielleicht dreißig Jahre lang.

Dabei stehen heute Instrumentarien zur Konfliktbeilegung zur Verfügung, die es vor 400 Jahren so nicht gab. Die Vereinten Nationen etwa, so zahnlos sie manchmal auch sein mögen. Es gibt Bündnisse, internationale Initiativen, neutrale Vermittler. All das hilft freilich wenig, solange Machtpolitik über das Schicksal der Menschen gestellt wird. Aber wer das tut, hat wieder nicht hingehört, als es um Lehren aus der Geschichte ging.
Autor:
KNA, epd, Maik Nolte


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