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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Spielschiff ist abgewrackt
 
Sail away!
Zwischenüberschrift:
Hansekogge am Adolf-Reichwein-Platz in Osnabrück ist abgebaut
Artikel:
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Originaltext:
Die Hansekogge auf dem Spielplatz am Adolf-Reichwein-Platz ist Geschichte: Am frühen Mittwochmorgen wurde sie innerhalb kurzer Zeit abgerissen.

Osnabrück. Punkt 6 Uhr wurde der Spielplatz abgesperrt, zehn Minuten später waren schon der Mast abgebrochen und die Rutsche abgetrennt, weitere zehn Minuten später war auch schon das stilisierte Osnabrücker Rathaus vom Schiffskörper abgetrennt. Nun sah die Hansekogge aus wie ein auf einer Sandbank auf Grund gelaufenes Wrack.

Mit Bagger und Schaufeln waren rund zehn Mann des Osnabrücker Servicebetriebs (OSB) vor Ort. Wir haben extra so früh angefangen, damit es nur wenig Publikumsverkehr gibt und wir auch schnell durch sind″, sagte OSB-Sprecherin Katrin Hofmann, die dem Abbau ebenfalls beiwohnte.

Die Maiwoche ist stets eine Zeit, in der der Spielplatz sehr gut frequentiert ist zumal dort in den kommenden Tagen das Kinderprogramm des Stadtfestes stattfinden wird. Nicht auszudenken, wenn sie bricht und sich Kinder verletzen″, so Hofmann.

Also habe man sich beim OSB dazu entschlossen, die Hansekogge noch kurz vor Beginn der Maiwoche abzuwracken. Zu retten gewesen wäre sie nicht mehr, denn nach dem Trennen der Baukörper war gut der Schwamm zu erkennen, der sich im Holz des Schiffes breitgemacht und es langsam zerstört hat.

Da kann man nichts mehr machen. Es ist alles morsch unter der Treppe und nur eine Frage der Zeit, dass sie zusammenbricht″, erklärte Spielplatzkontrolleur Martin Grewe mit Blick auf das faule Holz.

Mit einem Bagger wurde erst grob Stück für Stück das Holz zerdrückt und dann in einen Container verfrachtet. Dann mussten die 18 Fundamente aus Zement, quasi die Anker des Spielschiffes, gefunden und aus dem sandigen Boden entfernt werden.

Um 7.15 Uhr war die Hansekogge dann Geschichte Es blieben nur Holzsplitter, ein paar Nägel und eine freie Fläche. Als der Platz auch von den Überresten gereinigt war, wurde er gegen Mittag wieder zum Spielen und Toben freigegeben, Ob die Kinder merken, dass hier etwas fehlt?″, fragte sich Hofmann. Vielleicht, aber es kommt ja bald das neue Konstrukt″, so Spielplatzexperte Grewe.

Am 28. Mai soll der Aufbau der neuen Spielgeräte beginnen. Danach wird es auch neuen Sand geben, kündigte Grewe an.

Und was bleibt von der Hansekogge? Wohl nur der Name für den Spielplatz, Koggestrand, sowie die Edelstahlrutsche, die demnächst auf einem anderen Spielgerät angebracht werden soll. Das verschwammte Holz des einst so stolzen Schiffes hingegen wird fachgerecht entsorgt.

Bildtexte:
Punkt 6 Uhr wurde am Mittwoch der Spielplatz abgesperrt, zehn Minuten später war auch schon der Mast abgebrochen. Der Rest des Schiffes verschwand im Verlauf einer guten Stunde.
Mitarbeiter der OSB bauen die Hansekogge am Adolf-Reichwein-Platz in Osnabrück ab.
Fotos:
Swaantje Hehmann, Corinna Berghahn

Ach, liebe Hansekogge, was waren das noch für öde Zeiten, als es Dich gar nicht gab. Da trafen sich auf der noch grünen Wiese einzig angeheiterte Schüler der nahe gelegenen Schule, die ihren Abschluss oder den Ferienbeginn begossen. Ansonsten war hier eine trübe Stimmung wie drei Tage Maiwochenwetter. Klar gab es den Grünen Jäger bereits, und auch andere Lokalitäten waren schon eröffnet. Trotzdem: Diesem Platz fehlte etwas, das Generationen verbindet. 2006 wurde dann alles besser, denn dann kamst Du und belebtest fast zwölf Jahre lang erst den Spielplatz und später auch noch die gesamte Infrastruktur.

Der Grund: Der in Osnabrück abgehaltene Hansetag verlangte nach einem Werbeträger mit Mehrwert. So kam man auf die Idee, Dich bauen zu lassen. Die Kosten dafür je zur Hälfte aus dem Etat des Hansetages und dem städtischen Eigenbetrieb Grünflächen und Friedhöfe getragen wird wohl kein noch so kritischer Osnabrücker grimmig bemäkelt haben.

Denn von Anfang an war klar, dass Du einmal von den Kindern der Stadt bespielt werden wirst, wenn anfangs auch noch der Plan war, Dich nach dem Hansetag auf dem Spielplatz am Carl-Hermann-Gosling-Platz im Katharinenviertel unterzubringen.

Sechs Wochen lang baute eine Firma für Spielplatzeinrichtungen an Deinem fast drei Meter breiten Holzkörper und dem Nachbau des Osnabrücker Rathauses. Danach ging es für Dich auf große Fahrt durch die Innenstädte von Georgsmarienhütte, Bramsche, Rheine, Lingen, Bielefeld, Münster und sogar bis ins niederländische Enschede. Während des Hansetages hast Du dann die Innenstadt geziert. Erinnert man sich noch an den Hansetag? Vielleicht. Aber Du warst die Jahre über dann doch präsenter.

Als Dich 2015 Vandalen beschmierten, war die Empörung groß. Das allein zeigt, wie sehr Du den Osnabrückern seit dem September 2006 ans Herz gewachsen bist.

Bei Regen und knallender Sonne fand man in Deinem Innenraum Schatten und Schutz, und wer sich irgendwann traute, die große Rutsche herunterzurutschen, hatte einen enormen Entwicklungsschub hinter sich. Dank Dir wurde der Platz einer der schönsten der gesamten Innenstadt.

Meine Kinder haben auch auf Dir klettern, rutschen und entdecken gelernt und wir Eltern konnten in Ruhe dabeisitzen und ihnen zuschauen. Wir waren da nicht alleine: Auch wegen Dir wurde der Platz zum sogenannten Eltern-Bermudadreieck.

Es ist schade, dass Du jetzt abgewrackt werden musstest. Es ist schade, dass es an Dir nichts mehr zu retten gab. Natürlich wird etwas Neues entstehen und die Kinder werden auch an Deinen Nachfolgern gerne spielen. Trotzdem: Vergessen werde ich Dich nie. Denn ein richtiges″ Schiff auf einem Sandstrand welche Stadt hat( te) das schon? Wir werden Dich vermissen, alte Hansekogge!
Autor:
Corinna Berghahn


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