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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Weniger Busse auf dem Neumarkt?
 
Weniger Busse auf dem Neumarkt?
Zwischenüberschrift:
Arbeitskreis sucht Ideen und neue Linienführungen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Ein Arbeitskreis mit Verkehrsexperten, Politikern und Interessenvertretern sucht Wege, den Neumarkt vom Busverkehr zu entlasten. Ein Vorschlag soll im Oktober vorliegen. Wir überprüfen, ob der ÖPNV auf dem Neumarkt so verbleiben muss oder ob es eine andere Lösung gibt″, wird Stadtbaurat Frank Otte in einer Mitteilung der Stadt zitiert. Es seien in einer Arbeitssitzung erste Ansätze″ vorgestellt worden, die in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden sollen. Die Machbarkeitsstudie erstellt die Firma Nahverkehrsconsult aus Kassel im Auftrag der Stadt. Mathias Schechting, Inhaber der Beratungsfirma, stellte dem Arbeitskreis sieben mögliche Linienführungen vor. Eine letzte Variante ließ Schmechtig offen, die sich aus der Diskussion im Arbeitskreis ergeben könnte.

Ein Neumarkt ohne Busse? Ein Arbeitskreis mit Verkehrsexperten, Politikern und Interessenvertretern sucht Wege, den Platz zu entlasten. Ein Vorschlag soll im Oktober vorliegen.

Osnabrück. Dieser Arbeitskreis unter dem Titel Neuorganisation des ÖPNV in der Osnabrücker Innenstadt″ tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Stadt verschickte am Mittwoch einen Bericht von der ersten Arbeitssitzung, die bereits Mitte April stattfand. Wir überprüfen, ob der ÖPNV auf dem Neumarkt so verbleiben muss oder ob es eine andere Lösung gibt″, wird Stadtbaurat Frank Otte in der Mitteilung der Stadt zitiert. Es seien erste Ansätze″ vorgestellt worden, die in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden sollen. Dem Arbeitskreis gehören Vertreter der Ratsfraktionen, Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos), der Umwelt- und Verkehrsverbände, der Wirtschaft, des Fahrgastbeirats und weiterer Interessenverbände an. Ihre unterschiedlichen Perspektiven, Bedürfnisse und Anforderungen sollen bei der Ausgestaltung des Platzes und der Busführung durch die Stadt berücksichtigt werden, wie es in der Mitteilung der Stadt heißt.

Die Machbarkeitsstudie erstellt die Firma Nahverkehrsconsult aus Kassel im Auftrag der Stadt. Mathias Schmechtig, Inhaber der Beratungsfirma, stellte dem Arbeitskreis sieben mögliche Linienführungen vor. Eine letzte Variante ließ Schmechtig offen, um zu verdeutlichen, dass durch die Diskussion im Arbeitskreis auch weitere Linienführungen möglich sind. Die Linienführungen wurden zunächst nur zur Kenntnis genommen, ohne sie inhaltlich tiefer zu diskutieren, wie ein Teilnehmer berichtete.

Bei der Gestaltung des Busverkehrs müssten viele, zum Teile gegensätzliche Faktoren berücksichtigt werden, stellte Schmechtig dar. So sollte der Einzugsbereich der einzelnen Haltestellen nicht mehr als 300 Meter betragen. Für Senioren mit Rollator beispielsweise können 300 Meter schon sehr weit sein″, sagte Mathias Schmechtig. Ein weiterer Aspekt sei die Fahrtdauer im Bus durch die Stadt, die sich bei einigen Ansätzen erhöhen würde und manchen von der Nutzung der Busse abhalten könnte, so Schmechtig. Das Besondere an der Osnabrücker Situation sei, dass sich zum einen der Bahnhof außerhalb des Zentrums befindet: Er liegt im Schatten aller städtebaulichen Strukturen″, sagte Frank Otte. Zum anderen seien die Parkhäuser im Kernbereich der Innenstadt gebaut worden.

Vor diesem Hintergrund bedürfe es einer besonderen Planung, damit das Busfahren attraktiv bleibe und nicht hinter dem Komfort für Autofahrer zurückstehe. Die Daten zur Nutzung einzelner Haltestellen zeigten, dass der Neumarkt der zentrale Anlaufpunkt ist. Zählungen hätten ergeben, dass hier täglich 43 000 Fahrgäste ein-, aus- oder umsteigen. Der nächste größere Anlaufpunkt ist der Hauptbahnhof mit 8000 Fahrgästen.

Die Spannbreite der Anforderungen an die Gestaltung des Neumarktes wurde deutlich, als Moderator Jens Stachowitz die Teilnehmer zu Beginn aufforderte, Stichpunkte zu sammeln, die ihnen wichtig sind. Während sich bei manchen Punkten schnell ein Konsens ausmachen ließ beispielsweise mehr Aufenthaltsqualität auf dem Neumarkt zu gewinnen –, gingen die Vorstellungen darüber, wie der Busverkehr gestaltet werden soll, zum Teil auseinander. So wünschten sich manche Teilnehmer, den Busverkehr komplett vom Neumarkt zu lösen, andere erwarten eine höhere Verdichtung des ÖPNV auf dem Platz, die der Neumarkt aufnehmen und verkraften können muss.

Diese Punkte sollen in den beiden weiteren Sitzungen des Arbeitskreises diskutiert werden, um in die Machbarkeitsstudie einzufließen. Dieses Gutachten soll, wie Heike Stumberg, Leiterin des Fachdienstes Verkehrsplanung, erläuterte, bis Ende Oktober dieses Jahres stehen.

Den Denkprozess über eine Änderung des Knotenpunktes Neumarkt hatte Stadtwerke-Chef Christoph Hüls im Juli 2017 angestoßen. In einem Interview mit unserer Redaktion sagte Hüls, wenn die Politik es wolle, würden die Stadtwerke entsprechende Konzepte entwickeln. Die FDP-Ratsfraktion nahm den Ball auf und initiierte einen gemeinsamen Ratsantrag von FDP, CDU, SPD, Grünen, Linken, UWG und Piraten. Die Machbarkeitsstudie soll auch Alternativen wie eine Wallringlinie, Busliniengestaltung in Taschenführung, Eignung des Hauptbahnhofes als zusätzlichen Knotenpunkt und alternative Linienführungen für die Johannisstraße in Betracht ziehen.

Bildtext:
Knotenpunkt Neumarkt: 43 000 Menschen steigen hier täglich ein oder aus.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Fahrt aufgenommen

Es war ein Dogma. Jahrzehntelang sagten die Stadtwerke: Der Neumarkt ist als Drehscheibe mit Anschluss an die Fußgängerzone unentbehrlich. Eine Verlagerung des Knotenpunktes wäre zum Nachteil der Buskunden und würde den ÖPNV schwächen. Dann kam Christoph Hüls. Der Neue an der Spitze der Stadtwerke brachte einen neuen Blick mit und stieß die Tür auf. Die Politik stieg ein, und so nahm eine Debatte Fahrt auf, die schon vor Jahren intensiver hätte geführt werden müssen.

Die Machbarkeitsstudie, richtigerweise von einem externen Büro erstellt, wird keine endgültige Antwort liefern, wie der Busverkehr zu organisieren ist. Aber sie wird zeigen, welcher Preis für einen busfreien oder weniger frequentierten Neumarkt zu zahlen wäre. Auf dieser Basis kann die Politik dann Vor- und Nachteile, Nutzen und Kosten abwägen und eine für alle nachvollziehbare Entscheidung treffen.

Nicht nachvollziehbar ist, warum die Öffentlichkeit von diesem Prozess ausgesperrt wird. Zuhörer waren nicht gewollt bei der Auftaktsitzung des Arbeitskreises, wohl um Showgefechte und frühzeitige Festlegungen zu verhindern. Und wenn schon. Jeder Bürger sollte die Chance haben, den Diskurs ungefiltert zu verfolgen und sich einzumischen.
Autor:
pm, Wilfried Hinrichs


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