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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Damals, als das Internet noch Neuland war
Zwischenüberschrift:
Vor 25 Jahren kam das WWW – Ein Blick auf Osnabrücks erste Webseiten
Artikel:
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Originaltext:
Vor 25 Jahren, am 30. April 1993, wurde das Internet für die Öffentlichkeit freigeschaltet. Die erste Webseite entstand am Schweizer Kernforschungsinstitut CERN, die ersten Internetseiten in Osnabrück gingen schon ein Jahr später im WWW online. Was da zu sehen war, ploppte allerdings nicht gerade wie ein neues Zeitalter auf.

Osnabrück. Im Internet zu surfen, das war 1994 wie Tauchen oder Drachenfliegen, etwas für Spezialisten. Ein Modem musste her, um den Computer mit der Telefonsteckdose zu verbinden. Und dieses zigarettenschachtelgroße Gerät gab beim Einwählen Pieptöne von sich, die so klangen, als flöge gerade ein Sputnik vorbei. Manchmal klappte es erst beim dritten oder vierten Versuch mit der Verbindung. Aber immer dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis der Bildschirm etwas preisgab.

Mehr als eine Nische

Besucher des European Media Art Festivals (Emaf) konnten im September 1994 einen Blick in das noch dünne, aber schon weltumspannende Netz werfen. Der britische Videokünstler David Blair wagte es damals sogar, seinen in Osnabrück vorgestellten Spielfilm Waxweb″ über das Internet zu senden. Und jeder Zuschauer an irgendeinem Rechner auf der Welt sollte Gelegenheit haben, das Hypermedia-Projekt″ zu kommentieren oder zu ergänzen. Ein Experiment, das damals wegen der technischen Voraussetzungen nicht reibungslos funktionieren konnte, aber das trotz schwacher Auflösung und ruckelnder Bilder erahnen ließ, welche neue Dimension sich da auftat.

Die Emaf-Matadoren Hermann Nöring und Alfred Rotert gehörten in Osnabrück zu den Ersten, die eine Internetseite ins Netz stellten. Auf ihrer Homepage machten sie 1995 auf das aktuelle Festivalprogramm aufmerksam. Und das war damals total abgefahren sie hatten schon eine eigene E-Mail-Adresse.

Für die Experimentalfilmspezialisten war schnell klar, dass sich mit dem World Wide Web nicht nur eine kleine Nische auftat. Wir wollten eine Internetseite bauen″, erinnert sich Alfred Rotert, und dafür brauchten sie Partner. Beim Osnabrücker Software-Start-up Uni-X gab es einen Server und IT-Experten, die ebenfalls Interesse hatten, etwas auszuprobieren. Die Chemie stimmte, und man fand sich zusammen. Eine Win-win-Situation, sagt Rotert rückblickend. Für das Programmieren der Internetseite wurden Studenten der Kunsthochschule Kassel angeheuert, die sich zuvor beim Emaf eingebracht hatten.

Viren eingefangen

Viel zu programmieren gab es allerdings nicht, denn das, worauf es ankam, waren blau unterstrichene Zeilen, die beim Anklicken den Blick auf die nächste Ebene freigaben. Fotos oder GIFs mussten sich die Wegbereiter der digitalen Welt weitgehend verkneifen, weil das Netz aus Telefonleitungen bestand und schon ein Seitenaufruf eine halbe Ewigkeit dauerte, von einem Download ganz zu schweigen.

So sparsam wie möglich mussten alle Webseiten gezimmert werden, die damals an den Start gingen. Astronom Andreas Hänel war früh dabei und informierte über das Planetarium im Museum am Schölerberg und die Sternwarte auf dem Oldendorfer Berg. Und weil die Stadt noch nicht im Internet war, lagen die von Hänel gestalteten Seiten auf dem Server der Universität, an der er schon damals als Lehrbeauftragter tätig war. Die Programmiersprache HTML hatte er sich selbst beigebracht.

Kein Platz für Fotos

Als im Juli 1994 der Komet Schoemaker-Levy 9 auf dem Jupiter einschlug, setzte sich der Astronom mittags an den Uni-Rechner und lud frische Fotos der Europäischen Südsternwarte in Chile auf seine mitgebrachten Disketten. Die baute er dann abends ganz aktuell in seine Planetariumsshow ein. Einige Zeit später bemerkte er allerdings, dass er sich mit den Disketten allerlei Viren eingefangen hatte, die seinem Computer zu schaffen machten.

In der Osnabrücker Uni gab es damals einzelne Vorreiter, die ihre Fachbereiche im Internet vorstellten, etwa den Musikwissenschaftler Bernd Enders oder den Informatiker Oliver Vornberger. So etwas wie Corporate Identity war damals nicht erkennbar. Eine Homepage, auf der sich die Universität als übergeordnetes Ganzes präsentierte, ging am 29. März 1997 online. Dahinter standen Marietta Fuhrmann-Koch, damals Leiterin der Uni-Pressestelle, und Thomas Haarmann, der für die Stabsstelle Kommunikation und Information verantwortlich war.

So habe man Technisches und Inhaltliches sauber voneinander getrennt, erinnert sich der Mathematiker, der für die Programmierung Studenten anheuerte, die wie er mit HTML und Javascript umgehen konnten. Für die Gestaltung holte sich das Team Anregungen aus der ganzen Welt, vor allem von der Uni in Stanford. Aber die Unzulänglichkeiten im Netz zwangen zum sparsamen Umgang mit grafischen Elementen.

Wir konnten keine Bilder transportieren″, erinnert sich Haarmann, denn das kostete Speicher und senkte die Ladegeschwindigkeit″. Deshalb beschränkte sich auch die Uni-Avantgarde auf das Wesentliche, und das waren Textzeilen mit Hyperlinks. Erst im Dezember 2000 kam ein Schwarz-Weiß-Foto vom Schloss auf die Homepage, und es dauerte noch lange, bis das Netz den zügigen Transport hochaufgelöster Farbfotos erlaubte.

Osnabrücks erste Adresse

Damals, als das Internet Neuland war, wollten viele kluge Köpfe noch nicht wahrhaben, dass sich die Welt anschickte, digital zu werden. Kaum einem Politiker oder IHK-Geschäftsführer kam es in den Sinn, schnellere Datenleitungen zu fordern. Nur sehr zögerlich wagten sich die Unternehmen der Region auf das weltweite Parkett, das von den meisten Entscheidungsträgern noch als Spielwiese für Nerds belächelt wurde. Die Stadt blieb zunächst Juniorpartner von Emaf und Uni auf dem Portal Osnabrück Online″, bevor sie mit www.osnabrueck.de zu ihrem eigenen Auftritt kam.

1997, vier Jahre nach dem Start der ersten Webseite, listete die Suchmaschine Yahoo 112 Treffer für den Begriff Osnabrück″ auf. Heute sind es mehr als 8 Millionen. Aber manchmal dauert es immer noch eine Ewigkeit, bis sich eine bestimmte Internetseite öffnet. Und gelegentlich erscheint dann jenes unschöne Wort, das den Usern schon vor 20 Jahren die Laune verderben konnte: Error.

Pioniergeist: So kündigte das Team vom Emaf das Media Art Festival 1995 an (links). Die nachträglich modifizierte Webseite ist eine der ersten aus Osnabrück.

Bildtext:
Als das Internet laufen lernte: Beim Emaf-Festival 1994 konnten die Besucher einen ersten Blick in das noch sehr holprige WWW werfen.
Foto:
EMAF-Archiv

Hypertext und Katzenvideos: Wie das Internet vor 25 Jahren in die Welt kam

Bunte Bilder und animierte Grafiken, Videos und Musik? Fehlanzeige! Auf der ersten Webseite, die der britische Physiker und Informatiker Tim Barners-Lee am Kernforschungsinstitut Cern ins Netz stellte, gibt es nur ein paar Textzeilen zu lesen, die miteinander verlinkt sind. Wer einem dieser Links folgt, stößt auf die nächste Übersicht nach gleichem Muster, und schließlich auf Erklärungen. Ziemlich unspektakulär also, aber so kam das World Wide Web unter die Menschen. Und es bedurfte schon einer gewissen Fantasie, um sich auszumalen, dass da etwas ins Rollen gekommen war, das sich anschickte, das Leben auf unserem Planeten zu verändern.

Die 25 Jahre alte Webseite aus dem Cern ist heute ein Museumsstück und unter der Original-URL von damals für jeden Internetnutzer abrufbar. Tim Berners-Lee hatte vier Jahre zuvor, im März 1989, den ersten Entwurf für ein vernetztes Informationssystem vorgestellt, aus dem sich das World Wide Web dann entwickelte.

Ursprünglich sollte das Netz den Wissenschaftlern dazu dienen, besser untereinander zu kommunizieren und Forschungsergebnisse auszutauschen. Heute kann jeder die Plattform nutzen, um der Welt seine Verschwörungstheorien mitzuteilen oder Katzenvideos zu posten.

Tim Barners-Lee, der in diesem Jahr 63 wird, ist als der Erfinder von HTML (Hypertext Markup Language) und als Begründer des World Wide Web vielfach ausgezeichnet worden. Er arbeitet heute als Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und hat einen Lehrstuhl an der Universität Oxford.

Bildtext:
Der Erfinder des World Wide Web: Tim Barners-Lee.
Foto:
dpa
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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