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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Der OAB will man an den Kupferkessel
Zwischenüberschrift:
April 1918: Osterfreuden und Hoffen auf Frieden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Drücken die Lasten des Krieges auch schwer, so bleibt den Menschen an der Heimatfront″ doch wenigstens die Freude über die erwachende Natur. Und eine Vorahnung davon, dass der Friede nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird siegreich oder wie auch immer.

Osnabrück. Hat auch der Krieg vieles, fast alles in den Bannkreis seines Einflusses gezogen, machtlos geblieben ist er glücklicherweise auf dem Gebiet der sich ewig verjüngenden Natur″, philosophiert der Redakteur des Osnabrücker Tageblattes″, der Natur, die uns gerade jetzt in dem Grün und Gelb und Weiß der Sträucher von dem Auferstehungswunder erzählt und uns lehrt, dass der alte Herrgott trotz aller schweren Zeiten immer noch lebt. Die Ereignisse des Kriegstheaters lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß der diesmalige Lenz und der Völkerfrühling vielleicht nicht mehr allzu weit voneinander wohnen! Um die Osterfreude ein wenig zu erhöhen, wurden in der Karwoche zwei Eier pro erwachsene Person zugeteilt. Dafür gibt es in der Woche nach Ostern kein einziges.

Ein Erlass des Bischofs von Osnabrück ordnet für Sonntag, den 21. April, in der Diözese Osnabrück einen allgemeinen Bet-Tag an. Bischof Berning schreibt: Allem Anscheine nach sind die letzten großen Entscheidungskämpfe im Gange. Unsere heilige Pflicht ist es, unseren Soldaten durch inniges, beharrliches Beten zu helfen. Wir wollen zu Gott im Himmel flehen, daß er die Waffen unserer kämpfenden Soldaten segne. Die Gebetshilfe sei der Dank, den wir jetzt unseren Brüdern im Felde für alles Schwere abstatten, das sie für uns wagen und tragen. Darum bitte ich Euch alle, durch andauerndes Gebet und häufigen Sakramentenempfang [...] Gottes Huld und Segen auf unser Heer und unser Vaterland herabzuflehen.″

Suche nach Fleisch

Es sind schwere Zeiten für Biertrinker und - brauer. Die Osnabrücker Actien-Bierbrauerei erhält nur fünf Prozent der Friedensmenge an Braugerste zugeteilt. Starke Produktionseinschränkungen und Experimente mit Ersatzgetränken sind die Folge. Das Kriegsamt droht mit der zwangsweisen Zusammenlegung von Brauereien, um dann überzählige Kupferkessel für den Kriegsbedarf requirieren zu können. Der Verband der Brauereien hat Einspruch eingelegt. Dieser Schutzverband will Kupferablieferungen aus den Brauereien seines Geltungsbereichs jetzt selbst in die Hand nehmen, um Zwangszusammenlegungen zu entgehen. Freiwillig werden jetzt ältere und unterbeschäftigte Kupfergefäße freigemeldet.

Auf der Suche nach einer Fleischbeilage werden zunehmend Hunde geschlachtet und verzehrt. Als besondere Leckerbissen gelten auch Feldhamster. Ihren Bestand zu dezimieren erfüllt einen weiteren Zweck. Denn sie richten auf den Feldern große Schäden an, weil sie Körner und Hülsenfrüchte in ihre unterirdischen Gänge abschleppen. Früher zahlte die Gemeinde 5 Pfennig bei Ablieferung, jetzt bis zu 50 Pfennig, da auch das fuchsgraue Fell ein gesuchter Artikel ist.

Neue Schlosser

Der Magistrat gibt die Jahresrechnung bekannt. Der städtische Haushalt hat ein Volumen von 13 Millionen Mark angenommen. Vor 20 Jahren war es nur eine Million. Die enorme Steigerung liegt hauptsächlich in der Entwicklung der technischen Betriebe begründet. Gewinne erzielt die Stadt mit ihrem Gaswerk: 2, 003 Mio. Einnahmen stehen 1, 676 Mio. Ausgaben gegenüber, ferner mit dem Elektrizitätswerk (878 500 M. Einnahmen, 640 400 M. Ausgaben) und dem Viehhof (114 400 M. zu 79 000 M.). – Ausgeglichene Ergebnisse liefern Wasserwerk (Teilhaushalt 334 500 M.), Straßenbahn (193 700 M.), Industriegleise (27 550 M.), Fuhrpark (185 200 M.) und Schlachthof (141 850 M.). Bald könnten Ausgleichs- zu Überschussbetrieben werden, kündigt Syndikus Max Reimerdes an. Bei der Straßenbahn sei es lediglich dem starren Zahlkastensystem zu danken, dass man noch für 10 Pfennig kutschieren könne. Der eigentlich gebotene abgestufte Streckentarif, wie man ihn in größeren Städten kennt, bedinge aber zugleich die Anstellung von Schaffnern.

Zuschussbetriebe sind vor allem der Hafen (minus 111 000 M.), das Feuerlöschwesen (minus 39 500 M.), Schulen (minus 1 176 000 M.) und das Armenwesen (minus 162 800 M.). Die gesunde Grundlage der städt. Entwicklung habe trotz der nahezu vierjährigen Kriegsdauer nicht erschüttert werden können, resümiert Reimerdes.

Ostern haben 375 Knaben die evangelischen Volks- und Bürgerschulen verlassen. Sie haben folgende Berufe gewählt: 99 Schlosser, 43 Kaufleute, 22 Landwirte, 18 Lehrer, 17 Tischler, 11 Techniker, 10 Elektrotechniker, 9 Knechte, 8 Monteure, je 7 Schreiber und Bäcker, 6 Friseure, je 5 Former und Klempner, je 4 Schmiede, Dreher und Bahnassistenten, je 3 Schlachter, Kutscher, Schuhmacher, Gärtner, Drahtzieher, Fabrikarbeiter, Maschinenbauer und Bahnbeamte, je 2 Schriftsetzer, Wagenbauer, Spinner, Sattler, Uhrmacher, Postbeamte und Weber, je 1 Unteroffizier, Kellner, Packer, Musiker, Fotograf, Steinsetzer, Modelltischler, Schneider, Seemann, Maschinist, Färber, Drechsler und Maler. Einer geht zur höheren Schule, bei 37 Knaben ist die Zukunft noch unbestimmt. Metallbranchen haben mit 156 Nennungen die größte Anziehungskraft ausgeübt.

Von den 350 abgehenden Mädchen bleiben 180 im Elternhaus, 53 treten in einen fremden Haushalt ein, 46 erlernen weibliche Handarbeiten (Nähen, Schneidern, Sticken, Plätten, Putzmachen usw.), 33 streben in kaufmännische Betriebe als Verkäuferin oder Buchhalterin, 18 übernehmen Aufwartestellen.

Eine typische Diebstahlsmeldung: Der Ehefrau des im Felde stehenden Hofbesitzers Joh. Hurwitz in Eistrup wurden nachts aus der Rauchkammer zwei Schinken, zwei Seiten Speck, 25 Mettwürste, mehrere Rückenstücke, mehrere Pfund Butter, ein guter Vorrat Honig und ein paar lange gute Kniestiefel gestohlen. Mit welcher Ruhe die Diebe ihr Werk vollbrachten, erhellt daraus, daß sie sich ausweislich der vorgefundenen Reste erst im Hause an den Mettwürsten gütlich taten, auch einen Honigbehälter dort ausgeleert haben. Die Täter müssen mit den örtlichen Verhältnissen genau vertraut gewesen sein.″

Ziege zu verkaufen

Aus den Inseraten: Am Ostermontag Damenuhr mit goldener Kette von Hellern übern Westerberg, Sedanstraße bis zur Natruperstraße verloren. Gegen gute Belohnung abzugeben in Hellern Nr. 83.″ – „ Auf dem Hasefriedhof, 5. Abt., Schirm stehen gelassen. Bitte abzugeben Liebigstr. 50, 1. Stock.″ – „ Suche sofort einfaches Mädchen für den ganzen Tag für Hausarbeit, am liebsten solches, welches zu Hause schlafen kann. Frau Hüber, Georgstr. 16.″ – „ Kleinkinder-Bewahranstalt: Zur Hilfe bei der Verwahrung der uns anvertrauten Kinder suchen wir für die Nachmittagsstunden mehrere gebildete junge Mädchen zum baldigen Eintritt. Meldungen bei Frau Gruner, Bergstraße 9. Der Vorstand.″ – „ Gesucht auf sofort, einfache evangelische Stütze für kleinen Haushalt auf dem Lande.″ – „ Zum 15. Mai für kleinen Haushalt sauberes Morgenmädchen gesucht. Kölner Straße 1.″ – „ Gut erhaltene Schülermütze für die untere Klasse der Mädchen-Bürgerschule zu verkaufen. Osterberger Reihe 10.″ – „ Hochtragende weiße Ziege zu verkaufen. Haste 42.″ – „ Wer tauscht Zucker gegen Fitzbohnen ein? Näheres abends nach 7 Uhr. Tiesler, Schnatgang 50.″ – „ Strenge Beaufsichtigung der Schularbeiten, Nachhülfe in allen Fächern. Große Straße 78/ 79, 1. Etage rechts.″

Bildtext:
Ein Foto aus besseren Tagen: Um die Jahrhundertwende konnten Osnabrücker Bürger im Biergarten der Osnabrücker Aktien-Brauerei (OAB) verweilen. Während des Ersten Weltkrieges mussten auch Bierbrauer und - trinker mit starken Einschränkungen leben. Die OAB musste gar um ihre Existenz bangen, weil das Kriegsamt die Kupferkessel einziehen wollte.
Foto:
Aktien-Brauerei Osnabrück
Autor:
Joachim Dierks


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